Terminator 3 – Rebellion der Maschinen

Terminator 3: Rise of the Machines

USA 2003 · 109 min. · FSK: ab 16
Regie: Jonathan Mostow
Drehbuch: ,
Kamera: Don Burgess
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Nick Stahl, Claire Danes, Kristanna Loken u.a.
Rendezvous der Roboter

Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. 1984 ist lang vorbei, fast 20 Jahre schon – verstri­chen der symbo­li­scher Stichtag für die Erfüllung von George Orwells disto­pi­scher Vision eines totalen Über­wa­chungs­staat unter den Augen des Big Brother. Wie lustvoll und unbesorgt wir persön­lichste Daten durchs Internet jagen, gegen ein paar Kaufhaus-Bonus­punkte eintau­schen, wie perfide einst Big Brother als real exis­tie­rendes TV-Gaudium sein würde, das freilich hätte Orwell sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht ausgemalt.

Science Fiction-Fantasien haben es so an sich, dass sie, weil so sehr aus ihrer Ära heraus geboren, ungeheur geringe Halb­wert­zeiten haben, sich von der Wirk­lich­keit rasend schnell auf unvor­her­ge­se­henste Weise überholen lassen. 1984 war das Geburts­jahr einer weiteren fiktiven Zukunft – der Termi­nator stapfte da zum ersten Mal über die Leinwand. Es war eine Zeit, in der mal wieder die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu verhan­delt wurden, in der Cronen­berg und Giger ihre Blütezeit hatten mit ihrer faszi­nie­rend-ekligen Erotik des Biome­cha­no­iden. Eine Zeit, in der Kunde von den zaghaften Fort­schritten in der Forschung an Künst­li­cher Intel­li­genz in die öffent­liche Aufmerk­sam­keit geschwappt waren, einem Übles schwante, weil man den eigenen Wert als Mensch an eine Illusion der Gott­ge­schaf­fen­heit hängte, man sich auf nicht-biolo­gi­schem Substrat entwi­ckelnde Formen von Bewusst­sein nur als gefähr­liche Konkur­renz vorstellen wollte – nicht wissen könnend, dass das wahrhaft Böse dereinst die Gestalt von tanzenden Büro­klam­mern annehmen würde. Es war eine Zeit, in der die Tech­ni­sie­rung des Alltags eine Beschleu­ni­gungs­welle erfuhr, man von Compu­ter­netz­werken gehört, aber noch keine Ahnung hatte, wie bequem sie wenige Jahre später großen Teilen der Bevöl­ke­rung die Beschaf­fung von Wixvor­lagen machen würden.

Als Kind seiner Zeit hat sich auch der Termi­nator als Bild des bösen, nach Herr­schaft stre­benden Maschinen-Menschen schnell überholt. Schon in T-2: Judgement Day war der gute alte Elek­tronik-und-Mechanik-Androide auf die Seite des Guten gewech­selt, war der Roboter unser Freund im Kampf gegen eine Gefahr, die viel weniger greifbar war als einen Film zuvor er selbst – den amorphen, semi-liquiden T-1000.

Und nun, nochmal zwölf Jahre später? Nachdem der 29. August 1997 auch schon längst der Vergan­gen­heit angehört – der Tag, an dem angeblich das Skynet-Netzwerk die Apoka­lypse über die Mensch­heit bringen sollte? Nachdem mal wieder eine fiktio­nale Zukunft vom realen Kalender den »Abgelegt«-Stempel aufge­drückt bekommen hat?
»I am an obsolete design,« sagt der Termi­nator nun in T3: Ein Auslauf­mo­dell, aus der selben Serie wie seine Vorgänger. (»Ai ähm en obsohlied dieseihn,« klingt das, denn auch sein Sprach­chip scheint auf stei­ri­sches Englisch program­miert.) Längst ist er nicht mehr das bedroh­liche Monster aus seinem Leinwand-Debut, und auch nicht mehr der dunkle Held aus dessen Nachfolge-Film. Er ist ein Stück wohl­be­kannte Popkultur, das sofor­tigen, globalen Wieder­er­ken­nungs­wert hat, aber nur noch wenig inhärente aktuelle Relevanz.

