USA 2003 · 109 min. · FSK: ab 16 Regie: Jonathan Mostow Drehbuch: James Cameron, Gale Anne Hurd Kamera: Don Burgess Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Nick Stahl, Claire Danes, Kristanna Loken u.a. |
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Rendezvous der Roboter |
Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. 1984 ist lang vorbei, fast 20 Jahre schon – verstrichen der symbolischer Stichtag für die Erfüllung von George Orwells distopischer Vision eines totalen Überwachungsstaat unter den Augen des Big Brother. Wie lustvoll und unbesorgt wir persönlichste Daten durchs Internet jagen, gegen ein paar Kaufhaus-Bonuspunkte eintauschen, wie perfide einst Big Brother als real existierendes TV-Gaudium sein würde, das freilich hätte Orwell sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht ausgemalt.
Science Fiction-Fantasien haben es so an sich, dass sie, weil so sehr aus ihrer Ära heraus geboren, ungeheur geringe Halbwertzeiten haben, sich von der Wirklichkeit rasend schnell auf unvorhergesehenste Weise überholen lassen. 1984 war das Geburtsjahr einer weiteren fiktiven Zukunft – der Terminator stapfte da zum ersten Mal über die Leinwand. Es war eine Zeit, in der mal wieder die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu verhandelt wurden, in der Cronenberg und Giger ihre Blütezeit hatten mit ihrer faszinierend-ekligen Erotik des Biomechanoiden. Eine Zeit, in der Kunde von den zaghaften Fortschritten in der Forschung an Künstlicher Intelligenz in die öffentliche Aufmerksamkeit geschwappt waren, einem Übles schwante, weil man den eigenen Wert als Mensch an eine Illusion der Gottgeschaffenheit hängte, man sich auf nicht-biologischem Substrat entwickelnde Formen von Bewusstsein nur als gefährliche Konkurrenz vorstellen wollte – nicht wissen könnend, dass das wahrhaft Böse dereinst die Gestalt von tanzenden Büroklammern annehmen würde. Es war eine Zeit, in der die Technisierung des Alltags eine Beschleunigungswelle erfuhr, man von Computernetzwerken gehört, aber noch keine Ahnung hatte, wie bequem sie wenige Jahre später großen Teilen der Bevölkerung die Beschaffung von Wixvorlagen machen würden.
Als Kind seiner Zeit hat sich auch der Terminator als Bild des bösen, nach Herrschaft strebenden Maschinen-Menschen schnell überholt. Schon in T-2: Judgement Day war der gute alte Elektronik-und-Mechanik-Androide auf die Seite des Guten gewechselt, war der Roboter unser Freund im Kampf gegen eine Gefahr, die viel weniger greifbar war als einen Film zuvor er selbst – den amorphen, semi-liquiden T-1000.
Und nun, nochmal zwölf Jahre später? Nachdem der 29. August 1997 auch schon längst der Vergangenheit angehört – der Tag, an dem angeblich das Skynet-Netzwerk die Apokalypse über die Menschheit bringen sollte? Nachdem mal wieder eine fiktionale Zukunft vom realen Kalender den »Abgelegt«-Stempel aufgedrückt bekommen hat?
»I am an obsolete design,« sagt der Terminator nun in T3: Ein Auslaufmodell, aus der selben Serie wie seine Vorgänger. (»Ai ähm en obsohlied
dieseihn,« klingt das, denn auch sein Sprachchip scheint auf steirisches Englisch programmiert.) Längst ist er nicht mehr das bedrohliche Monster aus seinem Leinwand-Debut, und auch nicht mehr der dunkle Held aus dessen Nachfolge-Film. Er ist ein Stück wohlbekannte Popkultur, das sofortigen, globalen Wiedererkennungswert hat, aber nur noch wenig inhärente aktuelle Relevanz.
