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foto: a.t. birkenholz

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besprechung
vom glanz vergangener tage

krieg und frieden

eine ausstellung im haus der kunst
von 09.11.2001 bis 10.02.2002

Maria Fjodorowna, geborene Sophie Dorothée von Württemberg, hatte in ihrem Leben nicht viel zu tun, wenn man von ihren Pflichten als treue, liebende, gebildete, immer fröhliche und hilfsbereite Gattin des russischen Zaren Paul I. absieht. Verständlich, dass eine solche Frau, die nicht nur Zeit, sondern auch Geld mitbrachte, sich den schöneren Dingen des Lebens widmen konnte. Dass sie dies mit Stil und Feingefühl für das Kostbare tat, zeichnet sie allerdings wieder aus. So ist es ihrem Kunstsinn und ihrer Sammelleidenschaft zu verdanken, dass in Pawlowsk ein Denkmal des russischen Klassizismus entstand, das sich vor allem durch seine kunsthistorische Geschlossenheit auszeichnet. Einen vagen Einblick in dieses kleine Reich abseits der höfischen Gesellschaft bietet die Ausstellung "Krieg und Frieden", die bis zum 10. Februar 2002 im Haus der Kunst zu besichtigen ist.
   
vom feinsinn


Als das Schloss mit seinem Park in Pawlowsk entstand, muss ein ähnlicher Geist durch die Wälder nahe St. Petersburg geweht haben, wie jener, der die 68er Generation beflügelte. Nur mit einem fundamentalen Unterschied: Die, die nach ideeller Liebe, Freundschaft und Kultur strebten, waren dieselben, die über Krieg und Frieden zu entscheiden hatten. In schöngeistigen Elegien schwelgten sie, die in die Zwänge der alltäglichen Politik eingebunden manchem Fallstrick erlagen. Die Rede ist von Zar Paul I., der nicht lange regieren sollte, bis er seiner Vorstellung von stiller Größe erlag. Dieser Widerspruch ist einer, der durch das historisch bedingte Unvermögen entsteht, einer regressiven Gesellschaft reformiertes Gedankengut in verträglichen Dosen zu verabreichen. Doch von all dem wird in der Ausstellung "Krieg und Frieden" nicht wirklich etwas ersichtlich. Und das ganz einfach deshalb, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, weil eben damals wie heute idealistische Vorstellungen mit realer Machtpolitik nicht zu vereinen sind.

 

   
pluralität des schönen


Statt dessen kann man in der Ausstellung im Haus der Kunst einen Lebensstil bewundern, der sich in Stühlen, Büsten, Tischen, Vasen, Kleidern, Teeservicen, Bildern, Kerzenleuchtern, Freundschaftstassen, Buchillustrationen, Medaillen oder Kamin-Feuerböcken manifestiert hat. Die Auswahl ist so weit gestreut, dass sich auch bestimmt für jeden Museumsbesucher zumindest eines von den 500 Exponat findet, das ihm gefallen wird. Bei den Bildern dürften sicherlich jene von Hubert Robert besonders hervorstechen oder jene von Angelika Kauffmann. Dem in Sachen Porzellan Kundigen wird das zwölfteilige Tee- und Kaffeeservice aus Derby ins Auge fallen. Während der Kenner erlesener Möbel weder an den edlen Tischen und Stühlen aus der Werkstatt Heinrich Gambs noch an den feinen Beschlägen David Roentgens, einem berühmten deutschen Kunsttischler aus Neuwied am Rhein, unberührt vorbei schreiten wird. Nur von der alles zusammenfassenden Hülle, eben dem Schloss, wird in dieser Ausstellung leider nichts ersichtlich. Und das liegt vor allem daran, dass sich die Inszenierung der Ausstellung ausgesprochen puristisch gibt.

 

   
von der bescheidenheit


Ein Panther im Käfig ist natürlich nie so schön, so anmutig wie in freier Wildbahn. Ähnlich verhält es sich bei Pawlowsk mit seinem Schloss und dem Park. Es muss wohl ein unglaublicher Charme von diesem Ort ausgehen, in dem sich dekorative Einrichtung, Gartenarchitektur und Architektur zu einem harmonischen Gesamtentwurf zusammenfügen. Von all dem kann die Ausstellung "Krieg und Frieden" nur eine vage Impression liefern. So vage allerdings, dass selbst eine Videoinstallation nicht über die Schwächen hinweg hilft. Dabei hätte die Ausstellungsarchitektur ruhig etwas aufdringlicher sein können. Denn aufdringlich bedeutet ja noch lange nicht unoriginell. Nun denn, da dem nicht so ist, muss man letztlich mit der Präsentation einzelner Kunstwerke vorlieb nehmen, die dafür aber von edler Einfalt und stiller Größe sind.

alescha birkenholz



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