Sein Körper, sein Äußeres in T3 ist es, der vom selben Band lief wie der seiner Ahnen, aber er teilt nicht deren Seele (nicht einmal die berühmten Taglines wie »I'll be back« enthält sein Programm): Ein kluger, ironisch-selbst­re­fle­xiver Schachzug des Films, das genau so zu insze­nieren, zum Thema zu machen. Und wohl seine einzige Möglich­keit, seinen Haupt­dar­steller auf intel­li­gente Weise einzu­setzen. Arnold Schwar­ze­negger ist der »last action hero«, der von den Großen Drei der 1980er noch übrig geblieben ist: Sylvester Stallone hatte es als ersten erwischt, ihn, der immer den Mythos des Natur­kör­pers darstellte, der Schwei­nehälften boxte und durch Dschungel wütete. In Rocky V durfte er noch einmal mit seinen ehrlich antrai­nierten Muskeln bestehen gegen einen quasi im Labor gezüch­teten Sowjet-Boxer, aber schon da sauste bei ihm daheim zugleich ein Roboter als Butler herum; als Demo­li­tion Man durften sich dann noch einmal seine old school-Methoden in einer schönen, neuen Zukunfts­welt bewähren, aber er passte da eben schon nur noch als Fremd­körper hinein.

Bruce Willis, der ewige Schmer­zens­mann in urbanen Kämpfen, hat ein bisschen länger durch­ge­halten, bis Amerika sich aus seinem Post-Reagan Maso­chismus heraus­ge­ar­beitet hatte und sich nicht mehr im knappen Triumph des Prügel­knaben wieder­er­kannte, sondern lieber wieder die Unver­wund­baren bejubelte. Seither muss Willis nunmehr an der Seele leiden und mit tränendem Dackel­blick seine Wunden-Nummer durch larmo­yante Dramen tragen.

»Big Arnie« aber hatte schon sehr früh begonnen, seine über­mensch­liche Physis auch als Kunstleib zu Markte zu tragen – er war der einzige dieser Action­helden-Trias, der sich schon immer im Fantasy- und Science Fiction-Genre zuhause fühlte, der mit Cyborgs, Aliens, Androiden, Klonen per Du war. Nur damit kam er dann nicht mehr zurecht, dass Hollywood spätes­tens mit The Matrix den komplett virtu­ellen Raum als Spiel­wiese entdeckte, und damit, dass man auch dort begann, die schwe­re­lose, ballett­hafte Ästhetik der Action zu entdecken, die das Hong Kong-Kino schon seit Jahr­zehnten zele­brierte. Immer alberner, altba­ckener und trost­loser wurden seine Leinwand-Auftritte zuletzt, bis sie in dem faschis­to­iden Dreck­s­tück Colla­teral Damage ihren vorläu­figen Tiefpunkt erreichten.
Der Termi­nator ist alles, was Schwar­ze­negger noch geblieben ist; ist seine unver­wüst­lichste Figur, aber eben zugleich ein Relikt. Schwar­ze­negger scheint das zu wissen – oder weit genug zu spüren, dass er den Filme­ma­chern von T3 nicht drein­re­dete, die das reali­siert haben. Er hat seine Muskeln noch einmal so aufge­pumpt, dass sie die vertraute Termi­nator-Silhou­ette über­zeu­gend ausfüllen – aber der Mann ist über 50, hat eine Herz­ope­ra­tion hinter sich, und dass er seinen Körper wieder in diese Form zwingen konnte, nimmt man durchaus als special effect wahr. Auch wenn die Kamera ihr Möglichstes tut, es zu verhin­dern: Es gibt immer wieder Augen­blicke, wo die Zeichen der Vergäng­lich­keit des realen Menschen, der hinter der unver­rott­baren Kunst­figur steckt, unüber­sehbar sind. Und über dem ganzen Film hängt die Aura eines letzten Gefechts, der Wieder­auf­er­ste­hung eines Totge­glaubten, der es einmal noch allen zeigt – aber nicht wirklich mit einer Wieder­ho­lung dieser Chance rechnet.

