05.05.2011
Cinema Moralia – Folge 36

»Ihre grosse Leiden­schaft galt jedoch schon immer dem Film...«

Attenberg
Mehr davon!
Athina Rachel Tsangaris Attenberg
(Foto: Rapid Eye Movies)

Pure Demokratie darf niemals siegen...; Katharina aus Münchener Agentur in Cannes! Lars und die anderen übrigens auch. Und wer macht was? – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 36. Folge

Von Rüdiger Suchsland

Bis Cannes ist es zwar noch eine Woche hin, aber das Mekka des Kinos ist schon in allen Köpfen. Und manchmal ist der Weg zum Wahnsinn gar nicht mehr weit. Bis dahin aber vertreiben wir uns die Zeit mit anderen Dingen.

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Feedback. Lange nicht gab es auf einen artechock-Text derart viel Resonanz, wie auf unseren Beitrag zum Filmpreis letzte Woche. Die Resonanz war ganz über­wie­gend positiv. Das zeigt mindes­tens zweierlei: Erstens gibt es Diskus­si­ons­be­darf. Der sollte eigent­lich durch die Film­aka­demie selbst gedeckt werden. Denn die wurde ja mal mit der Maßgabe ins Leben gerufen, dass da dann endlich all die angeblich bis dahin unmög­li­chen, aber drin­genden Debatten statt­finden würden. Wir haben das zwar schon damals nicht geglaubt, aber eigent­lich gedacht, dass jetzt doch alles besser werden könnte. Denn im vergan­genen Jahr wurde mit Alfred Holighaus endlich ein kompe­tenter und überdies sympa­thi­scher Geschäfts­führer berufen, und zudem entsorgte man endlich endlich den schröck­li­chen 82-jährigen Günter Rohrbach als Präsident, ein Wolf im Schafs­pelz, der nicht nur als Chef­lob­byist der Constantin und Ober­strip­pen­zieher der Akademie extrem geschadet hat. Nun nehmen wir einfach an, Holighaus hat bei der Akademie so viele Baustellen gleich­zeitig, dass er sich dem Preis­ge­mau­schel bisher nicht wirklich widmen kann. Dass es dazu jetzt aber Zeit wird, belegen die Debatten über unseren Text im Netz, und die vielen E-Mails an uns. Vielen Dank für all das freund­liche, ermun­ternde Feedback!

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Was die Resonanz zweitens auch noch zeigt: Was alles fehlt in der deutschen Film­kritik, und wozu ein Film­kri­tik­ver­band gut sein könnte, wenn er denn gut wäre. Denn warum muss eigent­lich erst artechock kommen, um eine Debatte unter den Filme­ma­chern über ihre Akademie auszu­lösen? Warum schreibt kaum eine ernst­zu­neh­mende Tages­zei­tung über das Verfahren? Statt­dessen seichte Jubel­ar­tikel aller­orten, oder zarte Kritik an den Entschei­dungen. Aber eine fast völlige Kapi­tu­la­tion der deutschen Film­kritik in Fragen der Film­po­litik.

Nur Peter Zander in der Berliner Morgen­post hatte entspre­chend in Print­me­dien berichtet. Die anderen? Fehl­an­zeige. Der Berliner Tages­spiegel ist dafür zu zahm, und die SZ aus Gründen die den Einge­weihten bekannt sind (und die wir hier lieber nicht beim Namen nennen) akade­mie­ver­ban­delt. Da bleibt nicht mehr viel.

Was nun den »Verband der deutschen Film­kritik« angeht, ist an diesem Fall leicht erkennbar, was Aufgabe eines solchen Verbandes sein müsste: Er müsste ein Wächter der Film­kultur sein, ein unab­hän­giger film­po­li­ti­scher Akteur mit einer klaren Position auf Seiten des unab­hän­gigen Kinos. Und in öffent­li­chen State­ments kleine wohl­ge­setzte Nadel­stiche in die Dick­fel­lig­keit der Branche setzen, den alltäg­li­chen Trott du Sumpf beim Namen nennen und angreifen. Die AG Dok zeigt, wie man das macht. Es wäre leicht. Man müsste nur wollen...

