18.03.2021
Cinema Moralia – Folge 243

Der Lockdown, der ein Knockdown ist

Klest
Nicht erst jetzt in der Sprach-Kritik: Heinrich von Kleist
(Foto: Wikipedia)

Massiv, unbürokratisch, lebensnahe: Das Kino-Impf-Chaos. Das Lobbyverzeichnis für den Film. Und die Angst – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 243. Folge

Von Rüdiger Suchsland

»Ich habe gesagt, dass die Sklaven keine Heimat haben. Das ist nicht wahr. Die Heimat der Sklaven ist der Aufstand. Ich gehe in den Kampf, bewaffnet mit den Demü­ti­gungen meines Lebens.
Wenn die Lebenden nicht mehr kämpfen können, werden die Toten kämpfen. Mit jedem Herz­schlag der Revo­lu­tion wächst Fleisch zurück auf ihre Knochen, Blut an ihre Adern, Leben in ihrem Tod. Der Aufstand der Toten wird der Krieg der Land­schaften sein, unsere Waffen die Wälder, die Berge, die Meere, die Wüsten der Welt. Ich werde bald sein, Berg, Meer, Wüste. Ich, das ist Afrika. Ich, das ist Asien. Die beiden Amerika bin ich.«
Heiner Müller

»Was man dem Volk dreimal sagt, hält das Volk für wahr.«
Heinrich v. Kleist, 1809

Jetzt also auch Kleist. Er wird zum neuesten Opfer der Mora­listen und Political-Correct­ness-Taliban. »Ein Hass­pre­diger« soll dieser berühm­teste aller berühmten deutschen Dichter sein, behauptet Johannes Saltz­wedel im Spiegel. Es ist ein kleiner bornierter Text, von Ignoranz und unhis­to­ri­schem Bewusst­sein nur so strotzend, der sich für Kleist nicht inter­es­siert, aber das Fazit ist klar: Raus aus dem Kanon, besser Goethe, den Frau­en­ver­steher lesen, und den Spießer Stifter, nicht aber diesen Gedan­ke­n­er­schüt­terer.

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»Ein Leben ohne Kultur ist sinnlos, es ist wahr­schein­lich gar nicht mensch­lich, wenn man von Barnett Newman ausgeht: Der erste Mensch war ein Künstler. Dann war der zweite ein Ökonom. Das bedeutet, dass der Mensch, um Mensch zu werden, zuerst einen Traum brauchte, vorher konnte er gar nicht leben. So gesehen ist die Kunst die Voraus­set­zung des Lebens, Bedin­gungen der Ökonomie. Man muss nur Brechts Voraus­set­zung umkehren: Wir haben die Wahrheit nicht, und die Realität ist nicht die Wahrheit. Der Raum zwischen Wahrheit und Realität ist der Art der Kunst. Diesen Zwischen­raum füllt Kunst als Praxis.«
Heiner Müller im Jahr 1991

Dieses Zitat darf man langsam lesen, und darüber nach­denken. Denn es erklärt, warum der Lockdown von Kultur unmensch­lich ist, und die gleich­zei­tige Öffnung der Kauf­häuser und Baumärkte und Online-Kauf­hallen noch unmensch­li­cher.
Müller, gestählt durch die Erfahrung zweier Dikta­turen, wusste das. Wir, inklusive einer Kanzlerin, die ihre Vergan­gen­heit verdrängt hat, haben es vergessen.

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»Könnten Sie so rauchen, dass der Rauch nicht direkt zu mir zieht... Klar war keine Absicht. Ich rauche mal so vor mich hin, aber war keine Absicht. Oh mannomann, schreck­lich... Ich persön­lich habe kein Problem. Aber ich denke mal wenn Sie weniger rauchen würden, müssten Sie viel­leicht nicht aufs Amt rennen, um für Ihren Sohn die Klas­sen­fahrt zu finan­zieren.« – Es ist ein Fremder, der hier mora­li­siert, und sich übers Rauchen beschwert, und verächt­lich über die junge Frau und allein­er­zie­hende Mutter redet. Ein paar Minuten später ist er tot. Erschossen von Sabine, die gerade alle erschießt, die »es verdienen«, der Titel­figur des letzten ARD-Poli­zei­rufs, eines Ausnah­me­krimis im deutschen Fernsehen. Er ist dies durch Form und Auftritt der Haupt­dar­stel­lerin Luise Heyer, aber auch durch seine poli­ti­sche Haltung, durch die impli­ziten Fragen, die er stellt. Soll man Moral­pre­diger und Mora­listen erschießen? Die Pointe ist natürlich die, dass Sabine selbst eine mora­li­sche Person ist.

