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304 27|01|2004
besprechung
rivers of time - landschaftsfotografie in der galerie f5,6
eine ausstellung in der
galerie f5,6

bis 28. Februar 2004

Seit dem 22. Januar zeigen drei Fotografen in der Galerie 5komma6 auf der Ludwigstraße ihre Ansätze, sich der Landschaft zu nähern. Das Thema verspricht per se interessant zu sein. Denn obgleich die heute 50- bis 60jährigen Fotografen ihre Bilder im gleichen Revier, im amerikanischen Westen, suchen, nähern sie sich der Natur mit unterschiedlichen Sichtweisen.

Michael Goodmans Interesse fokusiert sich in dieser Ausstellung vorrangig auf die ornamentalen Strukturen der in das Urgestein gefrästen Linien. Die Detailansichten verlieren leider aufgrund des beschränkten Formates so deutlich an Wirkung, dass bereits ein einziger Print ausgereicht hätte, um das gesamte Universum seiner Landschaft darzustellen. Wenn man allerdings ganz nahe an den Abzug herantritt, kann man sich vielleicht vorstellen, wie das Motiv wirken könnte, wäre das Format deutlich gesteigert. Hingegen vermitteln die durchgängig circa 50 mal 60 Zentimetern großen Prints eher den Eindruck, als wäre hier ein passionierter Hobbyfotograf auf Motivsuche. Der Übergang vom Stock-Foto zum Bild wird nicht eingelöst.

 

   
christoph braun und billy joe moffat


Ganz anders verhält es sich bei den Fotografen Christoph Braun und Billy Joe Moffat. Beide bemühen sich, eigene Ansätze zu finden, die über das reine Bildmotiv hinaus weisen.
So zeigt sich bei Christoph Braun eine deutliche Tendenz zur heroischen Landschaft, die unwillkürlich an Robert Koch oder Carl Rottmann denken lässt. Monumental erheben sich schroffe Felskanten und stoßen in die kalten Pastelltöne eines morgendlichen Himmels. Es ist vor allem dieses Motiv und dieser Kontrast, die seine Arbeiten in der Galerie 5komma6 auszeichnen. Und obgleich man darüber diskutieren kann, ob die harten geometrischen Gesteinsformationen wirklich mit den zarten Tönen eines tageszeitlich noch indifferenten Himmels zusammen passen oder ob eine anders gewählte Perspektive vielleicht dem Motiv besser gerecht geworden wäre, so sind die ARbeiten doch sehenswert.

Auch bei Billy Joe Moffat ist man dazu geneigt an Vorbilder aus der Malerei zu denken - insbesondere an Paul Klee. Es ist das verspielte, abstrakte Ornament, das in seinen in der 80er Jahren entstandenen Bildern bestimmend ist. Doch steht bei ihm nicht das Ornament mit seiner dekorativen Wirkung im Vordergrund, vielmehr ist es die lyrische Verspieltheit, die sich, wenn man genau hinschaut, jederzeit zu Füßen im aufgeplatzten Lehmboden zeigt. Oder der Wassertümpel, in dem sich organisch sumpfiges Grün mit blasenwerfendem Gelb zu einem harmonischem Gesamtton verbindet. Auch wenn die Bildtitel etwas an den Haaren herbeigezogen wirken - etwa wenn der schleimige Morast den Titel "Queen of hearts" trägt -, so zeigt sich ein virtuos anmutender Blick für Form und Farbe. Und es ist eben dieses Auge, das in den seit den 90er Jahren entstandenen Gesamtansichten zum Tragen kommt. Denn Moffats Ansichten von Wäldern und Tälern zeigen im hohen Maße ein Feingefühl für überzeugende Farbvaleurs, die in Einklang mit den in der Natur gegebenen Formen stehen.

 


 

   

offener dialog



Rivers of Time ist vielleicht keine herausragende Ausstellung, doch auf alle Fälle eine sehenswerte. Der Kuratorin ist es gelungen, einen offenen Dialog zwischen Fotografie und Malerei zu schaffen. Hierzu lädt nicht nur das Sujet der Landschaftsdarstellung ein, sondern auch die Auswahl der beteiligten Fotografen. Und wie immer man die einzelnen Fotografen beurteilen will, zeigt sich doch in ihrer individuellen Sicht die Individualität der Natur.

Alescha Birkenholz

 

 


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