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magazin



 
besprechung
glitzernde "non-electric-sience"

paul weiß, wie die dinge zusammenhängen... glass paintings

eine ausstellung in der lucile galerie
von 16.10.1998 bis 15.11.1998

Als die Elster es in der Sonne so verführerisch glänzen sah, leitete sie ohne Umschweife den Sturzflug ein... und prallte auf glasscherbenmosaizierte fröhlich bunte Holztafeln, die mitten im Wald in die Sonne zum Trocknen ausgelegt waren. Paul, ihr Urheber, arbeitet nämlich nicht zu Hause, sondern zieht mit seinem mobilen Atelier in den Wäldern umher. Geschlossene Räume beeinträchtigen seiner Meinung nach den "Free Flow", fesseln den Menschen mit ungünstiger Aura und negativen Energien. Er propagiert daher die "Non-Electric-Sience" zur Heilung durch frische Luft und Bewegung. Der Wirkung in der Welt kann man sich nur im Freien bewußt werden, dort soll man arbeiten oder Baseball spielen.
Baseballspieler, bzw. deren Silhouette sind daher auch ein häufiges Motiv, das Paul mit Glasscherben und Flitter ausfüllt. Oft versieht er die Tafel mit Mahnungen und Moti, die durch farbigen Grund samt grober Aufhängung das Aussehen eines überdimensionalen Talisman annimmt. Und es handelt sich tatsächlich eher um Botschaften denn um Artefakte. Die konzentrierte Wirkung resultiert aus der konsequenten Ausführung. So führt Paul das Kunstwerk auf seine grundlegende Funktion zurück.
In München sind Pauls Werke jetzt bis zum 15. November in der lucile galerie (Lucile-Grahn-Str. 27, 81675 München, tel. 47084925, ab.barich@t-online.de) zu sehen, eigentlich ein Architekturbüro, das seine Wände den Aktivitäten der virtuellen Galerie "key" ohne Vorbehalte zur Verfügung stellt. Zwar sind die Räume entgegen Pauls Vorstellungen doch geschlossen, aber durch geschäftige Betriebsamkeit im Gegensatz zu herkömlichen Galerien immerhin voller Leben. In diesem Rahmen entfalten die Arbeiten ihre Gültigkeit und appellieren zur Besinnung auf das Wesentliche. Und deshalb muß man es einfach in Kauf nehmen, die Architekten bei ihrer Arbeit zu stören.

milena greif



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