Stormskärs Maja – Von Liebe getragen, von Stürmen geprägt

Myrskyluodon Maija

Finnland 2024 · 170 min. · FSK: ab 12
Regie: Tiina Lymi
Drehbuch:
Kamera: Rauno Ronkainen
Darsteller: Amanda Jansson, Linus Troedsson, Jonna Järnefelt, Tobias Zilliacus, Amanda Kilpeläinen Arvidsson u.a.
Stormskärs Maja
Von Liebe getragen, von Stürmen geprägt
(Foto: mindjazz pictures)

Ein Leben auf den Schären

»Stormskärs Maja« versucht ein ganzes Leben abzubilden – ein großes Unterfangen mit Tücken

Aland gegen Mitte des 19. Jahr­hun­derts. Maja wächst als Tochter einer klein­bäuer­li­chen Familie in einem schein­baren Idyll auf. Der Großvater erzählt von Kobolden und Trollen, die hinter den Bäumen lauern – eine Vorstel­lung, die die Fantasie der jungen Maja, die sich gern ihren Tagträumen hingibt, beflügelt. Der Vater, ein aske­ti­scher Protes­tant für den Gott über allem steht, versucht diesen Aber­glauben stets einzu­dämmen. Zu Midsommar tanzen die jungen Leute des Ortes die ganze Nacht, Maja verliebt sich in einen jungen Mann aus der Nach­bar­schaft.

Diese heile Welt wird jäh gestört, als Erker mit seinem Sohn Janne auf den Hof kommt. Wie Vieh müssen sich Maja und ihre Schwester aufstellen, und Janne sucht sich eine Braut aus. Er steckt der völlig über­for­derten Maja den Verlo­bungs­ring an den Finger, sie nimmt Reißaus und verbirgt sich verzwei­felt in den Feldern, versteckt die Hand mit dem elenden Ring in einer Mauer­ni­sche.

Janne ist wie ein Klotz, der kaum sprechen kann, und entspricht in keiner Weise dem Typ Mann, den die träu­me­ri­sche Maja sich wünschen würde. Im Umgang mit ihr bringt er kaum die Worte heraus, muss seine Sätze heraus­kauen wie alten Stock­fisch. Da Janne hier nichts erben wird, eröffnet er Maja, dass sie zusammen auf der einsamen Schäre Stormskär, weit vor der Küste leben werden.

Bald leben sie auf der Insel Stormskär, wachsen dort zusammen. Maja verliebt sich nun doch in ihren Janne, der sich zwar als nicht besonders eloquent, aber dafür um so liebe­voller und humorvoll erweist. Schnell ist Maja schwanger, bei der schwie­rigen Geburt verliert sie fast ihr Leben. Als Janne ihr das Neuge­bo­rene auf die Brust legt, öffnet sich die Tür und eine ganze Schar Kinder tritt herein. Ein Sprung in die Zukunft, kaschiert hinter der zigsten Geburt in der Familie.

Die erste Adaption der gleich­na­migen Roman­reihe über die einfache Bauern­tochter Maja wurde bereits in den 70er Jahren als Serie verfilmt, die Adaption des Stoffes durch Regis­seurin Tiina Lymi hält sich dabei an die strikte Chro­no­logie des Lebens. Ein Ereignis folgt auf das andere, das Leben plät­schert und entwi­ckelt sich mit allen Höhen und Tiefen. Krieg und Tod suchen Maja auf Stormskär heim, aber auch eine zuneh­mende Selbst­be­stim­mung ist in der Einsam­keit der Insel möglich. Doch plät­schert die Handlung leicht vor sich hin. Majas Schau­spie­lerin Amanda Jansson sieht schon zu Beginn des Films wie Mitte 30 aus, und auch nach der Geburt des gefühlt zehnten Kindes sieht man noch kein Fältchen in ihrem Gesicht. Genauso gehen an Janne die Jahre harter Fischerei zwischen den Schären scheinbar spurlos vorbei. Die Zeit und das harte Leben sind ein nicht greif­barer Faktor in diesem Kammer­spiel auf der Insel. In manchen Szenen zerfließt die Filmmusik Lauri Porras wie dick­flüs­siger Zucker­guss über die Bilder und klebt dabei alles Subtile und Beob­acht­bare zu. Storm­skärs Maja versucht ein Menschen­leben in 163 Minuten zu packen, ein Unter­fangen, das ohne ausge­feilte filmische Kniffe und Ambi­tionen nicht leicht zu bewerk­stel­ligen ist. Wirkliche Spannung kommt selten auf, doch wer am Ball bleibt, erlebt zwischen der Verkleis­te­rung dennoch wunder­bare Szenen und Momente.