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2 1 2 1 4 1 1 2 0 0 1 | besprechung vom glanz vergangener tage
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Maria Fjodorowna, geborene Sophie Dorothée von Württemberg, hatte in ihrem Leben nicht viel zu tun, wenn man von ihren Pflichten als treue, liebende, gebildete, immer fröhliche und hilfsbereite Gattin des russischen Zaren Paul I. absieht. Verständlich, dass eine solche Frau, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld mitbrachte, sich den schöneren Dingen des Lebens widmen konnte. Dass sie dies mit Stil und Feingefühl für das Kostbare tat, zeichnet sie allerdings wieder aus. So ist es ihrem Kunstsinn und ihrer Sammelleidenschaft zu verdanken, dass in Pawlowsk ein Denkmal des russischen Klassizismus entstand, das sich vor allem durch seine kunsthistorische Geschlossenheit auszeichnet. Einen vagen Einblick in dieses kleine Reich abseits der höfischen Gesellschaft bietet die Ausstellung "Krieg und Frieden", die bis zum 10. Februar 2002 im Haus der Kunst zu besichtigen ist. | |
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Als das Schloss mit seinem Park in Pawlowsk entstand, muss
ein ähnlicher Geist durch die Wälder nahe St. Petersburg geweht haben,
wie jener, der die 68er Generation beflügelte. Nur mit einem fundamentalen
Unterschied: Die, die nach ideeller Liebe, Freundschaft und Kultur strebten,
waren dieselben, die über Krieg und Frieden zu entscheiden hatten. In
schöngeistigen Elegien schwelgten sie, die in die Zwänge der alltäglichen
Politik eingebunden manchem Fallstrick erlagen. Die Rede ist von Zar
Paul I., der nicht lange regieren sollte, bis er seiner Vorstellung
von stiller Größe erlag. Dieser Widerspruch ist einer, der durch das
historisch bedingte Unvermögen entsteht, einer regressiven Gesellschaft
reformiertes Gedankengut in verträglichen Dosen zu verabreichen. Doch
von all dem wird in der Ausstellung "Krieg und Frieden" nicht wirklich
etwas ersichtlich. Und das ganz einfach deshalb, weil das eine mit dem
anderen nichts zu tun hat, weil eben damals wie heute idealistische
Vorstellungen mit realer Machtpolitik nicht zu vereinen sind.
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Statt dessen kann man in der Ausstellung im Haus der Kunst
einen Lebensstil bewundern, der sich in Stühlen, Büsten, Tischen, Vasen,
Kleidern, Teeservicen, Bildern, Kerzenleuchtern, Freundschaftstassen,
Buchillustrationen, Medaillen oder Kamin-Feuerböcken manifestiert hat.
Die Auswahl ist so weit gestreut, dass sich auch bestimmt für jeden
Museumsbesucher zumindest eines von den 500 Exponat findet, das ihm
gefallen wird. Bei den Bildern dürften sicherlich jene von Hubert Robert
besonders hervorstechen oder jene von Angelika Kauffmann. Dem in Sachen
Porzellan Kundigen wird das zwölfteilige Tee- und Kaffeeservice aus
Derby ins Auge fallen. Während der Kenner erlesener Möbel weder an den
edlen Tischen und Stühlen aus der Werkstatt Heinrich Gambs noch an den
feinen Beschlägen David Roentgens, einem berühmten deutschen Kunsttischler
aus Neuwied am Rhein, unberührt vorbei schreiten wird. Nur von der alles
zusammenfassenden Hülle, eben dem Schloss, wird in dieser Ausstellung
leider nichts ersichtlich. Und das liegt vor allem daran, dass sich
die Inszenierung der Ausstellung ausgesprochen puristisch gibt.
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Ein Panther im Käfig ist natürlich nie so schön, so anmutig
wie in freier Wildbahn. Ähnlich verhält es sich bei Pawlowsk mit seinem
Schloss und dem Park. Es muss wohl ein unglaublicher Charme von diesem
Ort ausgehen, in dem sich dekorative Einrichtung, Gartenarchitektur
und Architektur zu einem harmonischen Gesamtentwurf zusammenfügen. Von
all dem kann die Ausstellung "Krieg und Frieden" nur eine vage Impression
liefern. So vage allerdings, dass selbst eine Videoinstallation nicht
über die Schwächen hinweg hilft. Dabei hätte die Ausstellungsarchitektur
ruhig etwas aufdringlicher sein können. Denn aufdringlich bedeutet ja
noch lange nicht unoriginell. Nun denn, da dem nicht so ist, muss man
letztlich mit der Präsentation einzelner Kunstwerke vorlieb nehmen,
die dafür aber von edler Einfalt und stiller Größe sind.
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