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besprechung
divenhaft - die verletzte diva
Hysterie, Körper, Technik in der Kunst des 20. Jahrhunderts

Hysterie, Körper, Technik in der Kunst des 20. Jahrhunderts die verletzte diva

eine ausstellung im Lenbachhaus Kunstbau
Kunstverein München
Rotunde Siemens
Kulturprogramm

Galerie im Taxisplais (Innsbruck)

von 04.03.2000 bis 07.05.2000

Der Titel der Ausstellung ist verwirrend, wird ein Besuch Abhilfe schaffen?
Wird der Besucher mit dem befriedigenden Gefühl neuer Erkenntnis nach Hause kehren?

Ich möchte den Leser nicht schon im Vorfeld der Ausstellung strapazieren, deswegen:
... lesen Sie den ersten Teil der Kritik, falls Sie die Ausstellung mit dem Bauch besuchen wollen möchten.
Mein Tip: Versuchen Sie nicht lange die Zusammenhänge und tieferen Bedeutungen des Titels und Themas zu verstehen.
Zum einen hängen die Werke meist beliebig beieinander, Erklärungen in Textform sind zu knapp gehalten, um Verständnis zu wecken und der Katalog ist auch schwer zugänglich. Zum anderen: Spielt das Thema Hysterie für Sie und die Gegenwart eine Rolle? Wohl kaum, unsere moderne wird immer technisierter und rationaler. Für Hysterie ist da wenig Platz, auch wenn die Menschen unserer Zeit nicht rein rationale Menschen sind. Aufmerksame Leser werden jetzt aufschreien und einwenden, daß die Ausstellung den Einfluß und das Erscheinen der Hysterie in der Kunst des 20. Jahrhunderts betrachtet. Stimmt, aber für den "Bauchbesucher" stellt die Ausstellung viel zu wenig Erklärungen bereit, als daß sich eine Ausaeinandersetzung mit diesem Thema für Ihn lohnen würde...
Schauen Sie sich lieber die vielen interessanten Bilder an.



Louise Bourgeois Arch of Hysteria,
1993 Galerie Cheim & Read, New York
Es gibt ein große Vielfalt an Werken, von Pablo Picasso über Francis Picabia, Man Ray, Marcel Duchamp, Salvador Dalí, René Magritte bis Meret Oppenheim. Ein faszinierendes Werk ist "Arch of Hysteria" von Louise Bourgeoise. Ein bronzener Körper, an einem dünnen Draht blank spiegelnd im Raum hängend. Manch andere sind dagegen witzig und geistreich. Da gibt es zum Beispiel ein klassisches Ölgemälde einer hübschen Frau, dem der Künstler eine verwirrende, wilde Frisur aus großen, groben, bunten Pinselstrichen verpasst hat. Das erwartet den "Bauchbesucher".

René Magritte Les jours gigantesques, 1928 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

 


...oder lesen Sie den zweiten Teil, wenn Sie die Ausstellung mit dem Kopf besuchen wollen. Im diesem Fall sollten Sie allerdings neben ihrem Kopf auch noch viel Geduld, Zeit und Ausdauer mit bringen. Dann werden Sie sich nämlich dazu gemüßigt sehen, sich in die Gedanken der Ausstellungsmacher hineinzudenken und den Katalog zu studieren, um anschließend sich zu überlegen, welche Aussagen diese Ausstellung trifft und welche Erkenntnisse sie daraus ziehen können... Die wohl interessantesten Darstellungen sind die, welche die Rolle der Hysterie in den Werken der Surrealisten und der Dadaisten zeigen. Soweit zu den Kopfbesuchern.

Insgesamt hinterließ die Ausstellung einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Hand sehenswerte Werke von vielen bekannten Meistern, auf der anderen Hand das diffuse, überladene Ausstellungskonzept.

ulf bradfisch





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