Sein Körper, sein Äußeres in T3 ist es, der vom selben Band lief wie der seiner Ahnen, aber er teilt nicht deren Seele (nicht einmal die berühmten Taglines wie »I'll be back« enthält sein Programm): Ein kluger, ironisch-selbstreflexiver Schachzug des Films, das genau so zu inszenieren, zum Thema zu machen. Und wohl seine einzige Möglichkeit, seinen Hauptdarsteller auf intelligente Weise einzusetzen. Arnold Schwarzenegger ist der »last action hero«, der von den Großen Drei der 1980er noch übrig geblieben ist: Sylvester Stallone hatte es als ersten erwischt, ihn, der immer den Mythos des Naturkörpers darstellte, der Schweinehälften boxte und durch Dschungel wütete. In Rocky V durfte er noch einmal mit seinen ehrlich antrainierten Muskeln bestehen gegen einen quasi im Labor gezüchteten Sowjet-Boxer, aber schon da sauste bei ihm daheim zugleich ein Roboter als Butler herum; als Demolition Man durften sich dann noch einmal seine old school-Methoden in einer schönen, neuen Zukunftswelt bewähren, aber er passte da eben schon nur noch als Fremdkörper hinein.
Bruce Willis, der ewige Schmerzensmann in urbanen Kämpfen, hat ein bisschen länger durchgehalten, bis Amerika sich aus seinem Post-Reagan Masochismus herausgearbeitet hatte und sich nicht mehr im knappen Triumph des Prügelknaben wiedererkannte, sondern lieber wieder die Unverwundbaren bejubelte. Seither muss Willis nunmehr an der Seele leiden und mit tränendem Dackelblick seine Wunden-Nummer durch larmoyante Dramen tragen.
»Big Arnie« aber hatte schon sehr früh begonnen, seine übermenschliche Physis auch als Kunstleib zu Markte zu tragen – er war der einzige dieser Actionhelden-Trias, der sich schon immer im Fantasy- und Science Fiction-Genre zuhause fühlte, der mit Cyborgs, Aliens, Androiden, Klonen per Du war. Nur damit kam er dann nicht mehr zurecht, dass Hollywood spätestens mit The
Matrix den komplett virtuellen Raum als Spielwiese entdeckte, und damit, dass man auch dort begann, die schwerelose, balletthafte Ästhetik der Action zu entdecken, die das Hong Kong-Kino schon seit Jahrzehnten zelebrierte. Immer alberner, altbackener und trostloser wurden seine Leinwand-Auftritte zuletzt, bis sie in dem faschistoiden Dreckstück Collateral Damage ihren vorläufigen
Tiefpunkt erreichten.
Der Terminator ist alles, was Schwarzenegger noch geblieben ist; ist seine unverwüstlichste Figur, aber eben zugleich ein Relikt. Schwarzenegger scheint das zu wissen – oder weit genug zu spüren, dass er den Filmemachern von T3 nicht dreinredete, die das realisiert haben. Er hat seine Muskeln noch einmal so aufgepumpt, dass sie die vertraute Terminator-Silhouette überzeugend ausfüllen – aber der Mann ist über 50, hat eine Herzoperation
hinter sich, und dass er seinen Körper wieder in diese Form zwingen konnte, nimmt man durchaus als special effect wahr. Auch wenn die Kamera ihr Möglichstes tut, es zu verhindern: Es gibt immer wieder Augenblicke, wo die Zeichen der Vergänglichkeit des realen Menschen, der hinter der unverrottbaren Kunstfigur steckt, unübersehbar sind. Und über dem ganzen Film hängt die Aura eines letzten Gefechts, der Wiederauferstehung eines Totgeglaubten, der es einmal noch allen zeigt –
aber nicht wirklich mit einer Wiederholung dieser Chance rechnet.
Schwarzeneggers Terminator schlägt in T3 eine Schlacht, die auswegloser scheint als einst der Kampf von Linda Hamilton gegen den Stahlskelett-Killer im ersten Teil: Der Blechmann bekommt es mit Terminator-X (und nein, das ist wohl kein Public Enemy-Zitat) zu tun – die eine TerminaTRIX ist. Hinter all der Androiden-Fassade ging es in den Terminator-Filmen schon immer um Geschlechterkampf. Linda Hamilton war eine der ersten Action-Heldinnen, die genausoviel einstecken und austeilen durfte wie ihre hodentragenden Zunftgenossen. (Unvergessen, wie sie mit einer Hand eine Pumpgun durchlud.) Aber hinter diesem vermeintlich emanzipatorischen Ansatz steckte dann – kämpfte die Dame doch gegen den offensichtlich männlichen Maschinenmenschen – auch wieder das Bild vom weiblichen als dem »natürlicheren« Körper, verquickt mit der marienhaften Vorstellung der Gebärerin des wahren Erlösers.