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Demo­kratie. Es gab aller­dings auch verein­zelte sachliche Miss­ver­s­tänd­nisse, die wir hier aufklären wollen. So schrieb uns zum Beispiel einer, die Wildcard sei »höchst demo­kra­tisch; wenn dann sollte man das Vorauswahl­ver­fahren ändern, wo andere ihre Spezies beein­flussen könnten. ... Die Akade­mie­mit­glieder haben über die Auswahl demo­kra­tisch abge­stimmt.« Und in einer anderen Mail stand: »Die Wildcard ist nun wirklich das demo­kra­tischste Element des Verfah­rens und die Möglich­keit für die 1200 Akade­mie­mit­glieder, Filme zu nomi­nieren, die nicht durch die kleine Vorauswahl­jury berück­sich­tigt wurden.«

Zur Demo­kratie muss man dann hier viel­leicht noch einiges hinzu­fü­gend erläutern: Demo­kra­tisch ist bekannt­lich alles Mögliche. In manchen Ländern gibt es Wahl­pflicht, in anderen eine 10 Prozent-Hürde, im einen gibt es Mehr­heits­wahl­recht, im anderen Verhält­nis­wahl­recht, bei uns Misch­wahl­recht usw. Alles das ist sehr verschieden, aber alles ist demo­kra­tisch. Davon abgesehen ist per Demo­kratie auch Hitler an die Macht gekommen und in vielen EU-Ländern die Rechts­po­pu­listen – und das wird nicht dadurch besser, dass es demo­kra­tisch ist. Zusam­men­ge­fasst:

  1. Unter Demo­kratie kann man mit gutem Recht verschie­dene Verfahren verstehen, und wenn man bestimmte Verfahren kriti­siert/verwirft, ist man damit noch nicht unde­mo­kra­tisch.
  2. Auch Demo­kratie kann irren. Ein Verfahren als demo­kra­tisch zu bezeichnen, ist daher kein Totschlag­ar­gu­ment, das gegen Kritik immun machen könnte.

Was ich damit sagen will: Es geht in meinen Einwänden nicht um Demo­kratie oder Diktatur (wäre das denn bei einer Jury der Fall, oder einer Wahl ohne Wildcard?), sondern darum, verschie­dene Verfahren zu disku­tieren, zu verglei­chen, und Miss­stände zu benennen. Abgesehen davon glaube ich, dass man über Kunst nicht abstimmen kann. Das habe ich auch schon oft geschrieben. Hier aller­dings nicht.

Manche sagen an dieser Stelle dann gern: »Über Kunst kann man immer streiten.« Das ist zwar einer­seits ein Gemein­platz, aber richtig. Ande­rer­seits finde ich nicht, dass damit gesagt ist, jedes Urteil sei relativ und alles eh nur Geschmacks­sache. Es gibt objektive Quali­täts­kri­te­rien.

Wenn dann die Freunde der Massen­ab­stim­mungs-Demo­kratie auf die ach so »kleine Vorauswahl­jury« verweisen, kann man nur »Oh weh!« stöhnen. Wer sagt eigent­lich, dass 20 Leute dümmer sind als 1200? Das Gegenteil ist leider meist der Fall. Und wer sagt übrigens, dass alle »1200« Akade­mie­mit­glieder teil­ge­nommen haben? Klar scheint zu sein: Sie haben nicht.

