03.04.2025
Cinema Moralia – Folge 348

Die Verschwörung der Idioten

Rote Sterne überm Feld
Rote Sterne überm Feld: Anlass zur Aufregung
(Foto: Amerikafilm)

Neuer Vorbehaltsfilm beim Festival Achtungsloses Berlin; Ressentiment; Martin Moszkowicz und neuer 'European Silverback Award' in Oldenburg – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 348. Folge

Von Rüdiger Suchsland

»Das Kino zielt also darauf ab, den innerlich aufge­wühlten Zeugen in einen bewussten Beob­achter umzu­wan­deln. Nichts könnte legitimer sein, als ein Mangel an Hemmungen bei der Darstel­lung von Vorgängen, die uns außer Fassung bringen. Denn so bewahrt es uns davor, unsere Augen vor dem blinden Treiben der Dinge zu schließen.«
Siegfried Kracauer

»Wir sind nur noch imstande, öffent­liche Darbie­tungen auf uns selbst und auf unsere vertrauten Reali­täten und Kate­go­rien zu beziehen. Alles, was unser Abstrak­ti­ons­ver­mögen verlangen würde, stört uns.«
Dominik Graf über »Zeichen für die wachsende Infan­ti­li­sie­rung«

Die Infan­ti­li­sie­rung der Gesell­schaft schreitet voran. Nehmen wir nur »#Söderisst«. Oder Bubble Tea Shops. Oder die neue Lust der Boomer, plötzlich nur noch »Young Adult«-Romane zu lesen, und Kidcore zu tragen, niedliche Gute-Laune-Mode. Die Autorin Carolin Emcke warnte schon 2016, dass »unter einem gemein­samen Europa, eine abge­stimmten europäi­schen Bildung nichts anderes verstanden wird als einheit­liche Infan­ti­li­sie­rung«. Regres­sion beherrscht unsere Gegenwart.

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Film­fes­ti­vals rücken als solche, als Insti­tu­tionen zunehmend in den Fokus der öffent­li­chen Aufmerk­sam­keit, das hat sich erst letzte Woche gezeigt. Daran sind sie selber mit schuld, denn sie sind eben nicht mehr nur eine harmlose passive Plattform, die einfach »schöne Filme zeigen« will, sondern sie sind Akteure im Filmleben, zum Teil sehr mächtige Akteure, und sie scheuen auch nicht davor zurück, selbst­be­wusst, mitunter von oben herab zu agieren, wenn auch finan­ziert mit öffent­li­chen Geldern. Fast immer aller­dings in eigener Sache – was wieder die Einsicht des Sozio­logen Niklas Luhmann bestätigt, dass Insti­tu­tionen zual­ler­erst an ihrer eigenen Selbst­er­hal­tung inter­es­siert sind.

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Das zeigt sich in dieser Woche auch beim soge­nannten »achtung berlin – new berlin film award«-Festival. Eigent­lich wollten wir es zur heutigen Eröffnung loben.
Denn zum ersten Mal seit langer Zeit hat das Festival einen Film im Programm, der tatsäch­lich über die sonst übliche Durch­schnitts­ware, die dort in der Regel so läuft, hinaus­geht: Den Gewinner des »Film­kritik-Preises« von Saar­brü­cken, Rote Sterne überm Feld von Laura Laabs. Ein heraus­ra­gender Film, zu dessen Auswahl man »Achtung Berlin« nur gratu­lieren möchte.

Doch gerade noch recht­zeitig zur heutigen Eröffnung schießen sich die Berliner beide Knie­scheiben weg mit einer Pres­se­er­klärung von absurder Dummheit und verach­tens­werter Haltungs­lo­sig­keit.

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Nach folgender Einlei­tung:
»@keinrammstein_berlin @keineshowfuertheater_berlin und @nico.dinkel.schau­spieler einen offenen Brief an uns adres­siert. Anlass war, dass der Film 'Rote Sterne überm Feld' beim dies­jäh­rigen Festival in der Kategorie 'Bester Spielfilm' nominiert ist, obwohl Till Lindemann darin eine kleine Rolle hat.
Mit diesem Posting beziehen wir dazu Stellung und entschul­digen uns bei allen Betrof­fenen.«
heißt es:

»Statement zur Kritik am Film 'Rote Sterne überm Feld'aufgrund der Rollen­be­set­zung von Till Lindemann. Wir haben den Film ausge­sucht, weil er auf eine besondere und einzig­ar­tige Weise histo­ri­sche Themen der letzten 100 Jahre in die Gegenwart trägt. Wir schätzen ihn für die kontro­verse Darstel­lung deutscher Geschichte und für seine künst­le­ri­sche Hand­schrift.
Der Tatsache, dass Till Lindemann einen kurzen Auftritt hat, haben wir hinter dem künst­le­ri­schen Werk nicht genug Bedeutung beigemessen. Uns war nicht bewusst, dass dies Menschen verletzen könnte, das kann als blinder Fleck empfunden werden.
Dieser ist – ohne uns recht­fer­tigen zu wollen – ein Abbild dessen, was in unserer Gesell­schaft herrscht: Wir nehmen die Kritik sehr ernst und möchten ein Zeichen für offenen Austausch und Dialog setzen, sowie einen sicheren Raum zur Diskus­sion patri­ar­chaler Gewalt bieten.
Deshalb werden wir den Film mit entspre­chender Anmo­de­ra­tion und anschließenden Q&A mit Experten und den Film­schaf­fenden zeigen.«

Was für eine stam­melnde, schlecht formu­lierte Erklärung. Nicht erklärt wird, wofür sich das Festival eigent­lich entschul­digt, denn was hat das Festival falsch gemacht? Dass es den Film ausge­wählt hat, ja wohl kaum.

Aber weil der anonyme (!) woke Mob wegen Lindemann tobt, entschul­digt sich das Festival für irgend­etwas Diffuses, und der Film wird nur noch wie ein Vorbe­halts­film aus der Nazizeit gezeigt.

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Worum geht es überhaupt? Till Lindemann hat in dem Film einen kurzen Auftritt von nicht einmal zwei Minuten Filmlänge. Er hat diesen Auftritt in der Rolle des Erlkönigs, einer mytho­lo­gi­schen Figur, die in Ramm­steins Musik eine Rolle spielt, natürlich auch als Reprä­sen­tant der einzigen wirklich weltweit erfolg­rei­chen ostdeut­schen Musik­gruppe. Um den Osten vor allem geht es in diesem Film.

Der Film wurde vor dem soge­nannten »Rammstein Skandal« gedreht, man kann der Regis­seurin also auch nicht vorwerfen, hier einen Skandal ausge­nutzt zu haben.

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Dies ist vor allem der Offen­ba­rungseid eines Film­fes­ti­vals: Ästhetik-Moral-Umkehr. Man schätzt beim Festival »achtung berlin« zwar angeblich »künst­le­ri­sche Hand­schrift« und »künst­le­ri­sches Werk«, aber ein Kurz­auf­tritt, der ein paar Trottel »verletzen könnte«, soll plötzlich wichtiger sein als alle Kunst. Damit schadet »achtung berlin« der Filmkunst und allen Filmen, die dort laufen. Das Festival bläst das Ressen­ti­ment einiger margi­naler Queru­lanten auf, und bietet diesem mit seinen über 10.000 Followern ein Forum.

Von solchem Verhalten und dem Einkni­cken vor dem digitalen Mob fühle wiederum ich mich in meinem Geschmack und meiner ästhe­ti­schen Sensi­bi­lität verletzt.

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Mit keinem Wort geht das Festival darauf ein, dass auch die Filme­ma­cher und alle Betei­ligten und die Kunst als solche gegen derartige Anwürfe und Kampagnen zu schützen sind – Schämt Euch, »achtung berlin«!!

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Die lang­jäh­rige Saar­brü­cken-Mitar­bei­terin Marisa Winter schreibt dazu treffend: »Kein Festival der Welt sollte sich dafür entschul­digen müssen, diesen Film zu zeigen oder ihn gar canceln, nur weil kunst­feind­liche, spießige, akti­vis­ti­sche Wich­tig­tuer mit zu viel Zeit und zu wenig Verstand das so fordern.«

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In dem öffent­li­chen Statement der Ankläger, das ich hier nicht verlinken will, wird Till Lindemann als »Täter« bezeichnet.
Ich hoffe, dass die Verant­wort­li­chen »@keinrammstein_berlin @keineshowfuertheater_berlin @nico.dinkel.schau­spieler« alsbald von Linde­manns Kanzlei Scherz Bergmann eine einst­wei­lige Verfügung und Abmahnung zur Unter­las­sung falscher Tatsa­chen­be­haup­tungen mit Straf­an­dro­hung wegen Rufmords erhalten.
Denn alle entspre­chenden Verfahren gegen Lindemann wurden einge­stellt. Medien wurden für ihre Bericht­erstat­tung gerügt.
Es darf daher in diesem Zusam­men­hang auch nicht mehr von »mutmaß­lich« gespro­chen werden. Dass man es dennoch tut, zeugt von fehlender Fairness, regre­diertem Rechts­ver­s­tändnis und nicht­vor­han­denem Anstand.