In T3 ziehen die Frauen nicht nur gleich mit dem Ur-Terminator, die Androidin überholt ihn in allen Belangen: T-X (Kristanna Loken) sieht um Klassen besser aus, ist härter und wandlungsfähiger zugleich, ungleich unkaputtbarer, besser bewaffnet, skrupelloser und scheint dabei viel mehr spielerisch-pervese Freude an ihrer Arbeit zu haben.
Die Idee, dass mit dem Terminator hier auch ein gewisses Auslaufmodell an Männerbild um sein Überleben kämpft, zieht sich durch den ganzen Film. Während T-X, zwischen/als Schaufensterpuppe geboren, mit ihrer anfänglichen Nacktheit kein Problem zu haben scheint und es ihr genauso wenig Sorgen bereitet, dennoch schnell und zielstrebig ein stilsicheres Outfit zu besorgen, hat T-101s Suche nach Kleidung etwas Hysterisch-Lächerliches: Ausgerechnet in einen Männerstrip-Saloonabend verschlägt es ihn, und angesichts der frenetischen Damenhorde, die dort versammelt ist, brennt sein internes Display ein Feuerwerk an verzweifelten »Mismatch«-Meldung ab ob des »falschen« Geschlechts der ihn umgebenden potentiellen „Kleidungsspender“. Und als dann der erste Stripper, ausgerechnet im klassischen Schwarzes-Leder-Terminator-Outfit auftritt, wird Arnies »Gimme your clothes!«-Befehl als schwules Begehren fehlinterpretiert. Von dem ersten (von diversen) Sonnenbrillen-Fehlgriff in diesem Film ganz zu schweigen...
Der Kampf, in dem sich viel später T-101 und T-X am nächsten kommen, findet dann auch nicht zufällig in – oder besser: quer durch – einen Raum statt, in dem Geschlechterdifferenz zur Architektur geworden ist und der allein den Herren und ihrem Bild ihrer selbst vorbehalten sein sollte: Einem Männerklo. Alles, was da unsere abendländische Konstruktion von »männlichem« Brunsverhalten festschreiben und regulieren soll, von den sanitären Porzellan-Assecoires bis zu den raumaufteilenden Wänden selbst, wird da aufs Allergründlichste pulverisiert.
Und wie es Arnies Terminator schlussendlich doch gelingt, die T-X mundtot zu machen, das hat mehr als ein bisschen von einer symbolischen Vergewaltigung und einem letzten Orgasmus, der eher »grand« als »petit mort« ist.
Dabei ist der Terminator in diesem Film nicht der einzige männliche Held in der Krise: John Connor, anfangs eingeführt als eine der »hands that build America«, auferstanden aus Ruinen, ist wohl durchaus mit Absicht ein eher fader Depp als die messianische Gestalt, die er nach etablierter Terminator-Mythologie sein müsste. Denn die Menschheit braucht ihn letzlich nicht als großen Kämpen, sondern bloß als Samenspender.
John trägt schwer am Erbe seiner Mutter – und man kann es ihm nicht verdenken, so latent pervers sie durch diesen Film spukt. Der Terminator reisst ihren Sarg aus der Friedhofs-Kapellen-Nische, doch ihr Körper ist darin nicht zu finden, an seiner Statt liegt ein üppiger Waffenvorrat – ob man das nun als Substitution oder Transformation deuten mag, es bleibt so oder so ein starkes, unbehagliches Bild. Und dann darf aus dem selben Muttersarg kurz darauf Johns vom Schicksal ihm als Zukünftige Auserkorene, die Tierärztin Kate (Claire Danes), symbolische Auferstehung feiern – kein Wunder, dass der Junge Komplexe hat.
Solche dicht gewebten Momente sind in einem Film wie diesem keine Selbstverständlichkeit. Man durfte als Realist eigentlich nicht allzu große Erwartungen hegen für Terminator 3. Wenn ein Visionär und Auteur wie James Cameron sich von einer von ihm geschaffenen Filmserie verabschiedet und das Feld den zuvörderst auf Kasse bedachten Rechteinhabern überlässt, dann ist das Ergebnis selten erquicklich.
