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27|01|2004 |
besprechung
rivers of time - landschaftsfotografie in der galerie
f5,6 |
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Seit dem 22.
Januar zeigen drei Fotografen in der Galerie 5komma6 auf der Ludwigstraße
ihre Ansätze, sich der Landschaft zu nähern. Das Thema verspricht
per se interessant zu sein. Denn obgleich die heute 50- bis 60jährigen
Fotografen ihre Bilder im gleichen Revier, im amerikanischen Westen,
suchen, nähern sie sich der Natur mit unterschiedlichen Sichtweisen.
Michael Goodmans Interesse fokusiert sich in dieser Ausstellung
vorrangig auf die ornamentalen Strukturen der in das Urgestein gefrästen
Linien. Die Detailansichten verlieren leider aufgrund des beschränkten
Formates so deutlich an Wirkung, dass bereits ein einziger Print ausgereicht
hätte, um das gesamte Universum seiner Landschaft darzustellen. Wenn
man allerdings ganz nahe an den Abzug herantritt, kann man sich vielleicht
vorstellen, wie das Motiv wirken könnte, wäre das Format deutlich
gesteigert. Hingegen vermitteln die durchgängig circa 50 mal 60 Zentimetern
großen Prints eher den Eindruck, als wäre hier ein passionierter Hobbyfotograf
auf Motivsuche. Der Übergang vom Stock-Foto zum Bild wird nicht eingelöst.
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christoph braun und billy joe moffat
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Ganz anders verhält
es sich bei den Fotografen Christoph Braun und Billy Joe Moffat. Beide
bemühen sich, eigene Ansätze zu finden, die über das reine Bildmotiv
hinaus weisen.
So zeigt sich bei Christoph Braun eine deutliche Tendenz zur
heroischen Landschaft, die unwillkürlich an Robert Koch oder Carl
Rottmann denken lässt. Monumental erheben sich schroffe Felskanten
und stoßen in die kalten Pastelltöne eines morgendlichen Himmels.
Es ist vor allem dieses Motiv und dieser Kontrast, die seine Arbeiten
in der Galerie 5komma6 auszeichnen. Und obgleich man darüber diskutieren
kann, ob die harten geometrischen Gesteinsformationen wirklich mit
den zarten Tönen eines tageszeitlich noch indifferenten Himmels zusammen
passen oder ob eine anders gewählte Perspektive vielleicht dem Motiv
besser gerecht geworden wäre, so sind die ARbeiten doch sehenswert.
Auch bei Billy Joe Moffat ist man dazu geneigt an Vorbilder
aus der Malerei zu denken - insbesondere an Paul Klee. Es ist das
verspielte, abstrakte Ornament, das in seinen in der 80er Jahren entstandenen
Bildern bestimmend ist. Doch steht bei ihm nicht das Ornament mit
seiner dekorativen Wirkung im Vordergrund, vielmehr ist es die lyrische
Verspieltheit, die sich, wenn man genau hinschaut, jederzeit zu Füßen
im aufgeplatzten Lehmboden zeigt. Oder der Wassertümpel, in dem sich
organisch sumpfiges Grün mit blasenwerfendem Gelb zu einem harmonischem
Gesamtton verbindet. Auch wenn die Bildtitel etwas an den Haaren herbeigezogen
wirken - etwa wenn der schleimige Morast den Titel "Queen of hearts"
trägt -, so zeigt sich ein virtuos anmutender Blick für Form und Farbe.
Und es ist eben dieses Auge, das in den seit den 90er Jahren entstandenen
Gesamtansichten zum Tragen kommt. Denn Moffats Ansichten von Wäldern
und Tälern zeigen im hohen Maße ein Feingefühl für überzeugende Farbvaleurs,
die in Einklang mit den in der Natur gegebenen Formen stehen.
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Rivers of Time
ist vielleicht keine herausragende Ausstellung, doch auf alle Fälle
eine sehenswerte. Der Kuratorin ist es gelungen, einen offenen Dialog
zwischen Fotografie und Malerei zu schaffen. Hierzu lädt nicht
nur das Sujet der Landschaftsdarstellung ein, sondern auch die Auswahl
der beteiligten Fotografen. Und wie immer man die einzelnen Fotografen
beurteilen will, zeigt sich doch in ihrer individuellen Sicht die
Individualität der Natur.
Alescha Birkenholz
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