Schwar­ze­neggers Termi­nator schlägt in T3 eine Schlacht, die ausweg­loser scheint als einst der Kampf von Linda Hamilton gegen den Stahl­ske­lett-Killer im ersten Teil: Der Blechmann bekommt es mit Termi­nator-X (und nein, das ist wohl kein Public Enemy-Zitat) zu tun – die eine Termi­naTRIX ist. Hinter all der Androiden-Fassade ging es in den Termi­nator-Filmen schon immer um Geschlech­ter­kampf. Linda Hamilton war eine der ersten Action-Heldinnen, die genau­so­viel einste­cken und austeilen durfte wie ihre hoden­tra­genden Zunft­ge­nossen. (Unver­gessen, wie sie mit einer Hand eine Pumpgun durchlud.) Aber hinter diesem vermeint­lich eman­zi­pa­to­ri­schen Ansatz steckte dann – kämpfte die Dame doch gegen den offen­sicht­lich männ­li­chen Maschi­nen­men­schen – auch wieder das Bild vom weib­li­chen als dem »natür­li­cheren« Körper, verquickt mit der mari­en­haften Vorstel­lung der Gebärerin des wahren Erlösers.

In T3 ziehen die Frauen nicht nur gleich mit dem Ur-Termi­nator, die Androidin überholt ihn in allen Belangen: T-X (Kristanna Loken) sieht um Klassen besser aus, ist härter und wand­lungs­fähiger zugleich, ungleich unka­putt­barer, besser bewaffnet, skru­pel­loser und scheint dabei viel mehr spie­le­risch-pervese Freude an ihrer Arbeit zu haben.

Die Idee, dass mit dem Termi­nator hier auch ein gewisses Auslauf­mo­dell an Männ­er­bild um sein Überleben kämpft, zieht sich durch den ganzen Film. Während T-X, zwischen/als Schau­fens­ter­puppe geboren, mit ihrer anfäng­li­chen Nacktheit kein Problem zu haben scheint und es ihr genauso wenig Sorgen bereitet, dennoch schnell und ziel­strebig ein stil­si­cheres Outfit zu besorgen, hat T-101s Suche nach Kleidung etwas Hyste­risch-Lächer­li­ches: Ausge­rechnet in einen Männer­strip-Saloon­abend verschlägt es ihn, und ange­sichts der frene­ti­schen Damen­horde, die dort versam­melt ist, brennt sein internes Display ein Feuerwerk an verzwei­felten »Mismatch«-Meldung ab ob des »falschen« Geschlechts der ihn umge­benden poten­ti­ellen „Klei­dungs­spender“. Und als dann der erste Stripper, ausge­rechnet im klas­si­schen Schwarzes-Leder-Termi­nator-Outfit auftritt, wird Arnies »Gimme your clothes!«-Befehl als schwules Begehren fehl­in­ter­pre­tiert. Von dem ersten (von diversen) Sonnen­brillen-Fehlgriff in diesem Film ganz zu schweigen...

Der Kampf, in dem sich viel später T-101 und T-X am nächsten kommen, findet dann auch nicht zufällig in – oder besser: quer durch – einen Raum statt, in dem Geschlech­ter­dif­fe­renz zur Archi­tektur geworden ist und der allein den Herren und ihrem Bild ihrer selbst vorbe­halten sein sollte: Einem Männerklo. Alles, was da unsere abend­län­di­sche Konstruk­tion von »männ­li­chem« Bruns­ver­halten fest­schreiben und regu­lieren soll, von den sanitären Porzellan-Asse­coires bis zu den raum­auf­tei­lenden Wänden selbst, wird da aufs Aller­gründ­lichste pulve­ri­siert.

