24.06.2010
Der philippinische Film Beast of Blood von Eddie Romero wurde bei einem Überfall auf einen Filmtransporter in der Pariser Banlieue entwendet
Da soll noch einer sagen, nur Kunstraub wäre spektakulär. Anscheinend haben es die internationalen Diebe jetzt auch auf Filmkopien abgesehen - auch wenn sie rotstichig sind. Der 1971 abgedrehte Horrorstreifen Beast of Blood, in dem ganze Köpfe transplantiert werden, ist immerhin - alle 3D-Fans aufgepasst - auf 35mm gedreht - schon jetzt eine nicht nur unter eingefleischten Cineasten begehrte Rarität, wie sich jetzt herausgestellt hat.
In der Nähe seines Depots des Pariser Flughafens Charles de Gaulle wurde vorige Woche ein Kleintransporter überfallen und das schwere Paket mit der Filmkopie entwendet. Der Fahrer blieb bei dem Überfall unverletzt, der Kleintransporter brannte jedoch völlig aus. Dies geht aus dem Entschuldigungsschreiben der Transportfirma an das geschädigte Münchner Filmarchiv hervor, das artechock exklusiv vorliegt.
Fragen bleiben dennoch offen, wie: Gab es einen Schusswechsel? Wird es Lösegeldforderungen geben? Wird die Filmkopie, wie bei anderen geraubten Kunstwerken, in einschlägigen Auktionshäusern auftauchen? Jetzt befasst sich eine Untersuchungskommission mit dem Vorfall. - Wir sind gespannt, in welchem Filmtheater der Welt die geraubte Kopie wieder auftauchen wird. Unklar ist außerdem, ob das Medienrecht hier einen Präzedenzfall von analoger Raubkopie feststellen wird. — db
03.06.2010
Das Münchner Filmfest lässt hinter die Kulissen blicken und wartet mit einer Selektion preisgünstiger Kinoveranstaltungen auf
Wie eigentlich entsteht so ein großes Festival wie das Filmfest? Wie wählen die Kuratoren der verschiedenen Reihen ihre Filme aus? Wieso sieht man hier, was man sonst in Deutschland nicht zu sehen bekommt? Diese und andere Fragen beantworten in der heißen Vorphase zum Filmfest die Macher selbst. Bislang gab es Informationen zu den Filmen aus Deutschland, zur Auswahl des internationalen Programms und Aufklärung über das Filmfest an sich.
In der kommenden zweiten Hälfte der Veranstaltungsreihe "Begegnung Filmfest", die in Kooperation zwischen der Münchner Volkshochschule und dem Freundeskreis Filmfest München entstanden ist, geht es um die besonderen "Schmankerl" des Festivals. Programmkoordinatorin Susana Gomes wird über die Filmfest-Glanzlichter 2010 Auskunft erteilen. Gemeinsam mit Festivalleiter Andreas Ströhl wird sie Informationen zu den Ehrengästen des CineMerit Award, Abbas Kiarostami und Mads Mikkelsen geben. Die Veranstaltung wartet mit Filmausschnitten auf, nicht zuletzt aus dem Eröffnungsfilm YO TAMBIÉN - WER WILL SCHON NORMAL SEIN? und dem Abschlussfilm CLEVENLAND VERSUS WALL STREET. (Mittwoch, 16.6., 19:00 Uhr, Black Box im Gasteig, Rosenheimerstr. 5 - Eintritt frei!)
Drei Tage, bevor dann das Filmfest am 25. Juni eröffnet wird, informiert Festivalleiter Andreas Ströhl noch
über das Indien-Special des diesjährigen Filmfests. Zusammen mit dem indischen Kurator S. V. Raman wurden siebzehn Filme programmiert, die einen Überblick über das gegenwärtige Filmschaffen in Indien geben und damit einen Einblick in die Vielseitigkeit der größten Filmnation der Welt - beyond Bollywood. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Filmbeispiele zu sehen, die einem die eigene Programmgestaltung erleichtern. (Dienstag, 22.6., 19:00 Uhr, Black Box im Gasteig, Rosenheimerstr. 5 - Eintritt frei!)