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Wen würde Sabine wohl erschießen, wenn sie eine deutsche Filme­ma­cherin wäre? Eine Förder­chefin? Eine Produ­zentin? Einen Festi­val­di­rektor? Die Kollegen? Sich selbst?
Der Film spielt mit unserer klamm­heim­li­chen Zustim­mung zu dieser Figur, die eine kalt­blü­tige Mörderin ist, aber für eine gerechte Sache. Mit unserer Freude an der Aktion. Das macht seine Stärke aus.

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Das Impf-Chaos, die nicht funk­tio­nie­rende Warn-App, die nicht bereit­ge­stellten Schnell­tests, die immer wieder gebro­chenen Verspre­chen der Politiker, die Abhän­gig­keit von Entschei­dern, die von der Sache nicht das Geringste verstehen, das Vertrösten auf einen Sankt-Nimmer­leinstag, das In-die-Länge-Ziehen aller Prozesse, mutwillig oder aus Dummheit, vor allem aber aus Ignoranz, die unsäg­liche Büro­kratie, die alles nur verlang­samt und behindert und verhin­dert, und der total frus­trie­rende Länder­ver­gleich (auch hier zum Beispiel Dänemark oder Öster­reich) – all das, was wir derzeit mit dem soge­nannten Corona-Manage­ment erleben, kann niemanden über­ra­schen, der in den letzten 20 Jahren in Deutsch­land einen Film gemacht hat.

Der Film in Deutsch­land ist nicht modern, er ist den Verhält­nissen nicht gewachsen, in denen wir leben. Und die aller­meisten Menschen, die hier Film machen, entspre­chen diesem Befund. Deutsch­land hat das Kino, das es verdient, und das seine Film­funk­ti­onäre und Film­schaf­fenden verdienen.

Der Lockdown der Kultur ist im Übrigen auch bis zum gewissen Grad verdient, denn es setzt sich ja keiner richtig, also politisch zur Wehr. Es wird mora­li­siert und gejammert, aber das hat noch nie geholfen. In Frank­reich streiken immerhin die Theater, und besetzen eine Bühne, viel ist das auch nicht, aber wenigs­tens das.

Im deutschen Kino wird es keine Revo­lu­tion geben, weder politisch noch ästhe­tisch. Denn es gibt kein revo­lu­ti­onäres Subjekt im deutschen Kino. Das werden auch wir hier nicht schaffen können. Was wir aber tun können, ist den Filme­ma­chern immer wieder zu sagen, dass es nach unserer festen Über­zeu­gung überhaupt nur eine Möglich­keit gibt, etwas zu ändern. Und dieser einzige Weg ist, eben öffent­lich so laut und unver­schämt wie möglich zu sein, dazu entweder Papiere zu schreiben, die von möglichst namhaften Leuten oder von so vielen unter­schrieben sind, dass man sie nicht mehr übersehen und übergehen kann – wie die gut 80 Regis­seure, die gegen die Fort­set­zung des Kosslick-Vertrages plädierten – oder Aktionen zu unter­nehmen, die man nicht übersehen kann.

Was spricht in all der Corona-Misere gegen das eine oder das andere?