Was im Übrigen ein weiteres Manko des bishe­rigen Wahl­ver­fah­rens offenlegt: Bei der Bundes­tags­wahl (oder vergleich­baren Abstim­mungen) kennt jeder die Wahl­be­tei­li­gung. Bei der Abstim­mung zum Filmpreis wird diese verschwiegen – und man kann nur vermuten, dass das gute Gründe hat. Denn würden 60, 70 oder gar mehr Prozent abstimmen, wäre das eine tolle Nachricht, die die zustän­dige Pres­se­agentur der Akademie bestimmt in eine schöne Jubel­mel­dung gießen würde. Da wir auch selbst nicht wenige Akade­mie­mit­glieder kennen, die uns glaubhaft versi­chern, dass sie nicht abge­stimmt haben, oder nur in wenigen Kate­go­rien – »von denen ich was verstehe« –, müssen wir bis zum Beweis des Gegen­teils davon ausgehen, dass es wie bei vergleich­baren Bran­chen­ver­bänden nur zu einer Betei­li­gung von 20 bis 30 Prozent genügt, dass also der wich­tigste öffent­liche Filmpreis der Republik von gerade mal einem Drittel der Akademie vergeben wird – der sowieso auch nur ein Teil der Branche angehört. Die Akademie sollte einfach aufhören, den Bundes­film­preis zu vergeben. Und wenn schon, dann auf das Staats­geld verzichten. Es gibt genug wich­ti­gere, inter­es­san­tere Aufgaben für eine Film­aka­demie, und ein Preis­ver­zicht würde die Spreu (die die nur Preis­gelder wollen, sonst nichts) vom Weizen trennen.

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Zum Stil des Textes in eigener Sache auch noch eine Anmerkung: Dass der Beitrag gewollt polemisch ist, und etwas sehr schnell, stel­len­weise zu schnell, geschrieben ist, und ich so etwas norma­ler­weise etwas sorg­fäl­tiger schreibe, ist keine Frage. Das war aus betriebs­tech­ni­schen Gründen nicht anders möglich. Sachlich gibt es nichts zurück­zu­nehmen, und sollte mein Text auch nur die nämliche Debatte ausgelöst haben, wäre dies genug. Formal entspricht er nicht meinen eigenen Maßstäben, auch wenn ich zu der erkenn­baren Wut stehe.

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Themen­wechsel: Dieser Tage erreichte uns eine Mail, auch noch aus München, von wo wir ja immer gern angemailt werden. Schon die bemer­kens­werte Betreffs­zeile: »Betreff: Katharina aus Münchener Agentur in Cannes«. Dann ging’s los: »Sehr geehrte Damen und Herren, Ich schicke Ihnen alle rele­vanten Infor­ma­tionen für eine Reportage über eine junge deutsche Filme­ma­cherin in Cannes, die in München von CMA Actors vertreten wird. Dieses Jahr wurde schon zum zweiten Mal in Folge ein Kurzfilm von mir für ein Screening im Short Film Corner des Cannes Film Festivals ausge­wählt. Ich werde aus diesem Grund in Cannes sein, Red Carpet Events mitmachen und habe Zeit für Inter­views (auch vor dem Festival).«

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Den zu schrei­benden Text hat die profes­sio­nelle junge Dame gleich mitge­mailt: »Hier ein kleiner Pres­se­text: Mit 17 wurde Katharina Kowa­lewski von Claudia Schiffers Agent ange­spro­chen, doch statt der Model­kar­riere widmete sich die ambi­tio­nierte Katharina ihrem Jour­na­lismus Studium in Berlin und an der Sorbonne in Paris. (Ihre Magis­ter­ar­beit ›Prime Time für die Wissen­schaft‹ wurde im VS Research Verlag veröf­fent­licht.) In der Mode­me­tro­pole etablierte sie sich als Pari­skor­re­spon­dentin für Oyster Magazine, mode­rierte für Keylooks TV und produ­zierte mit KOFASHION Videos für Kunden wie Swarovski, Bild, Keylooks TV / Vogue.com und Stylebop. Dabei inter­viewte sie auf den Fashion Weeks von New York, Mailand, London und Paris, Fashion Insider wie Anna Wintour, Karl Lagerfeld, Burberry’s Chris­to­pher Baily, Michael Kors, Suzy Menkes und Stars wie Milla Jovovich, Vincent Gallo, Katy Perry, Jane Birkin und Sex and the City Stylistin Patricia Field. Im Januar folgte Katharina einer Einladung von Designer Lecoanet Hemant und ProSieben als Gast­ju­rorin in „Die Model WG“ .«

