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magazin



 
vortrag
Anne-Marie Bonnet
Bilder und clichés - Kunst und Neue Medien - à propos Photographie

vortragsreihe der fachschaft kunstgeschichte im januar und februar

Denkt man an 'Neue Medien', dann denkt man an Cyberspace, an Virtual Reality. Doch was ist mit Photographie?
In Ihrem Vortrag fordert Anne-Marie Bonnet die Kunstwissenschaft dazu auf, neue Kategorien zu entwerfen, um die Photographie innerhalb der Genese der Bilder zu erfassen und diese nicht auch weiterhin als Hilfsmittel der Diszpilin zu degradieren.
Obwohl schon fast 160 Jahre alt, ist die Bedeutung der Photographie für die Kunst, für die Kunstgeschichte und die Entwicklung des Sehens allgemein in der kunsthistorischen Praxis immer unterschätzt worden. Heute wird deutlich, daß es die Photographie nicht gibt. Zumindest tut man sich selbst keinen Gefallen, wenn man von Daguerrotypie bis zu computermanipulierten Bildern alles unter diesem Begriff subsumiert. Bonnet begreift die Photographie vielmehr als ein visuelles (ästhetisches) Phänomen, dessen Eigenart die Fiktion von Wirklichkeit ist. Die verführerische Nähe der Photographie und ihre Allgegenwart macht uns den fiktiven Charakter nicht immer bewußt.
Warum wurde die Photographie seit ihrer Entstehung von der kunstgeschichtlichen Disziplin bisher so vernachlässigt? Und das obwohl die Photographie seit ihrer Entstehung die Entwicklung von Bildern beeinflußt hat: man malt gegen oder mit der Photographie und ihrer Nähe zur Wirklichkeit. Die Impressionisten waren eine Reaktion auf das neue Wahrnehmungsvermögen. Photographie und Abstraktion entwickeln eine neue Perspektive auf die Welt.

Eine weitere grundlegende Schwierigkeit im Umgang mit der Photographie bildet ihre "hybride" (vielfältige) Struktur. Sie erscheint mal als Dokument, mal in der Werbung oder als künstlerisches Bild. Letzteres ist für die Kunstgeschichte noch am ehesten faßbar, da es sich der Struktur klassisch-komponierter Kunstwerke bedient (Jeff Wall, Cindy Sherman). Die anderen Bereiche werden jedoch meist ausgegrenzt.
Dieses breite Spektrum von Praktiken der Photographie führt erneut zu der Frage "was ist Kunst"?.
Die Kunstgeschichte wird aufgefordert eine Fähigkeit zur Kritik der Bilder auch außerhalb der Kunst zu entwickeln, die verschiedenen Praktiken der Photographie zu differenzieren und deren Wechselbeziehung zu anderen Kunstgattungen zu beleuchten.

Anja Casser

Um Stellungnahmen und Diskussionsbeiträge wird gebeten.





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