Es inter­es­siert zwar niemanden, wenn Filme­ma­cher streiken, auch nicht, wenn es 100 Filme­ma­cher sind. Wenn aber 100 Filme­ma­cher sich vor das BKM bzw. vor das Kanz­leramt setzen, und den Eingang blockieren, dann sind sie in den Tages­themen. Oder die jungen Filme­ma­cher klettern mal aufs Bran­den­burger Tor wie die rechts­ra­di­kalen Iden­ti­tären, hissen dort die Flagge des deutschen Kinos – und schon sind sie in den Nach­richten. Irgend­welche guten Aktionen – und schon sitzen sie bei Markus Lanz. Dann können sie anfangen, ihre ganzen Kompro­miss­vor­schläge auf den Tisch zu legen, aber nicht vorher in irgend­wel­chen Hinter­zim­mern.

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Und noch etwas ist dringend nötig: Jetzt reden wieder alle von einem Lobby-Verzeichnis oder Lobby-Register, um Kontakte irgend­wel­cher Abge­ord­neter trans­pa­rent zu machen. Soweit so gut.
Aber warum fordert niemand ein Lobby­re­gister für den Film? Warum möchte niemand all die Verstri­ckungen trans­pa­rent haben; warum möchte niemand wissen, wer in welchen Gremien sitzt? Wer welche Bilanzen vorlegt? Wer mit wem vernetzt ist und wer von wem Geld bekommt? Es stimmt: man kann vieles davon– freilich längst nicht alles! – irgendwo nachlesen. Gut versteckt im Klein­ge­druckten, in den Bilanzen, auf Hunderten von Webseiten und nie weit oben. Man kann es etwa so gut nachlesen, wie man die Tele­fon­nummer von Amazon heraus­finden kann. Hat es schon mal einer versucht auf deren Website? Es geht tatsäch­lich irgendwie, aber es ist eben nicht einfach. Nicht trans­pa­rent. Was wir aber brauchen, das ist Trans­pa­renz im deutschen Film.
Wer also hat von welchen Fern­seh­sen­dern Geld bekommen? Wer hat von welchen Förderern Geld bekommen? Wer hat in welchen Gremien gesessen und wem Geld gegeben? Wer hat mit wem zusam­men­ge­ar­beitet? Und wer hat wem kein Geld gegeben?
Diese Zusam­men­hänge könnte man schön trans­pa­rent aufschlüs­seln, und ich bin sicher, wir alle würden Über­ra­schungen erleben. Die mindeste Über­ra­schung wäre die, dass nichts verheim­licht wurde.

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Das Einfor­dern solcher Trans­pa­renz passiert aber nicht, so wie sehr vieles nicht passiert, weil wir alle Angst haben. Weil der deutsche Film von Angst regiert wird.

Neulich habe ich einen Filme­ma­cher anonym zitiert, der mich vor der Berlinale angerufen hatte, um mich zu bitten, seinen Film nicht auf der Berlinale-Website im Stream anzusehen, sondern auf die Kino­vor­stel­lung zu warten. So wie mir das auch andere geschrieben hatten oder Produ­zenten und Verleiher gebeten hatten.

Dies ist nur ein konkretes Beispiel dieser gras­sie­renden Angst. Denn ebenso erreichen mich immer wieder in der einen oder anderen Form die Bitten von Filme­ma­che­rinnen und Filme­ma­chern, jede Anspie­lung nur ja zu vermeiden, durch die in diesen Cinema-Moralia-Texten darauf Rück­schlüsse möglich sein könnten, mit wem ich gespro­chen habe, und über was. Wer mir erzählt hat, dass sie oder er nicht gefördert wurde, oder weniger bekommen hat, als beantragt oder was für ein Feedback unter der Hand es auf Dreh­bücher gab, oder was Förder­che­finnen und Förder­chefs Filme­ma­chern so erzählen, wenn sie mit ihnen alleine sind.

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Statt mit Moderna oder Biontec müssen wir alle mit Kino geimpft werden, damit wir resistent werden gegen den Virus des geistigen Lockdowns, der ein Knockdown ist. Gegen den Virus der Kino-Abstinenz, gegen das Vergessen. Opti­mis­ti­sche Meldungen kommen immerhin aus den USA.