Ihre große Leiden­schaft galt jedoch schon immer dem Film. Nach inten­sivem Coaching mit Jack Waltzer vom Actor’s Studio in New York, Los Angeles und London spielte sie in New York an der Seite von Claudia Cardinale im Film Joy de V mit. Nach der jahre­langen Erfahrung als Regis­seurin bei KO.FASHION, schaffte es Katha­rinas erster Kurzfilm Hotel Amour sogar bis zu den Film­fest­spielen in Cannes. Dieses Jahr wird der Kurzfilm auf deutschen Festivals gespielt werden und neue Projekte, wie die Website Velvet Glow, Kurzfilme und ein Umzug nach Los Angeles stehen bevor.

Und so weiter und so weiter...

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Auf die Frage eines Bekannten nach meiner Ansicht zum dies­jäh­rigen Cannes-Programm schrieb ich dieser Tage einen ersten, natürlich noch völlig theo­re­ti­schen Eindruck auf: »well the lineup in general was a bit disap­poin­ting for me, just because it’s the same old boys again, or a bit too many of those.«

Do I really look forward to Almodovar, Kauris­maki, the Dardennes, Radu Mihai­leanu, Nanni Moretti with any exci­te­ment? I am not sure. It’s more something one has to see as a film­critic, but I do not expect anything new, really thrilling. Nor a palme d’or.

Malick is different, but the trailer at least looks awful to me. Until today I always loved his films, so at the end of the day, this will be one of the most awaited films. On the opposite I loved the Melan­cholia-trailer, looks like his version of The White Ribbon, and even when I believe I know Lars von Trier, I do always expect something.

For Nuri Bilge Ceylan, I will be curious, as everyone in Istanbul says, it will be different to the others. And I am quite inte­rested in turkish cinema. Paolo Sorren­tino could be good. I really like Naomi Kawase, Refn and Miike will be fun and relieve at least, and Michael I will be very inte­rested in.

As you were asking about Moretti – I do not expect too much, don’t know why, at least it will be of interest for my readers due to the subject. And sometimes it is better not to expect too much, isn’t it?

But with much more enthu­siasm I am looking forward to the Un Certain Regard and to the other side-sections. Could be one of those years, where THE films of the festival and the true disco­veries will be found there.

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Film­för­de­rungen erkennt man daran, dass sie zunehmend keine Filme mehr fördern. Das passt dazu, dass auch das Fernsehen kein Geld mehr hat, um Programme zu finan­zieren – die Redak­teurs­gehälter und vor allem die Perso­nal­renten für die ehema­ligen Mitar­beiter sind zu hoch, da kann man nichts machen. So lässt arte seine Etats gerade in manchen Bereichen um die Hälfte schrumpfen, und das ZDF bezahlt 2011 gleich gar nichts mehr. Die Etats sind verplant. Aber wir wollten ja von den Film­för­de­rern erzählen. Die veran­stalten jetzt in Berlin die »Deutschen Gamestage 2011«, vm 02.-04.05.11 im bcc Berliner Congress Center.

Um zu ahnen, um was es sich da handelt, auch hier einfach die Pres­se­mit­tei­lung:»Wirt­schafts­wunder Games! Eröffnung: Mo, 02.05.11, 13.30-16.00 Uhr mit Bigpoint, Innogames und Koch Media sowie Vertre­tern von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU und dem G.A.M.E.-Bundes­ver­band«

Keynote: From a Million to a Billion – ein erfolg­rei­ches Busi­ness­mo­dell nach­haltig gestalten2002 gegründet, ist Bigpoint heute eines der größten Unter­nehmen der deutschen Games­branche. Über 750 Mitar­beiter arbeiten an mehr als 60 Online-Spielen, die von 185 Millionen regis­trierten Nutzern auf der ganzen Welt mit Leben gefüllt werden. In seiner Keynote spricht Bigpoint-Gründer und Geschäfts­führer Heiko Hubertz über den Aufbau des Erfolgs­un­ter­neh­mens, das den Aufschwung der deutschen Games­branche maßgeb­lich mitge­staltet hat. Heiko Hubertz, Bigpoint