Und wie es Arnies Termi­nator schluss­end­lich doch gelingt, die T-X mundtot zu machen, das hat mehr als ein bisschen von einer symbo­li­schen Verge­wal­ti­gung und einem letzten Orgasmus, der eher »grand« als »petit mort« ist.

Dabei ist der Termi­nator in diesem Film nicht der einzige männliche Held in der Krise: John Connor, anfangs einge­führt als eine der »hands that build America«, aufer­standen aus Ruinen, ist wohl durchaus mit Absicht ein eher fader Depp als die messia­ni­sche Gestalt, die er nach etablierter Termi­nator-Mytho­logie sein müsste. Denn die Mensch­heit braucht ihn letzlich nicht als großen Kämpen, sondern bloß als Samen­spender.

John trägt schwer am Erbe seiner Mutter – und man kann es ihm nicht verdenken, so latent pervers sie durch diesen Film spukt. Der Termi­nator reisst ihren Sarg aus der Friedhofs-Kapellen-Nische, doch ihr Körper ist darin nicht zu finden, an seiner Statt liegt ein üppiger Waffen­vorrat – ob man das nun als Substi­tu­tion oder Trans­for­ma­tion deuten mag, es bleibt so oder so ein starkes, unbe­hag­li­ches Bild. Und dann darf aus dem selben Muttersarg kurz darauf Johns vom Schicksal ihm als Zukünf­tige Auser­ko­rene, die Tierärztin Kate (Claire Danes), symbo­li­sche Aufer­ste­hung feiern – kein Wunder, dass der Junge Komplexe hat.

Solche dicht gewebten Momente sind in einem Film wie diesem keine Selbst­ver­s­tänd­lich­keit. Man durfte als Realist eigent­lich nicht allzu große Erwar­tungen hegen für Termi­nator 3. Wenn ein Visionär und Auteur wie James Cameron sich von einer von ihm geschaf­fenen Filmserie verab­schiedet und das Feld den zuvör­derst auf Kasse bedachten Rech­te­inha­bern überlässt, dann ist das Ergebnis selten erquick­lich.

Nun kann man Cameron in einem Punkt Recht geben: Es war wohl wirklich nicht mehr möglich, der Figur des Termi­nator ein weiteres Mal einen ernst­haften Film abzu­ge­winnen; auch taugt sie wohl nicht mehr dazu, in unserer Zeit etwas ähnlich Prägendes zu schaffen, wie es die ersten beiden Teile zu ihrem Erscheinen darstellten.

Die große, glück­liche und gänzlich uner­war­tete Leistung von Termi­nator 3 aber ist, dies voll und ganz zu reali­sieren und über­ra­schend intel­li­gent damit umzugehen. Gewiss, Selbst­ironie ist letzten Endes immer eine im Grunde feige Lösung. Sie ist immer ein Einge­ständnis, dass man selbst nicht von sich glaubt, die Kraft zu haben für ein Werk, das in sich fraglos überzeugt, das keine poten­ti­elle Lächer­lich­keit kennt, die man durch das wissende Augen­zwin­kern voraus­ei­lend entschärfen müsste.
Aber bei einem Film, wo die viel wahr­schein­li­chere Alter­na­tive gewesen wäre, dass mit Bierernst eine unin­spi­rierte Collage von Versatz­stü­cken aus den Vorgänger abgespult worden wäre, ist ein so schlaues, munteres Spiel mit den etablierten Elementen durchaus eine Glanztat.

Dabei erweist sich Jonathan Mostow als ebenfalls uner­wartet inspi­rierte Besetzung für den Regie-Stuhl. Man tat ihm Unrecht, wenn man nur den wenig geglückten U-571 im Blick hatte – seine wahre Visi­ten­karte für diesen Job war sein wunder­hüb­scher Breakdown. Dort hatte er schon bestens bewiesen, dass er mit furiosem Rumms und Wumms Stahl auf Stahl krachen lassen kann. Und das tut er in T3 einmal mehr, aber jetzt im ganz großen Stil.