In weiten Teilen der USA ist Anfang dieser Woche das Kino wieder zurück­ge­kehrt. Vorsichtig zwar, aber mit über­wäl­ti­gender Resonanz. The Hollywood Reporter berichtet von bereits am frühen Nach­mittag durchweg ausver­kauften Vorstel­lungen, in denen die Zuschauer beim vor dem Film einge­blen­deten »Welcome Back to the Movies« in spontanen Applaus ausge­bro­chen sind. Es werden Kino­be­su­cher zitiert, denen das Herz förmlich überläuft, weil sie endlich wieder Filme, die für die große Leinwand gemacht wurden, auch auf einer solchen sehen können.
Einer der ersten Karten­käufer war offenbar Chris­to­pher Nolan.
Ein bedeu­tender Meilen­stein, nachdem bereits die Kinos in New York City wieder­eröffnet wurden.

Ein Besucher kommen­tierte im HR: »Es fühlt sich an, als wäre man aus einer Höhle heraus­ge­lassen worden. Es gibt Hoffnung, dass sich etwas verändert, und zwar bald.«

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Hört mal, ihr Empa­thi­schen: Wo sind eigent­lich die Safe-Spaces fürs Kino?

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Hoffnung auch in Deutsch­land bieten immerhin Einzel­fälle. So etwa wieder mal Tübingen und Boris Palmer. In Tübingen dürfen die Kinos seit Montag öffenen, andere Kultur­be­triebe, ebenso wie die Gastro­nomie. Mithilfe eines ebenso massiven wie unbüro­kra­ti­schen, lebens­nahen Einsatzes von Schnell­tests.

Überall in der Innen­stadt werden Schnell­test­sta­tionen einge­richtet, an denen nach kosten­losen (!!!) Tests perso­na­li­sierte Zerti­fi­kate ausge­stellt werden, die für einen Tag gültig sind. Die Univer­sität Tübingen begleitet das Projekt wissen­schaft­lich, um konkrete Hand­lungs­emp­feh­lungen für andere Regionen und das Land abzu­leiten.

Warum geht das nur dort? Weil ein Politiker und einige Mitstreiter es wirklich wollen, weil sie in Chancen denken, statt in Hinder­nissen, und weil sie auf die Vernunft hören, nicht auf Dogmen.

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»Es ist nicht kompli­ziert« schreibt der Film­re­gis­seur Dietrich Brüg­ge­mann zutref­fend in seinem zweit­letzten Blog­ein­trag: »Es ist ganz einfach: Der Staat darf nicht eine Gruppe von Bürgern aktiv schädigen, um eine andere zu schützen. ... Wenn der Staat das tut, dann ist die Linie zur Willkür über­schritten. Es ist also eigent­lich ganz einfach.«

Sein salopper Ton, jetzt vergleiche ich mal uns beide, nutzt der Tiefe und Substanz seiner Argumente nicht immer; von außen erkennt man das ja besser. Aber ich würde jedem empfehlen, Brüg­ge­manns Blog regel­mäßig zu lesen. Zu Corona, wie zu allen anderen Themen.

Denn er zwingt all den schreck­li­chen Verein­fa­chern, die es bei Corona-Maßnahmen ebenso gibt, wie bei den zurzeit gern disku­tierten Fragen über Meinungs­frei­heit, Sprach­po­lizei und gefühlten Wahr­heiten, wie in der Film­po­litik, auf, zu erkennen, dass es einen Unter­schied zwischen der rheto­ri­schen, der argu­men­ta­tiven Ebene und dem Inhalt des Gesagten gibt, zwischen dem Wie und dem Was.
Brüg­ge­mann vergleicht Debatten, und setzt die Unfähig­keit, Dinge beim Namen zu nennen, in Fällen mitein­ander gleich, wo er die Argumente hat, seine Gegner nur das gute Gefühl.
Er nennt auch beim Namen, dass den Feti­schisten der Corona-Maßnahmen (oder wie könnten wir sie nennen, wenn wir nicht Lockdown-Gläubige sagen wollen? Fans? Anhänger?) noch die primi­tivsten, moralisch abwe­gigsten Behaup­tungen recht sind, um Kritik an ihrem Fetisch zu diskre­di­tieren: »Du willst also, dass viele Leute sterben und die Gesund­heits­sys­teme über­lastet sind?«