Während des Filmfests hat man dann Gelegenheit, fünf ausgewählte Filme des Festivalprogramms zu dem äußerst günstigen Eintritt von 5 Euro anzusehen - vorausgesetzt, man hat um 9:30 Uhr bereits Zeit und Muße, sich ins Kino zu begeben. Zu sehen sind: TEHROUN aus dem internationalen Programm,
LSD: Love, Sex aur Dhoka aus dem Indien-Special, die deutsch-irische Co-Produktion Swansong: Story Of Occi Byrne (internationales Programm), den "neuen deutschen Kinofilm" Transit sowie den American Independent Redland. (Alle Filme Mo. - Fr. Cinemaxx 1, 9:30 Uhr). Die Regisseure sind bei den Vorstellungen anwesend!
Mehr Informationen zur Veranstaltungsreihe gibt es unter www.begegnung-filmfest.de. — db
Das Festival des jungen deutschen Films in Ludwigshafen macht künftig keinen Unterschied mehr zwischen Kino und TV
Kein deutscher Kinofilm ohne Senderbeteiligung, das ist spätestens seit dem Untergang des "Filmverlags der Autoren" die Formel, unter dem das deutsche Filmschaffen subsumiert werden muss. Warum also, so der Umkehrschluss des 2005 gegründeten "Festivals des jungen deutschen Films", nicht auch Fernsehfilme am Kino teilhaben lassen? Und schickt sie von 2011 an gleichberechtigt mit den Kinofilmen in den Wettbewerb um stolze 50.000 Euro, die das Festival - BASF sei dank - als Preisgeld für die 20 Filme des Wettbewerbs bereithält. Medienpädagogisch und kulturpolitisch interpretiert, ist diese Entscheidung ein toller Anreiz für TV-Produktionen, mehr auf hochwertige "Ware" zu achten, für TV-Regisseure, sich mehr den interessanten Projekten zuzuwenden. Auf der anderen Seite riecht die Entscheidung der Festivalleitung um Michael Kötz (ebenfalls Leiter des Newcomer-Festivals "Mannheim-Heidelberg") sehr danach, dass es wohl nicht genügend hochwertige junge deutsche Filme jährlich gibt, um damit ein ganzes Festival zu bestreiten. Ein Offenbarungseid, wenn dann das Fernsehen unter dem Deckmäntelchen der "Filmkunst" an die Stelle des Kino tritt. — db
29.04.2010
Am 5. Mai eröffnet das 25. Internationale Dokumentarfilmfestival München unter neuer Leitung.
Im Jubiläumsjahr des Dok.Fests haben Daniel Sponsel als künstlerischer Leiter
und Christian Pfeil, Münchner Kinomacher und Schauspieler, als Geschäftsführer
den langjährigen Festivalleiter Hermann Barth abgelöst. Als Eröffnungsfilm
präsentieren sie Der
Bergfürst von Philip Vogt. Der HFF-Abschlussfilm beobachtet
einen Clan-Chef aus den albanischen Bergen und seine Familie im Spannungsfeld
zwischen Tradition und Moderne, Bergdorf und Großstadt. Anschließend werden
eine Woche lang in fünf Kinos insgesamt 72 Filme in zehn Reihen gezeigt.
Ein Schwerpunkt bildet – neben Münchner Filmen – Afrika. Dem
Kontinent ist mit DOK.guest eine eigene Reihe gewidmet, in der fünf
europäische und amerikanische Produktionen über Afrika sechs Filmen von
Afrikanern über ihren eigenen Kontinent gegenüber stehen.
Erstmals gibt es auch eine Verlängerung. Sechs Filme aus dem Programm des
Festivals gehen vom 13.5.-20.5. auf eine kleine Tournee durch fünf bayrische
Städte. — cs
18.02.2010
Am Montag wurden im Rahmen der Berlinale die diesjährigen Preisträger bekanntgegeben
In elf Kategorien gibt es ihn, den Preis der deutschen Filmkritik. Bestimmen über die Preisträger dürfen die etwas mehr als 300 Mitglieder, die der Verband der deutschen Filmkritik zählt, die Kategorien »Experimentalfilm« und »Spielfilm« ausgenommen. Abgestimmt werden darf über alle deutschen Filme, die im Jahr zuvor auf einer Kinoleinwand zu sehen war – die also regulär im Kino liefen oder auf Festivals gezeigt wurden, im In- und Ausland.