Podium: Wirt­schafts­wunder Games – führt zu viel Regu­lie­rung ins Abseits?Vertreter aus Politik und Industrie disku­tieren über eine ange­mes­sene Regu­lie­rung inter­ak­tiver Unter­hal­tungs­me­dien: Welche Heraus­for­de­rungen zeigen sich im Wech­sel­spiel zwischen Jugend­schutz und Wirt­schafts­wachstum? Was bedeutet Regu­lie­rung für die Entwick­lung kreativer Inhalte? Und welche Folgen hat sie für den boomenden Onli­ne­games-Markt? Mit: Guido Eikmeyer, Koch Media; Dr. Gerhard Florin, Innogames; Tabea Rößner, Bündnis 90/Die Grünen; Birgit Roth, G.A.M.E. Bundes­ver­band; Dr. Peter Tauber, CDU; Moderator: Thomas Lindemann, WELT ONLINE

Charles Cecil, Revo­lu­tion Software, war für große Adventure-Hits wie Beneath a Steel Sky und Baphomets Fluch verant­wort­lich. In seiner Keynote spricht er über Vorteile, die entstehen, wenn man als Entwickler seine Spiele selbst vertreibt. Mo, 17.15-18.15 Uhr Inter­na­tio­nales Podium: Games, Movies and TV – The Future of Home Enter­tain­ment mit Bigpoint, Boxa­tricks, Revo­lu­tion Software und Yager In Koope­ra­tion mit der Enter­tain­ment Master Class (EMC)

Um die Konver­genz von Games und TV und die Zukunft von Enter­tain­ment-Inhalten geht es bei „Games, Movies and TV“. Inter­na­tio­nale TV-Profis, wie „Wer wird Millionär?“-Erfinder David Briggs, disku­tieren mit hoch­karä­tigen Vertre­tern der deutschen Games­branche: Was können TV Spiel­shows und Games vonein­ander lernen? Kann Micro-Payment auch beim Fernsehen funk­tio­nieren? Und wie sieht das Wohn­zimmer der Zukunft aus? Weitere Refe­renten sind u.a....

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Und zu Sicher­heit noch im Anhang: »Über das Medi­en­board: Das Medi­en­board ist die zentrale Anlauf­stelle für alle Kreativen der Film- und Medi­en­wirt­schaft in Berlin-Bran­den­burg und zuständig für Film­för­de­rung und Stand­ort­mar­ke­ting in der Haupt­stadt­re­gion. Im Geschäfts­be­reich Stand­ort­mar­ke­ting sorgt das Medi­en­board für die nationale und inter­na­tio­nale Präsen­ta­tion und Profi­lie­rung des Medi­en­stand­ortes Berlin-Bran­den­burg und für die länder- und bran­chen­ü­ber­grei­fende Vernet­zung der Film- und Medi­en­wirt­schaft. Darüber hinaus fördert es medi­en­be­zo­gene Projekte am Standort und die Entwick­lung digitaler Inhalte in den Bereichen Games, Web 2.0 und Mobile.«

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Die Film­stif­tung teilt derweil unter Betreff: »Huck Finn, Himbeeren mit Senf und ein perfekter Mann« mit: Film­stif­tung NRW fördert 37 Projekte mit 8,3 Mio. Euro. Dreh­ar­beiten mit Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Benno Fürmann, Ulrich Tukur, Sandrine Bonnaire und Joachim Król. Neue Projekte der Regis­seure Hermine Hunt­ge­burth, Vanessa Jopp, Hans-Christian Schmid. Düssel­dorf – Die Film­stif­tung NRW fördert in ihrer zweiten Sitzung des Jahres 37 Projekte mit 8,3 Mio. Euro. Darunter großes Kino, inter­na­tio­nale Kopro­duk­tionen, Lite­ra­tur­ver­fil­mungen, Filme für Kinder und ein TV-Event­movie. Produk­ti­ons­för­de­rung Kino und TV (7.384.792 Euro).

