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besprechung sophie calle is watching you
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Mal angenommen, Sie werden von einer Ihnen unbekannten Frau telefonisch eingeladen, eine Nacht in ihrem Bett zu verbringen, ihr eventuell einige Fragen zu beantworten und von ihr im Schlaf photographiert zu werden. Würden Sie sich überreden lassen? Als Sophie Calle zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn 45 Personen
(Freunde, Nachbarn und Unbekannte) mit diesem Ansinnen überrascht,
sind immerhin mehr als die Hälfte der Befragten dazu bereit. Innerhalb
einer Woche entstehen 176 schwarzweiß Photographien und eine Vielzahl
von Begleittexten, die die Verhaltensweisen der Schläfer dokumentieren.
Diesem noch relativ harmlosen Projekt folgt ein Jahr später die Arbeit "Suite Vénitienne". Über einen Zeitraum von zwei Wochen beobachtet die Künstlerin einen Mann, der ihr in Paris kurz vorgestellt wurde und dem sie nach Venedig gefolgt ist. Verkleidet mit einer blonden Perücke, Sonnenbrille und Regenmantel nähert sie sich ihrem ahnungslosen Opfer, ergreift von ihm mittels Photographien Besitz und befragt Freunde und Bekannte aus seinem sozialen Umfeld. Schließlich wird sie von Henri B. ertappt - er verbietet Calle, ihn weiterhin zu verfolgen. Die wochenlange Tätigkeit als Zimmermädchen in einem Hotel in Venedig verschafft Sophie Calle 1981 die Gelegenheit, direkt in die Intimsphäre der Gäste des Hauses einzudringen. Sie obduziert deren Koffer und Kleiderschränke, benützt das Parfüm der weiblichen Gäste, entwendet ein Paar Schuhe und versucht sich ein Bild von den jeweiligen Personen zu machen. Wir als Betrachter der Ausstellung werden unfreiwillig gleichfalls zu Voyeuren. 1983 schließlich, wird die Privatsphäre eines gewissen Pierre D.
vehement verletzt. Die Künstlerin findet dessen Adressbuch und schickt
es erst dann an den Besitzer zurück, nachdem sie es kopiert hat.
Sie fragt die Bekannten, Freunde, Arbeitskollegen und Verwandten über
den Protagonisten aus. Die Interviews werden einen Monat lang täglich
in einer französischen Tageszeitung veröffentlicht und erfahren eine
äußerst positive Leserresonanz. |
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In den nachfolgenden Projekten "Anatoli" (1984), "Die Bronx" (1990)
und "The Detachment - Die Entfernung" (1996) gibt die Künstlerin ihr
mehr oder weniger anonymes Agieren auf und konfrontiert die Beteiligten
direkt. Allein dieses Projekt lohnt den Besuch der Ausstellung. Jedenfalls
habe ich am Ende nur amüsierte Gesichter gesehen.
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