»Wir fassen zusammen: Es sehr einfach. Der Staat darf das nicht. Punkt. Dieser Stand­punkt war bis vor einem Jahr so selbst­ver­s­tänd­lich, dass er als Stand­punkt kaum wahr­nehmbar war. Ich habe ihn einfach nie verlassen. Viele andere schon. Und denen kann man jetzt zuschauen, wie sie den großen Einer­seits-Ande­rer­seits-Eiertanz aufführen, gerade wo das Ganze so richtig mit Getöse an die Wand fährt und Schweden auf einmal doch besser dasteht als wir und Florida seit Ende September offen ist und die vorher­ge­sagte Kata­strophe ausblieb so weiter.
Dass es zum Risiko geworden ist, diese Selbst­ver­s­tänd­lich­keit zu sagen, gibt mir zu denken. Es ist aber auch ein Grund, es zu tun.«

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Dietrich Brüg­ge­manns vorläufig letzter Blog­ein­trag bietet dann eine sati­ri­sche, düster-bittere Zukunfts­vi­sion, aus einem Land, in dem die Polizei Kinder­ge­burts­tage auflöst, weil sie angeblich »illegal« sind (das ist aber jetzt noch Gegenwart und Realität, nicht Satire und Zukunft).

Ein Auszug: »Ab 2025: Die Welt kommt langsam wieder auf die Beine. Es kommt zu einer allmäh­li­chen, retro­spek­tiven Neube­wer­tung der Corona-Maßnahmen. Viel­leicht waren Lockdowns doch gar keine so gute Idee. Von Deutsch­land hat schon seit längerer Zeit niemand mehr etwas gehört.
Ab 2030: ... Bei der Analyse von drei­hun­dert­tau­send Terabyte Daten aus der Corona-Zeit kommt heraus, dass die Mensch­heit hier mit voller Wucht in eigent­lich altbe­kannte Fallen gelaufen ist: Confir­ma­tion Bias, Kontroll­il­lu­sion, Ambi­gui­tätsin­to­le­ranz, Sunk-Cost-Fallacy, Groupt­hink, Massen­hys­terie und so weiter. Künftige Regie­rungen werden weltweit verpflichtet sein, ihre Entschei­dungen von einer KI absegnen zu lassen, die im Zwei­fels­fall sagt: Nein, das lasst ihr gefäl­ligst bleiben, das fühlt sich zwar jetzt gerade gut an, ist aber insgesamt eine schlechte Idee.«

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Hier noch ein Fundstück, irgendwo im Netz, ich weiß nicht von wo, weil ich die Quelle nicht notiert hab, ist aber lustig. Dietrich Brüg­ge­mann war es jeden­falls nicht.

»Neulich, bei Freunden, gab es japa­ni­sche Teig­ta­schen, und omnom­nomnom sie waren wirklich wunderbar – und das, obwohl sie, mangels Zubehör, nicht mal amtlich-japanisch gedämpft waren. Kurz kam die Idee auf, ob man die Teig­ta­schen auch hätte mit dem Dampf­bü­ge­leisen garen können, da fiel mir die alte Geschichte von den zwei Herren auf Montage ein, die ein Doppel­zimmer in der Pension meiner Tante bewohnten und eines Tages, Hunger und Verzweif­lung müssen sich die Waage gehalten haben, ein Steak auf der Heiz­platte der Kaffee­ma­schine in ihrem Zimmer brieten. Es muss ewig gedauert haben. Aus heutiger Sicht war das natürlich bahn­bre­chend schonend – jeder Spieß­bürger brät sich sein Steak inzwi­schen ja nur noch scharf an, um es danach sechs­und­neunzig Stunden lang in den Umluft­herd zu packen –, ich gehe aber davon aus, dass die beiden einfach nur Männer waren und gar nicht wussten, wie so ein Herd überhaupt aussieht. Und die Kaffee­ma­schine kam ihrer Vorstel­lung wohl am nächsten.«

(to be continued)