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04.12.2003
 
 
         

Antipasti für unsere filmische Zukuft?
Das internationale Festival der Filmhochschulen 2003

 
       
 
 
 
 

Vom 26. bis 30.11.2003 flimmerten die Werke des internationalen Filmnachwuchses nach fünf Jahren erstmals wieder über die Leinwand des Münchner Filmmuseums, wohin das Studentenfestival aus dem Schoß des "großen" Münchner Filmfests zurückgekehrt war. Daran angeschlossen hatten die ausgewählten Kurzfilme von Filmhochschulen unterschiedlichster Länder leider immer weniger Beachtung gefunden. So wurde das Festival kurzerhand wieder als eigenständiges Ereignis in den November verlegt, in dem es früher immer stattgefunden hatte. Dieser Rückschritt wurde zum Fortschritt, das Kino war vom ersten bis zum letzten Sitzplatz ausverkauft. Damit nicht genug der Sanierungsmaßnahmen, als ob eine gewaltige Umwälzmaschine die Münchner Filmlandschaft erfasst hätte, gab es noch zwei weitere Neuerungen: einen neuen künstlerischen sowie einen neuen geschäftsführenden Festivalleiter. Ersterer, Prof. Andreas Gruber, ist zugleich erst seit kurzem Abteilungsleiter des Studiengangs Regie der HFF München. Letzterer, Andreas Ströhl, ist obendrein frisch gebackener Repräsentant des "großen" internationalen Münchner Filmfests. Beide gingen das Ganze gut gelaunt an, und genossen die beschauliche Atmosphäre der viereinhalb feierlichen Filmtage gemeinsam mit Fachpublikum und fleißigen Fans.

Mit einer jeweils konkurrenzlos eigenwilligen Handschrift kamen die Filme, mal durch visuelle Spielarten fremdartig entrückt und mal klassisch schlicht daher. In seiner wunderbaren Vielseitigkeit war das Programm vergleichbar mit der italienischen Küche: für jeden Geschmack etwas. Nicht nur bekömmlich wieder aufgearbeitete Motive der Filmgeschichte und treffsicher-anders Gewürztes, sondern auch durch neue Zutaten schmackhaft Gemachtes gab es zu entdecken. Herrlich frische Komödienware aus der Hamburger Filmwerkstatt, zum Beispiel der Esprit geladene KUNSTGRIFF oder HIMMELFAHRT von Ulrike Grothe, der durch seine pointierte Situationskomik auch die Jury des Pro7 Nachwuchspreises überzeugte. Sein pfiffiger Dialogwitz machte allerdings AUDITION aus Israel zum Publikumsliebling. Ebenso gab es poetische Bilderreigen wie FRAGILE von der HFF München oder SMALL UNTOLD SECRETS aus der Tschechei, der in seiner visionären Rätselhaftigkeit ein bißchen an Almodóvar oder Lynch erinnert. Sehr reif und berührend ehrlich erzählt, wirkte DREMANO OKO von Olivier Prieur aus Frankreich, der den Nachwuchspreis der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten gewann. MEYERS aus Zürich beschreibt in bestechend präziser Beobachtung ein aus dem Alltagsmief ausbrechendes Ehepaar. Die beklemmende atmosphärische Dichte des KONTROLLEURS aus Polen wirkt wie von Kieslowskis Hand erschaffen. Besonders experimentierfreudig gestaltet waren MY FIRST RENDEVOUS von dem Slowaken Boris Sima und die phantastische Utopie MECHANIKA von David Sukup aus der Tschechei. Beide lassen sich in kein Schema pressen. Eine Genre- und Stilvielfalt also, wie sie spannender nicht hätte sein können. Platte, der Fernsehkultur angepasste Schablonenwelten blieben dem Festival fern.

Als einziger übergreifender, narrativer Wunsch der jungen Filmemacher lässt sich vielleicht die Tendenz zu sehr vereinsamten (Anti-)Helden feststellen, die meist - wenn überhaupt - erst in der letzten Filmsekunde ihr Glück ereilt. In PASSENGERS sitzen sich in der letzten Einstellung zwei Menschen gegenüber, die endlich nicht mehr alleine sind, und gerade als sie den Mund aufmachen wollen.... cut. Ebenso in ME, dessen tragisch-passive und durchweg wortlose Zentralfigur am Ende auch nicht mehr zu Worte kommt. War man hier als Filmemacher ratlos? Nein, man kann mit gutem Willen erahnen, worauf alles letztendlich hinauslaufen soll: auf eine bessere Zukunft. Ein happy end auszuführen, wäre ja keine Kunst mehr. Außerdem fehlt dafür im Kurzfilm die Zeit, deshalb müssen kurze Dramen umso dramatischer sein. Große Geschichten in kleiner Form. Antipasti für unsere filmische Zukunft!

Felicitas Darschin

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