USA 2005 · 134 min. · FSK: ab 6 Regie: Susan Stroman Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan Kamera: John Bailey, Charles Minsky Darsteller: Nathan Lane, Matthew Broderick, Uma Thurman, Will Ferrell, Gary Beach u.a. |
![]() |
|
Ulla la! Lane, Thurman und Broderick |
Remakes haben einen schlechten Ruf. Der Ruch der skrupellosen Geschäftemacherei klebt an ihnen genau so, wie der Touch der künstlerischen Einfallslosigkeit. Dass sich Regisseure, die sowohl über den Vorwurf des billigen Kommerzes als auch den der mangelnden Kreativität erhaben sind, trotzdem von Zeit zu Zeit an ein Remake wagen, ist kein wirklicher Widerspruch. Ernsthaft betrieben ist eine Neuverfilmung für einen Regisseur eine ganz besondere Herausforderung, die einen gewissenhaften Umgang mit der Kinogeschichte erfordert.
Während ein kommerzielles Remake künstlerisch meist belanglos bleibt, da es dort vor allem um die Verwertung eines Namens, eines Mythos, einer Figur oder kurz (wie man in der modernen Werbewelt sagt) eines »Brands« geht, stellt ein gekonntes Remake eine echte Bereicherung für das Kino dar, vergleichbar mit einem Stück Musik, das von verschiedenen Musikern interpretiert wird.
In die Kategorie der interessanten Remakes fällt u.a. Mel Brooks Version von Sein oder nicht sein (auch wenn offiziell Alan Johnson dabei Regie führte), dessen Original von Ernst Lubitsch in jeder Hinsicht perfekt und somit unübertrefflich ist.
Mit einer etwas schizophrenen Mischung aus Respektlosigkeit und respektvoller Bewunderung machte sich Brooks 1983 an seine Fassung dieses Komödienklassikers und erschuf eine Version, die die ursprüngliche keineswegs verleugnet, die vor ihr aber auch nicht ehrfürchtig erstarrt. Brooks Film schafft es, eigene Akzente zu setzen und für sich selbst zu bestehen.
Mit der selben Einstellung verpasst Brooks nun (beteiligt an Drehbuch, Produktion und den Songs) unterstützt von der (Bühnen)Regisseurin Susan Stroman (man könnte hinter dem Namen einen typischen Brooks-Witz vermuten, aber die Frau heißt wirklich so) seinem eigenen Spielfilmdebüt The Producers aus dem Jahr 1967 ein neues bzw. zweites Gesicht.
Hat man bei den Verwertungsketten der amerikanischen Unterhaltungsindustrie auch schon manch Unglaubliches erlebt, so ist die Geschichte von The Producers doch außergewöhnlich. Brooks sarkastischer Film von 1968 erzählte vom geplanten Musical-Flop, der zum unerwünschten Erfolg wird. Dreißig Jahre später macht Brooks aus diesem Film ein Musical, das zum unerwarteten (aber sicher nicht unerwünschten) Riesenerfolg am Broadway wurde. Mit der 2005er Version liegt nun die Verfilmung dieses erfolgreichen Musicals, das auf einem mäßig erfolgreichen Film über ein unfreiwillig erfolgreiches Musical basiert, vor.
Souverän gelingt auch hier (wie bereits bei Sein oder nicht sein) die Um- bzw. Neudeutung, so dass man diese neue Fassung in Zukunft ebenso wenig missen möchte, wie das Original.
Auch in der aktuellen Version von The Producers geht es um den sagenhaft glücklosen Broadwayproduzenten Max Bialystock, der plötzlich das Ende aller seiner Sorgen zu erkennen glaubt, als ihm der scheue Buchhalter Leo Bloom erklärt, wie gewinnbringend ein Misserfolg auf der Bühne für den Produzenten sein kann.
Gemeinsam planen die beiden deshalb einen unfehlbaren Flop zu produzieren, den sie in dem Bühnenstück »Frühling für Hitler«, einer superfaschistischen Huldigung an Adolf Hitler, schnell gefunden glauben. Der schwer gestörte Autor dieses Machwerkes wird der Einfachheit halber für die Hauptrolle besetzt, der schlechteste und schwulste Regisseur der Stadt mit der Umsetzung betraut, das ganze garniert mit der schön anzuschauenden aber schwer zu verstehenden schwedischen Sexbombe Ulla und schon scheint der Misserfolg am Premierenabend garantiert. Doch nicht nur in der Mathematik ergibt minus mal minus wieder plus, so dass sich die vorprogrammierte Katastrophe durch ein zusätzliches Unglück unverhofft ins Gegenteil wandelt, was für Bialystock und Bloom wiederum den worst case bedeutet.
Die 1967er Version des Films blieb (trotz manch humoristischer Übertreibung) noch weitgehend realitätsnah, was seinen sarkastisch parodistischen Anspruch unterstrich.
Die 2005er Version dagegen ist ein pralles Stück Filmunterhaltung voller Tanz, Musik, Slapstick, Gags und wilder Gesichts- und Stimmakrobatik, dessen satirischer Aspekt eher nebenbei mitläuft. Zweifelsfrei ist auch ein Teil der damaligen »Sprengkraft« im Lauf der letzten 38 Jahre verflogen.
Doch das schadet dem vorliegenden Film nicht wirklich (bzw. das grenzt ihn zum Original ab und rechtfertigt so ihrer beider Existenz), dafür wartet er mit zahlreichen Qualitäten auf, die die 1967er Version nicht vorweisen konnte.
Etwa die wunderbaren Gesangseinlagen, die im Kleid der guten, alten, amerikanischen Bühnentradition hinterhältig böse Texte aus der Feder von Mel Brooks transportieren.
Oder die perfekt choreographierten Tanzeinlagen, die vor Kreativität nur so strotzen und aufgrund ihrer visuellen Eleganz selbst Tanzmuffeln gefallen dürften. Wohl als Nebeneffekt dieser Bühneneinflüsse besitzt der Film ein unglaubliches Timing, was gerade für Komödie so wichtig ist und heute doch so oft fehlt.
All das zusammen verlangt den Schauspielern eine vollkommen andere Leistung ab, als den ursprünglichen Darstellern. Allen äußeren Ähnlichkeiten zum Trotz ist es deshalb auch sinnlos, etwa die Rollen von Zero Mostel und Gene Wilder mit denen von Nathan Lane und Matthew Broderick zu vergleichen. Auch hier gilt: Auf ihre Art haben sie nebeneinander ihre Berechtigung.
Als weiteren Nebeneffekt der Musicalversion von »The Producers« und der damit verbundenen direkten Publikumsreaktion merkt man dem Drehbuch und vor allem den Dialogen an, wie sie regelrecht optimiert wurden, so dass jeder Witz, jeder one-liner wirklich perfekt sitzt.
Den positiven Gesamteindruck von The Producers rundet schließlich die Tatsache ab, endlich wieder etwas Gutes von Mel Brooks (der in wenigen Monaten 80 wird!) zu sehen.
Nach all den wunderbaren, verrückten und innovativen Filmen, die er zu Beginn seiner Karriere gemacht hat, war der billige Klamauk, den er die letzten 20 Jahre produzierte weitgehend enttäuschend. Wollen wir hoffen, dass The Producers somit der Vorbote für einen »Springtime for Mel Brooks« wird.