Termi­nator 3 ist – mehr noch sogar als Ang Lees fabel­hafte Hulk-Inter­pre­ta­tion – die perfekte Antithese zu The Matrix Reloaded. Schien der erste Matrix-Film noch vor wenigen Jahren absolut zukunfts­wei­send, so hat sich dessen Ansatz doch anschei­nend vorerst schon wieder überholt – ist seine SF-Vision veraltet, bevor sie richtig reifen konnte. Ausge­rechnet die Matrix-Fort­set­zung wirkt am altba­ckensten in einer Block­buster-Saison, die auf großer Front die Rückkehr des handfest Physi­schen ins Action-Kino feiert. Selbst Charlie’s Angels sind in ihrem zweiten Film geerdeter geworden, setzen in den Fights mehr auf boden­s­tän­dige Faust­ar­beit als auf’s Schweben.

Da schwur­belt unbewusst im Hinter­grund sicher das Platzen der »New Economy«-Blase mitsamt ihres virtu­ellen Reichtums hinein, und der Schock des »11. September«, der so gnadenlos gezeigt hat, wie anfällig alle Fantasien der Unver­wund­bar­keit doch noch immer sind für ganz und gar unvir­tu­elle LoTech-Attacken, wenn diese nur skru­pellos genug sind. Da mögen die Traum­bilder mit geprägt sein von der Erfahrung, dass eben der Krieg der Zukunft – und allemal der unserer Gegenwart – keines­wegs so körper- und schmutz­frei abläuft, wie es damals die US-Insze­nie­rung des Golf­kriegs, Episode I, zu sugge­rieren suchte.

Jeden­falls vertritt ausge­rechnet das Androiden-und-Killer­netz­werk-Spektakel Termi­nator 3 wie kein anderer Film dieses Sommers wieder die These, dass Action sich definiert durch die schnelle Bewegung von möglichst masse­rei­chen Objekten durch möglichst weiten, realen Raum sowie das maximal destruk­tive Zusam­men­treffen dieser Objekte unter­ein­ander und mit ihrer Umgebung. Wobei T3 behutsam ist wie lange kein Film mehr im Umgang mit Compu­ter­zei­chen­trick als Hilfs­mitttel zur Erzeugung seiner Illu­sionen. Da ist wieder ungleich mehr echte Hardware im Einsatz als derzeit leider handel­süb­lich, und das zahlt sich aus: Gerade in der bril­lanten Sequenz mit dem Kranwagen explo­diert und zerstiebt, platzt, trümmert, bröselt, verpufft, kracht und staubt, desin­te­griert und atomi­siert alles, was da an Gefährt und Gebäude im Weg steht, so schön und greifbar, wie seit dem Ende von Anto­nionis Zabriskie Point (dort freilich mit ganz anderem ideo­lo­gisch-ästhe­ti­schen Unterbau) nicht mehr oft das Wunder der Zers­tö­rung zele­briert wurde.

Bei aller Lust an hand­fester Action, bei aller Ironie: Zum Finale wechselt Termi­nator 3 die Gangart. Da wird er plötzlich fast melan­cho­lisch, wird ruhig und ernst. Und kümmert sich (auch wenn man da zugleich einen Bezug auf Kubricks Dr. Stran­gelove erkennen mag) um jene Science Fiction-Visionen, die sich nicht damit begnügen, sich nur in Büchern, Filmen auszu­drü­cken.

Der Film endet in einem Raum, der eine zu Archi­tektur gewordene, noch viel ältere, »uner­füllte« Zukunfts-Fantasie darstellt: Ein Komman­do­bunker für den Atomkrieg. Ein Wandbild feiert dort bunt und naiv das »Space Age« und seine Errun­gen­schaften – so stellte man sich in den späten 50'ern, frühen ‘60ern die Lebens­welt der künftigen Gene­ra­tionen vor, und das wirkt heute nicht minder antik und treudoof als vergleich­bare gepin­selte Propa­ganda-Schinken des »sozia­lis­ti­schen Realismus«. Lage, Konstruk­tion und Einrich­tung des Bunkers sind Projek­tionen zweier Erwar­tungen: Dass es mit ernst­zu­neh­mender Wahr­schein­lich­keit zu einem nuklearen Schlag­ab­tausch zwischen den damaligen verfein­deten Welt­mächten kommen könnte – und dass Ingeg­nieurs­wissen und Technik helfen würden, diesen zumindest für eine ausge­wählte Gruppe von Ameri­ka­nern über­lebbar (und viel­leicht sogar in irgend einem Sinne »gewinnbar«) zu machen.

