USA 2001 · 92 min. · FSK: ab 12 Regie: Joe Johnston Drehbuch: Michael Crichton, Peter Buchmann, Alexander Payne Kamera: Shelly Johnson Darsteller: Sam Neill, William H. Macy, Téa Leoni, Alessandro Nivola u.a. |
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»Oh, oh this is great« jubelt ein kleiner Junge beim ersten Blick auf die Saurierinsel vor Costa Ricas Küste – und zu den felsenfesten Konstanten von Filmen wie Jurassic Park gehört die Gewißheit, dass Sätze wie dieser Unheil heraufbeschwören. Unbegründete Fröhlichkeit, tumber Optimismus werden bestraft – das ist die Schöne an der in der Vertrauenserschütterungsmaschine namens Monsterkino. Und da es sich kaum um Tierfilme handelt, gehört Jurassic Park ganz bestimmt zu diesem Genre, sein dritter von Joe Johnston gedrehter Teil (im Hintergrund waltet noch immer der große Märchenonkel Steven Spielberg), der jetzt in die Kinos kommt, noch mehr als die beiden Vorgänger.
Spätestens seit Scream wissen wir, dass Kino-Sequels ihre eigenen Gesetze haben, und dass zum Ende einer Trilogie all diese wieder außer Kraft gesetzt werden. Waren einst Star Wars III oder Das Omen III nur müde Nachgeburten, setzte Scream 3 ganz auf Ironie und drehte die Spirale der Selbstreflexion so lange und so offen weiter, dass es schon wieder gut wurde. Bei Jurassic Park ist das Brett des Plots aber offenbar zu dünn, um weitere Windungen auszuhalten, darum verlegte man sich ganz auf die ursprüngliche »straight Story« und verzichtete auf fast alle Ornamentik.
So plätschert es vergleichsweise gradlinig und gelangweilt dahin: Eine Gruppe von Menschen kehrt aus Dummheit und Leichtsinn unter Umgehung aller Verbote auf die Saurierinsel zurück, darunter Sam Neill, der als Dr. Alan Grant traumatisiert den ersten Teil überlebte. Es sind gerade genug, um schnell die dümmsten von ihnen dem ersten daherkommenden Tyrannosaurus zum Fraß vorzuwerfen, und trotzdem noch eine Geschichte erzählen zu können. Vom Archetypischen und Spielerischen der beiden Vorgänger finden sich aber allenfalls noch Spurenelemente, am ehesten noch in den Sauriern selbst. Munter mampfen sie sich durch den Urwald, und sind dabei doch zu überraschend komplexem Verhalten fähig: Sie bauen Fallen für Menschen und betreiben Kommunikation unter Abwesenden. Festzuhalten bleibt überdies, dass die Natur in jeder Jurassic Park-Folge bedrohlicher und unberechenbarer wird – der einstige Öko-Touch ist ganz verschwunden.
Wem das nicht genügt, dem bleibt zumindest das hübsche Ratespiel, das bei allen noch so schlechten Monster- und Katastrophenfilmen funktioniert: wer muss sterben, wer darf weiterleben? Im Gegensatz zu manch durch und durch ideologischem US-Film, der diese Fragen nach (konservativ-) politischen Kriterien beantwortet, ist Jurassic Park III simpler gestrickt: suchen wir nach den Unsympathischen und Unaufmerksamen, suchen wir nach völlig oder halbwegs unbekannten Schauspielern in scheinbaren Hauptrollen, und wir wissen die Antwort schnell.
War Jurassic Park 1993 noch in erster Linie ein überlanger Werbetrailer für die Schönheit der Dinos, also zugleich die Fertigkeiten des Spielberg-Labors »Industrial Lights and Magic« der sich sonst ganz auf den Charme seiner Kinderdarsteller und die Öko-Message des Plots verließ, wirbelte The Lost World: Jurassic Park noch zitatreich mit alten Vorbildern, vor allem aus dem 1931er King Kong, wabert nun ein Hauch von Alien über die Leinwand: Denn selbst der T-Rex kennt Family Values.