Am Montag wurden nun im Rahmen der Berlinale die Preisträger von 2009 bekanntgegeben. Die größte Überraschung ist, dass Sturm, der Kriegsverbrecher-Thriller von Hans-Christian Schmid, den Preis für den besten Schnitt (Hansjörg Weißbrich) erhielt. Der Film ist konventionelles Drehbuchkino, das im Schnitt ganz den Genreanforderungen entspricht. Ehrliches Handwerk, solide, aber nicht wirklich aufsehenerregend.
Der große »Absahner« des Preises wurde erwartbar Das weiße Band von Michael Haneke: Der Film gewann in den Kategorien »Bester Spielfilm«, »Bester Darsteller« (Burghart Klaußner), »Bestes Drehbuch« (Michael Haneke) und »Beste Kamera« (Christian Berger).
Zum besten Dokumentarfilm wurde Peter Dörflers Achterbahn ernannt. Mit ihm entschieden sich die Verbandsmitglieder für unterhaltsames Dokumentarfilmkino, das eine wahnwitzige Lebensgeschichte porträtiert, allerdings formal dann doch sehr brav ist. Thomas Heises Material, einer der besten deutschen Dokumentarfilme des vergangenen Jahres, fand leider keine Beachtung – dabei hätte es den Filmkritikern gut gestanden, hätten sie auf den Film über die Zeit des Mauerfalls, der auf Festivals viel beachtet wurde, aber in den deutschen Kinos kaum Zuschauer ziehen konnte, durch ihren Preis noch einmal hingewiesen. Denn der Preis ist zwar undotiert, genießt aber laut Verband ein »großes Renommée«. — db
04.02.2010
Das Goethe-Institut in Kairo unterstützt den unabhängigen arabischen (Kurz-) Film mit einer umfangreichen Online-Plattform
Mit der im Dezember 2009 live geschalteten Website www.arabshorts.net möchte das Goethe-Institut in Kairo darauf aufmerksam machen, dass es neben dem hauptsächlich in Ägypten produzierten arabischen Mainstream auch im arabischen Raum erfolgreiche, unabhänige Filmproduktionen gibt.
Arabische Filmemacher- und Wissenschaftler führen in die unterschiedlichen regionalen (Film-) Besonderheiten ein; die Filme selbst sind als embedded Flash und mit englischen Untertiteln verfügbar. Über den üblichen Traffic hinaus wollen die Betreiber mit der neuen Präsenz aber auch Erfahrungsaustausch und Vernetzung der Filmschaffenden ermöglichen und dem bislang kaum wahrgenommenen unabhängigen arabischen Film ein markanteres Profil vermitteln. — atp
21.01.2010
Ein wenig brodelte es wie bei jeder Kandidatenkür. Jetzt hat der Schauspieler Christopher Buchholz den Zuschlag für die Leitung der Französischen Filmtage in Tübingen bekommen
Seit über einem halben Jahr war es bekannt. Andrea Wenzek, die bisherige Leiterin der Französischen Filmtage in Tübingen, verlässt das Festival, um sich in Frankfurt neuen Aufgaben zu widmen. Der Trägerverein, unter dessen Verwaltung die Französischen Filmtage und die Tübinger-Stuttgarter Cinelatino-Filmtage stehen, hat unter dreißig Kandidaten, die sich auf die offizielle Ausschreibung hin bewarben, jetzt gewählt. Der neue Festivalleiter ist der 47-jährige Schauspieler Christopher Buchholz, Sohn von Horst Buchholz. Als Schauspieler vor allem im TV-Bereich tätig, hat er sich 2005 auf der Berlinale als überaus sympathischer Regisseur vorgestellt, mit der Dokumentation über seinen Schauspieler-Vater Horst Buchholz... mein Papa
Der Wahl von Buchholz war ein Versuch seitens der Stadt Tübingen vorausgegangen, Buchholz zu verhindern und seinen Gegenkandidaten, Soap-Regisseur Wolfram von Bremen (Verbotene Liebe, Marienhof), durchzusetzen. In einem Schreiben des OBs Boris Palmer hieß es: »Die Wahl eines Festivalleiters, der das Vertrauen der Leiterin des Kulturamts explizit nicht genießt, würde an den Grundlagen der Zusammenarbeit rütteln." Und weiter: »Sollte der Verein seine Unabhängigkeit so selbstbewusst dokumentieren, müsste er auch die Konsequenzen tragen. Ich sehe in diesem Fall eine Unterstützung durch die Stadtverwaltung als nicht mehr gewünscht und inhaltlich nicht mehr umsetzbar an." – Mittlerweile hat sich der Stadtrat beruhigt und gute Zusammenarbeit angekündigt.