Denn auch Politik ist in gewisser Hinsicht eine Science Fiction-Genre: Sie fürchtet und wünscht sich bestimmte Arten der Zukunft – aber anstatt sie nur zu schildern, unter­nimmt sie ganz konkrete Anstren­gungen, die Tendenzen der Gegenwart wirklich in die entspre­chenden Richtung zu leiten.

Unheim­lich und auch ein wenig vers­tö­rend wirkt in Termi­nator 3 der plötz­liche Einbruch einer solch »realen« Zukunfts­fan­tasie in das selbst­re­fe­ren­ti­elle Spiel. Geis­ter­haft wirkt dieser letzte Ort des Films – und das nicht mal so sehr, weil er seit Jahr­zehnten leer stand, er eine Ruine ist, der nicht die Bausub­stanz verfallen ist, sondern die ganze Welt drum herum, für die dieser Raum einst gedacht war. Nein, das Gruselige an diesem Relikt ist nicht, dass es die sich verän­dernden Zeiten überlebt hat, die ihm mehr und mehr seine Exis­tenz­be­rech­ti­gung erodieren ließen. Das wirklich Gruselige daran, wie Termi­nator 3 diesen Bunker insze­niert, ist die Idee, dass solche von den Zeit­läuften überholte Kammern des prophe­zeiten Schre­ckens nur lange genug im Verbor­genen warten müssen, bis sie eines Tages ihre Funktion doch noch erfüllen dürfen.

Eine psycho­lo­gisch knifflige Situation: John Connor, einziger Sohn der über­mensch­li­chen Sarah Connor, welche sich bereits 1984 erfolg­reich gegen den »Urter­mi­nator« durch­setzte und sich 1991 mit eben diesem zum Wohle der Mensch­heit verbün­dete, führt ein Leben am Rand der Gesell­schaft. Er, der in naher, post-apoka­lyp­ti­scher Zukunft Führer des Aufstandes gegen die Maschinen sein soll, scheint an genau dieser Vision zu zerbre­chen – das Dilemma einer ewigen Warte­schleife, deren Ende Schreck­li­ches bedeuten würde: nur auf einem riesigen, atomaren Friedhof kann Connor sein Potential entfalten und ein »Anführer«, ein »Heils­bringer« werden. Doch darauf scheint der VIP des Jüngsten Gerichts keine besondere Lust zu verspüren: sein Selbst­ver­trauen tendiert gen Null.

Da der T-1000 (Robert Patrick) seiner­zeit sein Missi­ons­ziel verfehlte und den jungen Connor nicht töten konnte, wurde ein Alter­nativ-Plan von SkyNet, dem Kern allen maschi­nellen Übels, ersonnen: der zukünf­tige militä­ri­sche Planungs­stab Connors soll elimi­niert werden. Um dies zu bewerk­stel­ligen wird ein neuer Typus von Termi­nator (T-X) in Form einer bild­schönen, jungen Frau (Kristanna Loken) in der Zeit zurück­ge­schickt. In Beverly Hills ange­kommen, nimmt T-X sofort ihr blutiges Handwerk auf. Doch auch das »Positiv-Futur« trifft Maßnahmen und so tritt erneut Arnold Schwar­ze­negger als T-850 auf den Plan: er soll Connor und dessen zukünf­tige Frau Kate (Claire Danes) beschützen. Natürlich ahnt Kate zu Beginn noch nichts von ihrem »Glück« und der »Fast-Forward«-Ehe. Doch nachdem ihr Verlobter einen unschönen Tod stirbt und Connor wohl eine gewisse Anziehung ausstrahlt, erfüllt sich die Prophe­zeiung.