Nun kann man Cameron in einem Punkt Recht geben: Es war wohl wirklich nicht mehr möglich, der Figur des Terminator ein weiteres Mal einen ernsthaften Film abzugewinnen; auch taugt sie wohl nicht mehr dazu, in unserer Zeit etwas ähnlich Prägendes zu schaffen, wie es die ersten beiden Teile zu ihrem Erscheinen darstellten.
Die große, glückliche und gänzlich unerwartete Leistung von Terminator 3 aber ist, dies voll und ganz zu realisieren und überraschend intelligent damit umzugehen. Gewiss, Selbstironie ist letzten Endes immer eine im Grunde feige Lösung. Sie ist immer ein Eingeständnis, dass man selbst nicht von sich glaubt, die Kraft zu haben für ein Werk, das in sich fraglos überzeugt, das keine potentielle Lächerlichkeit kennt, die man durch das wissende
Augenzwinkern vorauseilend entschärfen müsste.
Aber bei einem Film, wo die viel wahrscheinlichere Alternative gewesen wäre, dass mit Bierernst eine uninspirierte Collage von Versatzstücken aus den Vorgänger abgespult worden wäre, ist ein so schlaues, munteres Spiel mit den etablierten Elementen durchaus eine Glanztat.
Dabei erweist sich Jonathan Mostow als ebenfalls unerwartet inspirierte Besetzung für den Regie-Stuhl. Man tat ihm Unrecht, wenn man nur den wenig geglückten U-571 im Blick hatte – seine wahre Visitenkarte für diesen Job war sein wunderhübscher Breakdown. Dort hatte er schon bestens bewiesen, dass er mit furiosem Rumms und Wumms Stahl auf Stahl krachen lassen kann. Und das tut er in T3 einmal mehr, aber jetzt im ganz großen Stil.
Terminator 3 ist – mehr noch sogar als Ang Lees fabelhafte Hulk-Interpretation – die perfekte Antithese zu The Matrix Reloaded. Schien der erste Matrix-Film noch vor wenigen Jahren absolut zukunftsweisend, so hat sich dessen Ansatz doch anscheinend vorerst schon wieder überholt – ist seine SF-Vision veraltet, bevor sie richtig reifen konnte. Ausgerechnet die Matrix-Fortsetzung wirkt am altbackensten in einer Blockbuster-Saison, die auf großer Front die Rückkehr des handfest Physischen ins Action-Kino feiert. Selbst Charlie’s Angels sind in ihrem zweiten Film geerdeter geworden, setzen in den Fights mehr auf bodenständige Faustarbeit als auf’s Schweben.
Da schwurbelt unbewusst im Hintergrund sicher das Platzen der »New Economy«-Blase mitsamt ihres virtuellen Reichtums hinein, und der Schock des »11. September«, der so gnadenlos gezeigt hat, wie anfällig alle Fantasien der Unverwundbarkeit doch noch immer sind für ganz und gar unvirtuelle LoTech-Attacken, wenn diese nur skrupellos genug sind. Da mögen die Traumbilder mit geprägt sein von der Erfahrung, dass eben der Krieg der Zukunft – und allemal der unserer Gegenwart – keineswegs so körper- und schmutzfrei abläuft, wie es damals die US-Inszenierung des Golfkriegs, Episode I, zu suggerieren suchte.
Jedenfalls vertritt ausgerechnet das Androiden-und-Killernetzwerk-Spektakel Terminator 3 wie kein anderer Film dieses Sommers wieder die These, dass Action sich definiert durch die schnelle Bewegung von möglichst massereichen Objekten durch möglichst weiten, realen Raum sowie das maximal destruktive Zusammentreffen dieser Objekte untereinander und mit ihrer Umgebung. Wobei T3 behutsam ist wie lange kein Film mehr im Umgang mit Computerzeichentrick als Hilfsmitttel zur Erzeugung seiner Illusionen. Da ist wieder ungleich mehr echte Hardware im Einsatz als derzeit leider handelsüblich, und das zahlt sich aus: Gerade in der brillanten Sequenz mit dem Kranwagen explodiert und zerstiebt, platzt, trümmert, bröselt, verpufft, kracht und staubt, desintegriert und atomisiert alles, was da an Gefährt und Gebäude im Weg steht, so schön und greifbar, wie seit dem Ende von Antonionis Zabriskie Point (dort freilich mit ganz anderem ideologisch-ästhetischen Unterbau) nicht mehr oft das Wunder der Zerstörung zelebriert wurde.