Buchholz selbst, der in Amerika geboren und in Frankreich aufgewachsen ist und für einen deutsch-französischen Austausch wie geschaffen scheint, möchte mehr Glamour in das Festival bringen. »Bei mir wird das Wörtchen Fest in Festival groß geschrieben", kündigte er an. Außerdem möchte er den Bereich des jungen Autorenkinos weiter ausbauen und das Festival mit Workshops für junge Filmbegeisterte und weiteren Diskussionsrunden bereichern. Das Übliche eben. Bleibt nur die Frage offen, weshalb Schauspieler neuerdings immer öfter in die Festivalleitung drängen. — db
29.10.2009
Die nigerianische Filmindustrie löst nicht nur Hollywood als bislang zweitplatzierte Filmfabrik hinter Bollywood ab, sie etabliert sich auch langfristig im religiösen Filmmarkt
Schon 2006 übertraf die in Lagos beheimatete nigerianische Filmproduktion den Filmauswurf Hollywoods mit 872 gegenüber 485 Produktionen deutlich. Die in einer UNESCO-Studie im Mai dieses Jahres genannten Zahlen dürften für dieses Jahr noch pointierter ausfallen, ist Nigeria doch wie die meisten anderen afrikanischen Staaten von der weltweiten Finanzkrise weitaus weniger betroffen als Europa und die USA.
Neben dem wirtschaftlichen Standortvorteil Afrika zahlt sich auch zunehmend die konsequente Bedienung Nollywoods von religiösen Märkten aus. Zwanzig Prozent aller Produktionen haben christliche Inhalte; in vergleichbaren Anteilen werden ebenso islamische, animistische und grundzätzliche moralische Fragestellungen thematisch aufgegriffen.
Die fast nur für den DVD-Markt abgedrehten und fast ausschließlichen Low-Budget-Produktionen finden deshalb nicht nur in einer sich langsam etablierenden Mittelschicht und den Wellblechhüttenkinos der breiten Massen Resonanz. Immer mehr Kirchen zeigen im Anschluss an die Gottesdienste Nollywood-Produktionen. »Filme anzusehen«, berichtet der für religiöse Inhalte zuständige Redakteur der nigerianischen Tageszeitung The Nation, Sunday Oguntola, »ist normalerweise wirkungsvoller als zu predigen. Und das beginnen die Kirchenverantwortlichen zunehmend zu begreifen.« — atp
22.10.2009
Peter Liechti gewinnt mit seinem literarisch-lyrischen Filmessay Sound of Insects den Prix Arte für den Besten Europäischen Dokumentarfilm
Peter Liechti, Schweizer Dokumentarfilmer und bekannt für seine musikalischen Dokumentationen wie Hardcore Chambermusic oder Namibia Crossings, hat mit seinem jüngsten Dokumentarfilm Sound of Insects - Report of a Mummy (dt. Das Summen der Insekten - Bericht einer Mumie) den Preis der europäischen Filmakademie, den "Prix Arte" für den Besten Europäischen Dokumentarfilm erhalten.
Mit der Auszeichnung von Sound of Insects ergeht ein wichtiges Zeichen an die internationale Dokumentarfilmszene zur Öffnung ihres Genres. Liechtis Film, der Anfang des Jahres in Rotterdam Weltpremiere feierte und nun im Rahmen der DocAlliance bei DOK.Leipzig zu sehen ist, basiert auf der literarischen Bearbeitung eines authentischen Protokolls über einen, der sich in den Wald zurückzog und zu Tode hungerte. Die japanische Novelle Miira ni narumade von Shimada Masahiko wird im Wortlaut aus dem Off gesprochen (in der englischen Fassung ist es der Avantgarde-Filmer Peter Mettler, der dem Bericht seine Stimme leiht, in der deutschen der in Österreich und der Schweiz wirkende Schauspieler Alexander Tschernek), dazu sind Naturimpressionen aus einem Wald zu sehen, die assoziativ das Geschilderte aufgreifen, ohne es jedoch plump zu bebildern.