Heribert Prantl hat das gut begründet.

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Besonders infam ist, dass der Kampf für den Femi­nismus hier darin besteht, die Arbeit einer Frau zu torpe­dieren.

Berlin, wir haben es schon oft gesagt, ist eine sehr sehr spezielle Stadt. Und ein bisschen empfindet man so etwas, wie sagen wir es, klamm­heim­liche Freude, dass jetzt auch mal ein anderes Festival aus anderen Gründen mit Shit­s­torms und Boykott­an­dro­hungen bedroht ist. Diesmal geht es auch ausnahms­weise nicht um Anti­se­mi­tismus.

Besonders einzelne tun sich in dieser Kampagne hervor: Fehlendes schau­spie­le­ri­sches Können und eine wich­tig­tue­ri­sche psychi­sche Konstel­la­tion paaren sich zum Ressen­ti­ment gegen einen Film Dritter. Es ist das Para­de­bei­spiel, wo ein Nichts­könner Energie daraus zieht, dass er versucht, etwas anderes, gelun­genes zu zerstören – Walter Benjamin hat über diese psychi­sche Konsti­tu­tion in seinem Aufsatz über den »destruk­tiven Charakter« alles Notwen­dige gesagt.

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Laura Laabs und ihre Produ­zenten Maxi­mi­lian Hasl­berger und Balthasar Busmann (Ameri­ka­film) reagieren mit einer Erklärung:

»Liebe Betreiber der Accounts ›Keine Show für Täter‹ und ›Kein Rammstein in Berlin‹, Eure Einwände haben uns erreicht und auch nicht voll­kommen über­rascht. Natürlich haben wir diese und ähnliche Bedenken in einem mona­te­langen Prozess während der Fertig­stel­lung des Films immer wieder aufge­worfen und abgewogen. Ihr sprecht nicht nur berech­tigte Bedenken an, sondern uns teilweise aus dem Herzen. Dennoch gibt es auch Gründe dafür, dass der Film am Ende eben diese, nun veröf­fent­lichte, Form gefunden hat – und auch diese haben ihre Berech­ti­gung. Umso mehr lohnt es sich, in eine Diskus­sion unter Berück­sich­ti­gung beider Seiten einzu­treten.
Voraus­set­zung dafür wäre aller­dings, den Film, der hier als ›proble­ma­tisch‹ und zu ›verur­teilen‹ gebrand­markt wird, auch tatsäch­lich gesehen zu haben. Wir können nicht für eine Stell­ver­treter-Debatte für syste­mi­sche gesell­schaft­liche Ungleich­heit im Allge­meinen herhalten, wohl aber für eine Debatte über unseren konkreten Film und die mit ihm verbun­denen künst­le­ri­schen Entschei­dungen. Dies tun wir im Übrigen bei jedem Film­ge­spräch und wir haben auch bei jedem voran­ge­gangen die Besetzung Till Linde­manns offen disku­tiert.
Gern möchten wir und das Festival Euch dazu einladen, dies auch im Rahmen von Achtung Berlin zu tun. Schaut Euch den Film gern am Sonntag den 6.4. um 17 Uhr mit uns gemeinsam im Babylon an (wir stellen bei Bedarf ein Frei­kar­ten­kon­tin­gent zu Verfügung) und begleitet uns anschließend zu einem Film­ge­spräch. Hier wird es Raum geben, um alle Seiten sachlich zu hören und auch darü­ber­hin­aus­ge­hende Fragen zum Film aufzu­werfen. Viel­leicht ließe sich daraus eher ein, wie ihr vorschlagt, ›positiver‹ Denk-, ja viel­leicht sogar Hand­lungs­an­stoß gewinnen, als durch eine an Kollegen verschickte Ansamm­lung von Drohungen. Ein direktes Gespräch könnte auch den Bias der Anony­mität auflösen und beide Seiten hätten Menschen vor sich, womöglich gar mit legitimen Anliegen.«