Bei aller Lust an handfester Action, bei aller Ironie: Zum Finale wechselt Terminator 3 die Gangart. Da wird er plötzlich fast melancholisch, wird ruhig und ernst. Und kümmert sich (auch wenn man da zugleich einen Bezug auf Kubricks Dr. Strangelove erkennen mag) um jene Science Fiction-Visionen, die sich nicht damit begnügen, sich nur in Büchern, Filmen auszudrücken.
Der Film endet in einem Raum, der eine zu Architektur gewordene, noch viel ältere, »unerfüllte« Zukunfts-Fantasie darstellt: Ein Kommandobunker für den Atomkrieg. Ein Wandbild feiert dort bunt und naiv das »Space Age« und seine Errungenschaften – so stellte man sich in den späten 50'ern, frühen ‘60ern die Lebenswelt der künftigen Generationen vor, und das wirkt heute nicht minder antik und treudoof als vergleichbare gepinselte Propaganda-Schinken des »sozialistischen Realismus«. Lage, Konstruktion und Einrichtung des Bunkers sind Projektionen zweier Erwartungen: Dass es mit ernstzunehmender Wahrscheinlichkeit zu einem nuklearen Schlagabtausch zwischen den damaligen verfeindeten Weltmächten kommen könnte – und dass Ingegnieurswissen und Technik helfen würden, diesen zumindest für eine ausgewählte Gruppe von Amerikanern überlebbar (und vielleicht sogar in irgend einem Sinne »gewinnbar«) zu machen.
Denn auch Politik ist in gewisser Hinsicht eine Science Fiction-Genre: Sie fürchtet und wünscht sich bestimmte Arten der Zukunft – aber anstatt sie nur zu schildern, unternimmt sie ganz konkrete Anstrengungen, die Tendenzen der Gegenwart wirklich in die entsprechenden Richtung zu leiten.
Unheimlich und auch ein wenig verstörend wirkt in Terminator 3 der plötzliche Einbruch einer solch »realen« Zukunftsfantasie in das selbstreferentielle Spiel. Geisterhaft wirkt dieser letzte Ort des Films – und das nicht mal so sehr, weil er seit Jahrzehnten leer stand, er eine Ruine ist, der nicht die Bausubstanz verfallen ist, sondern die ganze Welt drum herum, für die dieser Raum einst gedacht war. Nein, das Gruselige an diesem Relikt ist nicht, dass es die sich verändernden Zeiten überlebt hat, die ihm mehr und mehr seine Existenzberechtigung erodieren ließen. Das wirklich Gruselige daran, wie Terminator 3 diesen Bunker inszeniert, ist die Idee, dass solche von den Zeitläuften überholte Kammern des prophezeiten Schreckens nur lange genug im Verborgenen warten müssen, bis sie eines Tages ihre Funktion doch noch erfüllen dürfen.
Eine psychologisch knifflige Situation: John Connor, einziger Sohn der übermenschlichen Sarah Connor, welche sich bereits 1984 erfolgreich gegen den »Urterminator« durchsetzte und sich 1991 mit eben diesem zum Wohle der Menschheit verbündete, führt ein Leben am Rand der Gesellschaft. Er, der in naher, post-apokalyptischer Zukunft Führer des Aufstandes gegen die Maschinen sein soll, scheint an genau dieser Vision zu zerbrechen – das Dilemma einer ewigen Warteschleife, deren Ende Schreckliches bedeuten würde: nur auf einem riesigen, atomaren Friedhof kann Connor sein Potential entfalten und ein »Anführer«, ein »Heilsbringer« werden. Doch darauf scheint der VIP des Jüngsten Gerichts keine besondere Lust zu verspüren: sein Selbstvertrauen tendiert gen Null.