Nach Tom Sawyer verfilmt Hermine Hunt­ge­burth in NRW auch Mark Twains Huck­le­berry Finn (Produzent: Neue Schön­hauser Film­pro­duk­tion) unter dem Titel Huck Finn für die Kino­lein­wand. Wieder mit dabei: Heike Makatsch, Leon Seidel und Louis Hofmann (855.000 Euro).

In ihrem Film Upgrade (Produzent: Wüste Film West) erzählt Regis­seurin Franziska Buch von zwei Menschen, die ihr Leben zwischen Düssel­dorf und Paris neu ordnen müssen. Mit dabei sind Sandrine Bonnaire und Jessica Schwarz (700.000 Euro).

Uner­wartet sieht sich Ulf in der Vater­rolle für seinen Neffen. Mit Hilfe seiner Ex-Freundin meistert er die Situation und entdeckt seine Liebe zu ihr wieder. Vanessa Jopp insze­niert Der perfekte Mann für UFA Cinema mit Benno Fürmann, Jördis Triebel, Katharina Thalbach, Elyas M'Barek, Hannes Jaenicke (700.000 Euro).

Das Ausein­an­der­bre­chen einer Familie beob­achtet Hans-Christian Schmid in seinem neuen Film That’s All (Produzent: 23I5 Film­pro­duk­tion). Gedreht wird nahezu komplett in Nordrhein-Westfalen (550.000 Euro).

In dem Kinofilm Himbeeren mit Senf (Produzent: Heimat­film) erzählt Regis­seurin Ruth Olshan vom turbu­lenten Gefühls­leben ihrer 13-jährigen Haupt­figur. Gedreht wird auch in NRW (500.000 Euro).

Atem­be­rau­bende Luft­bilder verspricht der Kino­do­ku­men­tar­film Planet Germany – Deutsch­land von oben (Produzent: colourFIELD tell-a-vision), bei dem Petra Höfer und Freddie Röcken­haus Regie führen (450.000 Euro).

Den wahren Urheber des Nirvana-Klas­si­kers »Smells like Teen Spirit« offenbart Nachwuchs-Regisseur Rolf Roring in seiner roman­ti­schen Komödie Dear Courtney (Produzent: 2 Pilots). Das Projekt wird als »Six Pack« zusammen mit dem WDR reali­siert. Gedreht wird auch in NRW (400.000 Euro).

Unter dem Titel El Futuro (Produzent: Pandora Film) adaptiert die chile­ni­sche Regis­seurin Alicia Scherson die Novelle »Lumpen­roman« ihres Lands­mannes Roberto Bolaño als inter­na­tio­nale Kopro­duk­tion (235.000 Euro).

Regis­seurin Bettina Blümner (Prin­zes­sin­nenbad) verfilmt Alina Bronskys Best­seller Scher­ben­park (Produzent: Eyeworks Film Gemini) für die Kino­lein­wand u.a. in NRW (220.000 Euro).

Ein älterer israe­li­scher Geheim­agent und sein jugend­li­cher paläs­ti­nen­si­scher Spitzel stehen im Zentrum von Yuval Adlers deutsch-israe­li­scher Kopro­duk­tion Bethlehem (Produzent: Gringo Films) (99.792 Euro).

Bei dem RTL-Fern­seh­film Auf der Jagd nach dem Bern­stein­zimmer (Produzent: Dreamtool) ist der Titel Programm. Florian Braxmeyer insze­niert mit Kai Wiesinger, Bettina Zimmer­mann und Fabian Busch die Hälfte der Drehtage in Nordrhein-Westfalen (1.100.000 Euro).