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Ich finde das persön­lich zwar sympa­thisch, aber zu soft. So lassen sich Feinde der Meinungs­frei­heit, so lässt sich der Links­fa­schismus der Iden­ti­täts­po­litik nicht bekämpfen.
Ich würde den Film ja anstelle der Produk­tion zurück­ziehen und eine Presse-Erklärung heraus­geben, dass der Film leider nicht mehr auf dem Festival laufen kann, da ja die Festi­val­lei­tung mit ihrem Post ganz klar die Forderung einer kleinen Gruppe von Spinnern unter­s­tützt und den Film im Sinne der Kunst­frei­heit nicht schützt. Auch die Pflicht als Behand­lung als »Vorbe­halts­film« macht das Framing deutlich, das auch die Gefahr birgt, dass die Akti­visten die Vorfüh­rung stören werden und aus Gründen der Unver­sehrt­heit des Teams, was das Festival nicht garan­tieren kann oder will, muss man den Film aus dem Festival zurück­ziehen, was ein Armuts­zeugnis für die Freiheit der Kunst in Deutsch­land ist.

Das würde nebenbei auch dazu führen, dass dann auf jeden Fall jeder diesen Film sehen will und die Kinos zum Start erst mal voll wären und man das Geld der Karten fürs Festival nicht denen in den Rachen schiebt.

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Als einst James Tobacks Meis­ter­werk mit Sienna Miller in Oldenburg lief, gab es den ähnlichen Shitstorm. Das Festival ließ ihn einfach abprallen. Die Scree­nings waren dann aber sehr gut und total ruhig.

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Vor Jahren schon hat der fran­zö­si­sche Philosoph Bernard Stiegler (»Die Logik der Sorge«) beschrieben, dass wir gerade in einer Gesell­schaft leben, in der die »Psychomächte« die Aufmerk­sam­keits­po­ten­tiale der Menschen kana­li­sieren und vernichten. Immer mehr Menschen werden damit nicht mehr zu tatsäch­li­cher, der (Selbst-)Aufklärung verpflich­teter Bildung fähig.
Das kümmert sie selbst wenig, sondern vor allem die Anderen. Zum Problem wird es, wenn die Insti­tu­tionen vor diesen Idioten einkni­cken – was leider zunehmend geschieht.

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Warum steht so etwas nicht in der »Süddeut­schen«? Oder einer anderen Münchner Zeitung? Das war meine aller­erste Reaktion, als ich das bemer­kens­werte Interview entdeckte, das der Münchner Film­pro­du­zent und lang­jäh­rige Constantin-Chef Martin Mosz­ko­wicz jetzt der NZZ gegeben hat. Hat ihn keiner fragen wollen? Hat keiner daran gedacht?

Bemer­kens­wert ist das Interview (das ohne Bezahl­schranke frei zugäng­lich ist) aus vielen Gründen.
Da sind die tiefen bitteren Wahr­heiten, die sich in Sätzen finden wie: »Täter­filme sind immer erfolg­rei­cher als Opfer­filme. Wenn man von Ausnahmen wie 'Schindler’s List' absieht, sind die meisten Filme, die sich mit den Opfern beschäf­tigen, kommer­ziell irrele­vant.«
Oder in diesem: »Es ist schwer geworden, über Israel ein vernünf­tiges Gespräch zu führen. Ich bekomme immer wieder ekelhafte Schreiben. ... Die Leute haben keine Hemmungen mehr, ihren Hass öffent­lich und direkt zu äußern ohne Angst vor Straf­ver­fol­gung. In den Diskus­sionen hört man immer wieder: Man dürfte dies nicht mehr sagen, jenes nicht mehr sagen. Dabei wird alles gesagt. Israel wird unun­ter­bro­chen kriti­siert.«
Oder seine Anmer­kungen zum Israel-Hass auf der Berlinale 2023 und zu Tilda Swinton: »Darum bin ich dieses Jahr auch nicht zur Eröffnung gegangen. Ich halte die Auszeich­nung von Tilda Swinton für extrem unge­schickt. Die Kunst ist frei, und Künstler sollen auch seltsame Posi­tionen haben dürfen. Warum man aber jemanden, der bekann­ter­massen erklärte BDS-Unter­s­tüt­zerin ist, in der momen­tanen Weltlage in den Vorder­grund stellen muss, hat sich mir nicht erschlossen.«