Da der T-1000 (Robert Patrick) seinerzeit sein Missionsziel verfehlte und den jungen Connor nicht töten konnte, wurde ein Alternativ-Plan von SkyNet, dem Kern allen maschinellen Übels, ersonnen: der zukünftige militärische Planungsstab Connors soll eliminiert werden. Um dies zu bewerkstelligen wird ein neuer Typus von Terminator (T-X) in Form einer bildschönen, jungen Frau (Kristanna Loken) in der Zeit zurückgeschickt. In Beverly Hills angekommen, nimmt T-X sofort ihr blutiges Handwerk auf. Doch auch das »Positiv-Futur« trifft Maßnahmen und so tritt erneut Arnold Schwarzenegger als T-850 auf den Plan: er soll Connor und dessen zukünftige Frau Kate (Claire Danes) beschützen. Natürlich ahnt Kate zu Beginn noch nichts von ihrem »Glück« und der »Fast-Forward«-Ehe. Doch nachdem ihr Verlobter einen unschönen Tod stirbt und Connor wohl eine gewisse Anziehung ausstrahlt, erfüllt sich die Prophezeiung.
In einem Wettlauf mit der Zeit, der Weltuntergang ist noch am selben Abend zu erwarten, lässt das Trio, stets verfolgt von T-X, nichts unversucht, um die Machtübernahme der Maschinen zu verhindern: der Showdown und das überraschende Ende finden schlussendlich in einer militärischen Bergfestung fernab jeglicher Zivilisation statt.
Es ist das Office Paket, der Internet Explorer, der Intel-Prozessor: der finale Blow Out durch wirtschaftlichen Liberalismus und Globalisierung. Außerdem wissen findige Filmkonsumenten, dass geheime Militärprojekte, besonders solche mit künstlicher Intelligenz, selten ein gutes Ende nehmen. 12 Jahre und 175 Mio.$ nach T2: Judgement Day bleibt ein fahler Nachgeschmack: Jonathan Mostow (U-571, Breakdown) versteht sein Handwerk. 100-Tonner verwüstet Straßenzug, Terminatoren gehen sich stylish an den Kragen etc. Doch nicht umsonst arbeiten Handwerker oft nach Plan eines Künstlers: man spürt die Abwesenheit eines James Cameron. Man erliegt der Versuchung, aufzuzählen, was hätte sein können, was hätte sein sollen.
Das vielleicht größte Manko des Filmes besteht im völligen Verlust des bedrohlichen Untertons, welcher noch im Original-»tech-noir«-Terminator vorherrschte. So wirkt etwa die weibliche Terminatrix über weite Strecken wie eine verwöhnte Schulgöre, die nicht bekommt, was sie will. Zu keiner Zeit muss sich das Publikum um die beiden Jungdarsteller sorgen, denn zu präsent bzw. umfassend ist der Schutz durch den T-850. Schwarzenegger selbst verkommt teilweise zu einer »Stop, oder meine Mammi schießt« – Karikatur, bisweilen zitiert sich der Film lustlos selbst (Motiv der Bekleidungssuche).Nick Stahl spielt einen indifferenten John Connor, er wirkt harmlos bis langweilig. Auch mag ein nicht geringer Anteil des Publikums auf eine Verlagerung des Hauptthemas des Filmes Richtung Action gehofft haben, der Untertitel bleibt angesichts der gezeigten Ware eine Mogelpackung. Weder die Schlachtfelder der Gegenwart noch der Zukunft werden ausführlich ins Auge gefasst. Die wahre Rebellion findet ohne den Zuseher statt. Der sitzt nämlich sicher im Atombunker. Oder stellt der Ungehorsam des T-850 nach seiner Umprogrammierung durch T-X die »wahre« Rebellion dar? Kurzum: der atomare Sonnenuntergang wird zum ästhetischen Faszinosum, der Niedergang der Menschheit zum Postkartenmotiv.
Zweifelsohne haben wir es mit unterhaltsamen 113 Minuten (leider ertönt erst im Abspann das knochentrockene terminator theme) zu tun, ein typischer Sommer Block Buster, dem man vielleicht wohlwollend einen melancholischen Rückblick auf Action, »as it was defined in the 80s and early 90s« zugestehen möchte. Erwähnenswert ist das kurze Gastspiel Earl Boens, der wieder einmal köstlich den Dr. Silberman gibt.
Eine Chance auf einen Neuanfang liefern lediglich die letzten zwei Minuten des Films: hätten sich zu diesem Zeitpunkt die Maschinen erhoben, hätte niemand Widerstand geleistet.