Drehbuch, Vorbe­rei­tung, Entwick­lung und Nachwuchs(120.000 Euro / 51.023 Euro / 100.000 Euro / 271.000 Euro)

Ein raffi­niertes Spiel um ein Geschenk mit Folgen entwi­ckelt Denis Dercourt (Das Mädchen, das die Seiten umblät­tert) in seinem neuen Film Zum Geburtstag (Produzent: Busse & Halber­schmidt Film­pro­duk­tion) (51.023 Euro).

Die Haupt­figur in Das Beste zum Schluss (Produzent: Shine Germany Film) lebt bei seinen Freunden, weil er Fami­li­en­leben mag, aber das Verliebt­sein hasst. Der »Sit down Comedian« Michael Birbaek adaptiert seinen eigenen Roman (20.000 Euro).

Die Freund­schaft zwischen Dante und Kate endet in einer Kata­strophe, als Kate sich in Ben verliebt. Die Autoren des Jugend­dramas Oase (Produzent: lutz­film­pro­duk­tion) René Schu­ma­cher und Philipp Lutz sind Absol­venten der ifs (20.000 Euro).

Mit einer Paket­för­de­rung unter­s­tützt die Film­stif­tung NRW die Entwick­lung von vier Doku­men­tier­film­pro­jekten der Kölner Gruppe 5. Die Mehr­teiler behandeln das Haus der Zukunft, die Griechen, Big Cities und außer­ge­wöhn­liche Muse­ums­ob­jekte (100.000 Euro).

KHM-Absolvent Stephan Bergmann dreht den Doku­men­tar­film Die letzten Gigolos. Der 70-jährige Heinz Löffel­bein heuert auf dem Kreuz­fahrt­schiff Queen Victoria an, um sich als Tänzer und Unter­hal­tung für amüsier­wil­lige Damen zu geben (171.000 Euro).

In einem weiteren Doku­men­tar­film Hinter der Spitze – Tour du Faso begleitet Phoenix-Förder­preis­träger Wilm Huygen drei Glücks­su­cher auf der Tour du Faso, dem zweit­größten Sport­event Afrikas. Sein KHM-Diplom­film wurde ebenfalls von der Film­stif­tung unter­s­tützt. (100.000 Euro).

Verleih­för­de­rung (295.000 Euro)

Klitschko (Buch & Regie Sebastian Dehnhardt) erzählt die Lebens­ge­schichte der berühmten Box-Brüder Vitali und Wladimir Klitschko. Majestic bringt den Doku­men­tar­film am 16. Juni in die deutschen Kinos (100.000 Euro).

Kurt Krömer spielt die Haupt­rolle in Eine Insel namens Udo (Produzent: Hupe Film). Der X Verleih bringt das Langfilm-Debüt von Markus Sehr im Sommer in die deutschen Kinos (100.000 Euro).

Lange vor Fukushima bereiste Volker Sattel für seinen Film Unter Kontrolle deutsche Atom­kraft­werke, um von einer Utopie und ihren Hinter­las­sen­schaften zu berichten. Den Verleih des Doku­men­tar­films übernimmt der Farbfilm Verleih (25.000 Euro).

Kinoför­de­rung (79.050 Euro)

Die Film­stif­tung unter­s­tützt fünf NRW-Programm­kinos bei Umbau­maß­nahmen und Moder­ni­sie­rung, darunter das Casablanca in Bochum (46.500 Euro) und das Apollo-Service-Kino in Altena (25.500 Euro).

Film­för­der­aus­schuss: Der acht­köp­figen Jury gehören Prof. Dr. Norbert Schneider, Dr. Jürgen Braut­meier, Reinhold Elschot, Prof. Gebhard Henke, Petra Müller, Rosemarie Schatter, Barbara Thielen und Rainer Weiland an. Die Jury der Nach­wuchs­för­de­rung besteht aus Tita Gaehme, Andrea Hanke, Petra Müller, Barbara Thielen und Rainer Weiland.