In einem Wettlauf mit der Zeit, der Welt­un­ter­gang ist noch am selben Abend zu erwarten, lässt das Trio, stets verfolgt von T-X, nichts unver­sucht, um die Mach­tüber­nahme der Maschinen zu verhin­dern: der Showdown und das über­ra­schende Ende finden schluss­end­lich in einer militä­ri­schen Berg­fes­tung fernab jeglicher Zivi­li­sa­tion statt.

Es ist das Office Paket, der Internet Explorer, der Intel-Prozessor: der finale Blow Out durch wirt­schaft­li­chen Libe­ra­lismus und Globa­li­sie­rung. Außerdem wissen findige Film­kon­su­menten, dass geheime Militär­pro­jekte, besonders solche mit künst­li­cher Intel­li­genz, selten ein gutes Ende nehmen. 12 Jahre und 175 Mio.$ nach T2: Judgement Day bleibt ein fahler Nach­ge­schmack: Jonathan Mostow (U-571, Breakdown) versteht sein Handwerk. 100-Tonner verwüstet Straßenzug, Termi­na­toren gehen sich stylish an den Kragen etc. Doch nicht umsonst arbeiten Hand­werker oft nach Plan eines Künstlers: man spürt die Abwe­sen­heit eines James Cameron. Man erliegt der Versu­chung, aufzu­zählen, was hätte sein können, was hätte sein sollen.

Das viel­leicht größte Manko des Filmes besteht im völligen Verlust des bedroh­li­chen Untertons, welcher noch im Original-»tech-noir«-Termi­nator vorherrschte. So wirkt etwa die weibliche Termi­na­trix über weite Strecken wie eine verwöhnte Schulgöre, die nicht bekommt, was sie will. Zu keiner Zeit muss sich das Publikum um die beiden Jung­dar­steller sorgen, denn zu präsent bzw. umfassend ist der Schutz durch den T-850. Schwar­ze­negger selbst verkommt teilweise zu einer »Stop, oder meine Mammi schießt« – Karikatur, bisweilen zitiert sich der Film lustlos selbst (Motiv der Beklei­dungs­suche).Nick Stahl spielt einen indif­fe­renten John Connor, er wirkt harmlos bis lang­weilig. Auch mag ein nicht geringer Anteil des Publikums auf eine Verla­ge­rung des Haupt­themas des Filmes Richtung Action gehofft haben, der Unter­titel bleibt ange­sichts der gezeigten Ware eine Mogel­pa­ckung. Weder die Schlacht­felder der Gegenwart noch der Zukunft werden ausführ­lich ins Auge gefasst. Die wahre Rebellion findet ohne den Zuseher statt. Der sitzt nämlich sicher im Atom­bunker. Oder stellt der Unge­horsam des T-850 nach seiner Umpro­gram­mie­rung durch T-X die »wahre« Rebellion dar? Kurzum: der atomare Sonnen­un­ter­gang wird zum ästhe­ti­schen Faszi­nosum, der Nieder­gang der Mensch­heit zum Post­kar­ten­motiv.

Zwei­fels­ohne haben wir es mit unter­halt­samen 113 Minuten (leider ertönt erst im Abspann das knochen­tro­ckene termi­nator theme) zu tun, ein typischer Sommer Block Buster, dem man viel­leicht wohl­wol­lend einen melan­cho­li­schen Rückblick auf Action, »as it was defined in the 80s and early 90s« zuge­stehen möchte. Erwäh­nens­wert ist das kurze Gastspiel Earl Boens, der wieder einmal köstlich den Dr. Silberman gibt.

Eine Chance auf einen Neuanfang liefern lediglich die letzten zwei Minuten des Films: hätten sich zu diesem Zeitpunkt die Maschinen erhoben, hätte niemand Wider­stand geleistet.