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227 03|04|2002 | besprechung stories - die erzählung kehrt zurück |
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Der Gang durch die Ausstellunge "Stories" ist zeitgenössischen
Erzählmodellen vergleichbar: Der Anfang ist offen, und wo das Ende ist,
ist auch nicht ganz klar (-daher gleich zu Anfang: Die Tür unterhalb
der Installation von Anna Gaskell im hinteren Treppenhaus darf durchaus
betreten werden!). Hirnhelme von M+M laden im unteren Bereich der Ausstellung zum Ausprobieren ein. Irritiert über die "behirnten" Menschen, die einem entgegen kommen, weiß man anfangs nicht so recht, ob hier ein Casting zu einem Sciencefictionfilm stattfindet oder ob man sich schlicht in den Räumlichkeiten vertan hat. Ein kleines Schallplattenkarussell und Zeichnungen des deutschen Künstlers Andreas Siekmann bieten dann einen klassischen Auftakt zur Ausstellung, aber schon ab dem nächsten Raum muss der Besucher sich entgegen seinen geläufigen Museumsbesuchsgewohnheiten bewegen. Nicht von Bild zu Bild kann er gehen, vielmehr wird er im Zickzackkurs durch die Installation von Rachel Harrison geführt, die dem Besucher narrative Elemente als unzusammenhängende Bildergeschichten vorlegt: eine Barbiepuppe im Rollstuhl, Fotografien von Menschen, die eine Glasscheibe berühren (eine Fensterscheibe, an der in New York die heilige Jungfrau erschienen ist!), oder Kartonstellwände konstruieren einen sogenannten Erzählraum, innerhalb dessen die Erzählung - ganz im Sinne des postmodernen interdisziplinären Ansatzes - geradezu wörtlich auf die Kunst übertragen wird. |
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Die Stories-Ausstellung im Haus der Kunst widmet sich der narrativen
Kunst seit Beginn der 90er Jahre. Mit über 20 zeitgenössischen Künstlern
wird eine Spannbreite verschiedener narrativer Modelle angerissen,
die vor allem eines deutlich machen: Es geht nicht um bestimmte Geschichten,
sondern es wird das Geschichtenerzählen an sich thematisiert. Narrationsmodelle
wie die lineare Erzählung, die Fiktion, aber auch Anti-Narratives
wird auf die Kunst übertragen und in der Kunst weitergeführt. |
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Schade ist, dass die Ausstellung erst in den 90er Jahren einsetzt, schließlich ist das Narrative doch schon viel früher in die Bildende Kunst zurück gekehrt. Künstler wie Eileen Cowin, Cindy Sherman, Jeff Wall u.v.m. haben bereits Ende der 70er Jahre begonnen, sich mit Formen des Narrativen auseinander zu setzen, ebenfalls ohne dass es ihnen um die Geschichte im Sinne des Erzählens ging. Sherman und Cowin haben etwa auf Erzählweisen des Fernsehens rekurriert, um damit die Frage der Wirklichkeit ins Spiel zu bringen, die wiederum für das Medium der Fotografie erst neu bestimmt werden musste. Das heißt ihre Suche nach Erzählmodellen entsprang keinem plötzlichen Einfall, sondern sie geht viel mehr auf die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Medien zurück. Damit klärt sich auch die Frage des Warum, die schließlich die Basis für die Beschäftigung mit der Erzählung in der Bildenden Kunst ist - und für die die aktuelle Ausstellung klärt, wie diese Beschäftigung aussehen kann. christine walter
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