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Damit man uns nicht nachsagt, wir würden die Heimat igno­rieren, hier auch noch das Neueste vom FFF: Für den schönen, weiß-blauen Wert der Konti­nuität steht zum Beispiel die gute alte Baye­ri­sche Staats­zei­tung. Dort steht zu lesen, dass Bayerns Medi­en­mi­nister Siegfried Schneider (Jahrgang 1956) die klas­si­schen Heimat­filme aus TV-Wieder­ho­lungen kennt – wie wir auch, muss man hinzu­fügen. Messer­scharf hat Schneider erkannt: »Ich denke nicht, dass diese Filme ein wie auch immer negatives Bild unserer baye­ri­schen Heimat begründen, sondern eben Ausdruck einer tiefen Sehnsucht in der Nach­kriegs­zeit waren.« Dann aber erinnert er sich an Joseph Vils­maiers Herbst­milch: »Wenn man die heile Welt der tradi­tio­nellen Heimat­filme und Annas Martyrium in Herbst­milch gegen­ü­ber­stellt, sieht man die große Spann­weite, die der Begriff Heimat­film hat. Ich denke, dass der moderne Heimat­film nicht mehr nur auf das ländliche Milieu begrenzt ist, sondern auch das städ­ti­sche Leben umfasst. Insofern ordne ich die wunder­baren baye­ri­schen Vorabend­se­rien wie ›Poli­zei­in­spek­tion 1‹, ›Die Haus­meis­terin‹, ›Zur Freiheit‹ oder den ›Monaco Franze‹ mit Helmut Fischer auch dem Genre zu.«

Viele der neuen Heimat­filme werden natürlich vom FilmFern­sehFonds (FFF) Bayern finan­ziert. »Der baye­ri­sche Heimat­film hat einen Vorteil, weil er durch seine Eigen­schaften Auflagen erfüllt, die der FilmFern­sehFonds, der nicht nur Kultur-, sondern auch Regional- und Wirt­schafts­för­de­rung ist, im Blick hat: Er wird an baye­ri­schen Locations mit baye­ri­schen Schau­spie­lern gedreht und mit baye­ri­schen Teams produ­ziert. All das führt zu einem hohen Regio­nal­ef­fekt und stärkt den Film­standort Bayern im Allge­meinen. Aller­dings muss der Stoff über­zeugen. Ein Heimat­film wird nicht auto­ma­tisch gefördert, weil er ein Heimat­film ist.«, sagt Olga Have­net­idis vom FFF.

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Der FFF fördert übrigens auch Games. So meldete der FFF unlängst: »Heute hat der Games-Verga­be­aus­schuss des FFF Bayern zum ersten Mal in diesem Jahr getagt und entschieden, vier Projekte mit einer Gesamt­summe von 345.000 Euro zu unter­s­tützen. Erstmals wird auch eine Produk­tion, dessen Prototyp bereits mit FFF-Mitteln reali­siert worden ist, gefördert. Die Höchst­summe von 195.000 Euro geht an das koope­ra­tive Online Action Rollen­spiel Myth of Glory (Coreplay). Mit der Möglich­keit des Multi­play­er­modus können Spieler in diesem Fantasy-Game Geheim­nisse eines einst glor­rei­chen Reiches erfor­schen und in die verzau­berte Atmo­sphäre einer versun­kenen Welt eintau­chen.« Klingt nach Heimat­film.

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In Dortmund ging das Inter­na­tio­nale Frau­en­film­fes­tival 2011 mit einem ausge­spro­chen poli­ti­schen Programm zuende. Den Inter­na­tio­nalen Spiel­film­preis mit 25.000 Euro erhielt die Griechin Athina Rachel Tsangaris für ihren Film Attenberg, eine wie es heißt »Geschichte über Freund­schaft, Lebens­lust und Verlust, die mit distan­ziertem Mini­ma­lismus und großen Bildern erzählt wird.«

(To be continued)

Unter dem Titel »Cinema Moralia« sind hier in loser Folge Notizen zum Kino zu finden, aktuelle Beob­ach­tungen, Kurz­kri­tiken, Klatsch und Film­po­litik, sowie Hinweise. Eine Art Tagebuch eines Kino­ge­hers.