Statement der AG Filmfestival |
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Aufruf der AG Filmfestival zum Filmförderungsgesetz | ||
(Foto: AG Filmfestival) |
»Die AG Filmfestival steht – ihrem Prinzip nach mehr als offener Verbund, denn als hierarchisch organisierter Verband – für die große Vielfalt und die erfreuliche Vielstimmigkeit einer deutschen Filmfestivallandschaft. In ihren rund 120 Mitgliedsorganisationen und natürlich auch vielen anderen Filmfestivals manifestiert sich durch das tägliche Zusammenwirken verschiedenster Menschen ein einmalig plurales und sich immer auch wieder veränderndes Spektrum an Blickwinkeln auf die Kunst, den Film und die Welt, in der wir leben. Wir respektieren verschiedene Perspektiven, sind uns aber in unserer Haltung einig: Extremismen, Rassismus, Antisemitismus, Gewalt (auch in der Sprache) und diskriminierende Ressentiments gegenüber Bevölkerungsgruppen und Einzelnen gehören nicht auf die Festivals und nicht in unsere Gesellschaft. Das gilt für die, die sich mit uns beschäftigen oder uns besuchen, und auch für unser eigenes Wirken. Wir halten polarisierende Statements für wenig zielführend und verstehen unsere Aufgabe darin, Anlässe für einen konstruktiven Dialog zu schaffen, der Menschen zusammenbringt und bei dem sich auch zugehört wird. Wir lehnen es daher genauso strikt ab, wenn Festivals jetzt ins Kreuzfeuer nicht auf Verständigung zielender Anfeindungen geraten, insbesondere, wenn sich deren Macher*innen erklären und versuchen, Missverständnisse auch wieder auszuräumen.«
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Zum Hintergrund dieser Erklärung: Im Zuge des vergangene Woche hier veröffentlichten Offenen Briefs deutscher und deutschsprachiger Filmschaffender, sowie der kurz darauf öffentlich gewordenen Cancel-Attacken und Boykott-Aufrufe gegen die Kurzfilmtage Oberhausen haben wir uns gefragt, wie es eigentlich um die gegenseitige
Solidarität der Filmfestivals miteinander bestellt ist?
Warum gab es bislang keine öffentliche Unterstützung seitens einzelner Filmfestivals für die Kurzfilmtage?
Denn derartige Boykottaufrufe gefährden alle Filmfestivals und Kulturinstitutionen und damit die filmkulturelle Landschaft gemeinsam.
Jenseits der aktuellen Streitfragen um Antisemitismus und die Haltung gegenüber Israel können auch diverse andere politische, gesellschaftliche oder kulturelle Positionierungen oder die Auswahl bestimmter Filme und Programmpunkte die selbsternannten neuen Sittenwächter der internationalen Kulturcommunity triggern.
Der natürliche Akteur einer solchen Solidaritätsaktion der Festivals miteinander wäre in Deutschland die »AG Filmfestival«, bislang noch kein eingetragener Verein, sondern wie nachzulesen eher ein offener Verbund. Gleichwohl sind hier nahezu alle der wichtigen deutschen Filmfestivals beieinander. Wir haben daher die AG Filmfestival nach ihrer Position gefragt und die oben nachzulesende Antwort erhalten. Diese kann schon allein aufgrund der Kürze der Zeit, aber auch
inhaltlich nur eine erste Antwort sein, der weitere Antworten und inhaltliche wie politische Positionierungen folgen müssen.
Es liegt nahe, von den Filmfestivals zu erwarten, dass sie dafür Sorge tragen, dass solche haltlosen Boykott-Aufrufe nicht nur für die Betroffenen Folgen haben, sondern auch für die Initiatoren und Unterzeichner. Es liegt also nahe, jene, die sie durch Boykottaufrufe bedrohen, wiederum selbst auch die Konsequenzen ihrer Handlungen spüren zu
lassen.
Warum kann man nicht gemeinsam sagen: Wer ein deutsches Festival canceln möchte, der wird auf alle anderen deutschen Festivals umgekehrt auch nicht eingeladen – denn wir wollen gemeinschaftlich nicht von entsprechenden Aktionen profitieren?
Wir danken der AG Filmfestival sehr für die schnelle Reaktion und für die Erlaubnis, ihre Antwort hier exklusiv zu veröffentlichen.
Rüdiger Suchsland