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BEAUTY NOW, das soll wohl heißen SCHÖNHEIT JETZT.
Ein interessanter Titel für eine Ausstellung, ...dachte ich mir
und ging in diese Ausstellung im Haus der Kunst (11.02. bis 30.04.2000).
Daraus hat sich nun folgende Besprechung ergeben:
Lieber Leser, diese Ausstellung ist von höchst subjektivem Gegenstand,
der Schönheit.
Darum, lieber Leser, nehme ich die Gelegenheit zum Anlaß, mit
Schwung auf das Eis einer völlig subjektiver Kritik hinauszugleiten.
Worüber sprechen wir hier? Was ist Schönheit?
Vielleicht ist es sinnvoll zu Anfang ein paar Eigenschaften von Schönheit
ins Bewußtsein zu rufen.
Dazu ein Beispiel:
Da ich die Metapher des Eises sooo schön finde, verwende ich
sie hier gleich noch einmal. Dann könnte man zum Beispiel sagen,
Schönheit sei wie ein Haufen Trockeneis in der Sonne, genauso
facettenreich und verzaubernd schimmernd und auch so vergänglich
und unfaßbar.
Wie haben die Gestalter der Ausstellung dieses scheue Geschöpf
in die Ausstellung befördert?
Zuerst einmal wurde die Ausstellung in zwei Themenbereiche
unterteilt, zum einen in den Themenbereich "antike Schönheitsvorstellungen"
und zum anderen in Themenbereich "Die ungreifbare Schönheit".
Der erste Themenbereich diskutiert "das Nachleben antiker
Schönheitsvorstellungen in der zeitgenössischen Kunst
beziehungsweise die offensiven Auseinandersetzung mit dieser Tradition".
Da diese Tradition wesentlich durch das Schönheitsideal des klassisch
schönen Körpers geprägt ist, beziehen sich alle Werke
zu diesem Themenbereich auf dieses Ideal.
An dieser Stelle kann man so wunderbare Werke wie Benefits Supervisor
Sleeping" von Lucian Freud mit einer ungeschönt dicken Frau
als Motiv sehen. Oder als Gegensatz dazu, Femme nue couchée
jouant avec un chat" von Pablo Picasso mit schwungvollem Pinsel
in eine Schönheit verwandelt, trotz ebenbürtiger Korpulenz
des Motivs. Yasumas Morimura konterkariert Manets elfenbeinhäutige
Darstellung von Olympia, indem er Olympia durch einen Jüngling
austauscht.
Alles in allem: Hier ist Auseinandersetzung um Schönheit ein
geistiger Diskurs um die Schönheit des Körpers.
Nun zum zweiten Teil der Ausstellung... "die ungreifbare
Schönheit".
Sich Formen, Farben, Strukturen und Licht gegenübergestellt,
findet der Besucher sich vor abstrakten Motiven und verfremdeten Landschaften
wieder.
Was gibts zu sehen? Wasserlandschaften in extremer Langzeitbelichtung,
Sternenwolken, weichgezeichnete Landschaften, ein in Neonlicht getauchter
Raum, ...eine Lichterkette.
Der Bauch wird angesprochen, Schönheit als instinktives Empfinden.
Was kann man hinter den Bildern entdecken?
Zeit und Interesse vorausgesetzt, kann ich jedem raten, den Artikel
des Philosophen Arthur C. Danto im Katalog zu lesen. Hier finden sich
interessante Gedanken zur "objektiven Schönheit" und
dem rationalen erfassen ihres Wesens. Besonders gefallen haben mir
der Satz: "Die Schönheit besteht in der Projektion der Lust
auf ihre Ursachen" (George Santayana). Das Mysterium der Schönheit
erhellend empfand ich auch die Aussage Dantos, Hegel betrachete "die
Kunst in ihrer höchsten Form als eine sinnliche Projektion der
Wahrheiten des Geistes". Hierbei ist in Erinnerung zu rufen,
daß die Kunst zu Hegels Zeiten immer eine Kunst der Schönheit
war.
Damit möchte ich schließen. Ein Urteil ob diese
Austellung gelungen ist oder nicht, möchte ich nicht fällen.
Ich denke hier verhält es sich mit der Ausstellung wie mit Schönheit.
Um zum Anfang des Artikels zurückzukehren, ich hoffe das Eis
für die Auseinandersetzung mit einer interessanten Ausstellung
gebrochen zu haben.
Empfehlenswert bei einem Besuch: die Führungen in Begleitung
eines Ciceroni, Kunsthistorikers.
ulf bradfisch
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