Dieser Stream of Consciousness, eines absterbenden Bewusstseins, zieht als Wort- und Bildersog immer tiefer in den Bereich des nahenden Todes hinein. Ein Film, in dem die Wirklichkeit verlassen wird, und der nur auf der Ebene des zugrundeliegenden, authentischen Protokolls dokumentarisch genannt werden kann, ist der wichtigste europäische Dokumentarfilm des Jahres 2009. Wir gratulieren Peter Liechti und danken der Europäischen Filmakademie für ihre Wahl. — db
Gleich zwei wollten es sein – aber ein Konzept steht noch aus
Lange gärte und brodelte es im Trägerverein. Über ein Jahr dauerte es, bis der Verein für das internationale Dokumentarfilmfestival in München seinen zwar äußerst erfolgreichen, doch aus persönlichen Ressentiments missachteten Leiter Hermann Barth loswerden konnte. Sogar ins erniedrigende Kandidatenrennen ließ er sich noch schicken – bis er schließlich entnervt seinen Hut nahm. Dabei hatte er auch 2009 wieder ein äußerst erfolgreiches Festival hingelegt. »Unterschiedliche Auffassungen zu Konzept und Finanzierung" zwischen ihm und dem Trägerverein sollen zum Bruch geführt haben, so die offizielle Verlautbarung des Vereinsvorstandes.
Nach dem Abgang Barths suchte der Vorstand jedoch noch Monate später nach einer geeigneten Nachfolge – und zauberte jetzt schließlich eine Doppelspitze aus dem Hut. Christian Pfeil, Kinobetreiber und Schauspieler, und Daniel Sponsel, Dokumentarfilmer und HFF-Mitarbeiter, wollen sich künftig den zwar schlecht bezahlten, aber umso verantwortungsvolleren Job der Leitung teilen. Ein Konzept werden sie nach eigenen Aussagen bis Mitte September vorlegen. Dazu werden sie »alle Ideen mit dem Verein abstimmen – und dann auf Umsetzbarkeit prüfen". Ein paar Gedanken haben sie sich schon gemacht, wie sie den Publikumszuspruch für das Dok.Fest noch steigern können. So werden sie »aktiver mit der Kommunikation im Internet" umgehen: »Wenn ich genau weiß, was ich will, ist der Auftritt schon perfekt. Wenn ich aber zufällig dazu komme, bin ich ein wenig verloren", so Pfeil im AZ-Interview. Man müsse zudem die »Wirkungsmechanismen" von Dokumentarfilm vermitteln, um so ein breiteres Publikum anzusprechen. Über massive Zuschauerzuwächse allerdings machten sie sich keine Illusionen. Die »Lust am Entdecken" müsse wieder »greifbar" gemacht werden. Wie das geht, erfahren wir im September. — db
Die Dokumentarfilmszene verliert einen ihrer prononciertesten Vertreter
Wie gestern erst im Münchner Kreis bekannt geworden, hat sich der in Berlin lebende österreichische Filmemacher Gerhard Friedl Anfang Juli das Leben genommen. Friedl, der in Wien Philosophie und in München an der HFF bei Helmut Färber Filmregie studierte, war einer der intellektuellsten Dokumentarfilmer der Szene. Sein Kurzfilm Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte (1997) wurde mit dem Dokumentarfilmpreis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Mit seinem Langfilmdebüt Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen? gewann er 2004 den ARTE-Preis für den besten deutschen Dokumentarfilm. Amerongen ist eine luzide Chronik über den kamikazehaften Aufstieg und Fall deutscher Wirtschaftsunternehmer und ein bestechend gut recherchierter, trocken-sezierend kommentierter und formal konsequent umgesetzter Essay. Friedls durchdringender Blick wird uns fehlen. — db
Das UNDERDOX-Festival in München sucht finanzielle Unterstützung
Das Independet-Filmfestival UNDERDOX in München, das seit vier Jahren experimentierfreudige Dokumentarfilme und dokumentarische Spielfilme zeigt, sucht dieses Jahr finanzielle Unterstützung durch Filmpatenschaften. Privatleute oder Unternehmer können sich ab einem Beitrag von 50 Euro einen Film aus dem Festivalprogramm auswählen und finanzieren dadurch die Vorführung mit. Mehr Informationen unter www.underdox-festival.de. — db