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Da sind tolle, nach­den­kens­werte Über­le­gungen, zum Beispiel über Jonathan Glazers The Zone of Interest: »Glazers Film finde ich, von seinen formalen Gekonnt­heiten abgesehen, frag­würdig: wie er mit dem Holocaust umgeht und die Juden nur auf der Tonspur vorkommen«
Da ist die Wut über die Leicht­fer­tig­keit der heutigen Deutschen, vor allem der Berliner, Täter-Opfer-Narrative umzu­drehen.
Da ist Mosz­ko­viczs Distanz gegenüber Oliver Hirsch­bie­gels Der Untergang: »Ein Film über das Ende des 'Dritten Reiches', in dem das Thema Holocaust und Juden­ver­nich­tung nicht vorkommt? Ich fand das falsch. Aber wahr­schein­lich hatte Bernd Eichinger recht, der Film war ein riesiger Erfolg in der ganzen Welt. ... Seine Position war: 'Nein, das muss so sein, weil das ein Film über die Täter ist.'«
Und da sind die schlichten Einsichten in die Wirk­lickeit des Filme­ma­chens, der sich andere oft versagen, vor allem aus Bequem­lich­keit: »Klar ist: Damit man Filme wie 'September 5' machen kann, braucht es auch die großen kommer­zi­ellen Erfolge wie 'Fack ju Göhte' und 'Resident Evil'.«

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Martin Mosz­ko­wicz spricht über seine Familie und über Steven Spielberg. Ein letztes zentrales Thema ist aber die Frage, warum es in Deutsch­land so selten gelingt, kommer­ziell erfolg­reiche Filme zu machen, die weltweit eine Relevanz haben.

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Das »Inter­na­tio­nale Filmfest Oldenburg« hat einen neuen Filmpreis ins Leben gerufen, einen längst über­fäl­ligen »Filmpreis für alte weiße Männer«. In der Pres­se­mit­tei­lung vom 1. April heißt es:
»In der Tradition, mit der sich das Filmfest von Anbeginn margi­na­li­sierten Bereichen des Kinos ange­nommen hat, wird mit dem 'European Silver­back Award' ein neuer Preis ins Leben gerufen.«

Seit den Anfängen des Festivals in den 90er Jahren hat sich Oldenburg immer den Rand­be­rei­chen der Filmkunst gewidmet, und Filme­ma­cher und Filme in den Fokus gestellt, die sich nicht leicht in vorhan­dene Narrative einordnen lassen und oftmals ein Gegen­ent­wurf zum gängigen Main­stream darstellen.
Festi­val­di­rektor Torsten Neumann erklärte: 'Wir lieben es, neue Stimmen zu entdecken, wissen aber auch, wie wichtig es ist, dieje­nigen zu ehren, die schon länger am Ball sind. Der European Silver­back ist ein Preis für Filme­ma­cher, die allen Stürmen der Film­in­dus­trie stand­ge­halten und ihren kreativen Geist bewahrt haben. In einer Zeit, in der 'alte weiße Männer' bisweilen negativ konno­tiert werden, möchten wir sagen: Erfahrung, Charakter und Dominanz zählen.
Die Tür zum margi­na­li­sierten Kino offen zu halten, ist seit jeher eine bedeu­tende Aufgabe des Festivals, um die Förderung der Filmkunst mit einer gebotenen Viel­stim­mig­keit zu erhalten. So wurden in den Anfangs­jahren Filme­ma­che­rinnen wie Nancy Savoca, Katt Shea oder Icíar Bollaín mit Tributes geehrt, das Genrekino hat in Oldenburg schon früh die Verbin­dung zum Arthouse herstellen können und große Kino­außen­seiter und Provo­ka­teure wie Ken Russell, Andrzej Zulawski, Bruce Robinson, oder Phillippe Mora wurden in Oldenburg geehrt.
Der Preis wird für den besten Film eines erfah­renen europäi­schen Filme­ma­chers vergeben. Es werden nur Filme nominiert, die mindes­tens der dritte lange Spielfilm eines Regis­seurs sind. Die Nomi­nie­rungen werden sekti­ons­ü­ber­grei­fend auf die vom Festival ausge­wählten Filme vergeben, die diese Kriterien erfüllen.

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»In der Welt des von panischen Schrecken ergrif­fenen Menschen wird Gelächter zur Grimasse, schil­lernde Konfusion zur angst­vollen Erstar­rung.«
Siegfried Kracauer

(to be continued)