USA 2008 · 101 min. · FSK: ab 16 Regie: Gregory Hoblit Drehbuch: Robert Fyvolent, Mark R. Brinker, Allison Burnett Kamera: Anastas Michos Darsteller: Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke, Joseph Cross, Mary Beth Hurt u.a. |
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Über alle Zweifel erhaben: Diane Lane |
Auch wenn es keinen weiteren Grund gäbe, sich Untraceable, den neuen Film des überaus durchschnittlichen Regisseurs Gregory Hoblit (Frequency, Zwielicht) anzusehen, dann wäre dieser eine Grund genug: Diane Lane. Anfang der 80er Jahre wurde sie als strahlendes junges Mädchen in nacheinander gleich drei Filmen Francis Ford Coppolas (Outsiders, Rumble Fish, Cotton Club) zum Jungstar des US-Films. Dann ging es aber nicht wirklich weiter, sie passte offenbar in ihrem herben, selbstbewussten Charme nicht recht zu den Frauentypen der 80er Jahre, zwischen die schnuckeligen Meg Ryans und die muskulösen Jamie Lee Curtis und dann war da ja noch Michelle Pfeiffer. Mitte der 90er waren dann – Juliette Lewis, Cameron Diaz – wieder andere und jüngere Frauentypen angesagt, Lane heiratete, bekam ein Kind, ließ sich scheiden – was man so macht, wenn man genug Geld und nicht genug Besseres zu tun hat. Zuletzt war es ziemlich still um sie, und Diane Lane spielte nur gelegentlich in Filmen mit – etwa als etwas zu perfekte allamerikanische Frau von George Clooney, die in Perfect Storm mit Ansage zur Witwe wird, als ungetreue Ehefrau von Richard Gere in Unfaithful, oder als verwöhnte Gattin eines Filmtycoons in Hollywoodland. In Untraceable spielt Lane zur Abwechslung keine Ehefrau »an seiner Seite«, sondern endlich einmal eine ihren Fähigkeiten angemessene Hauptrolle – und sie meistert den Part bravourös, ist zu allen Zeiten das Herz dieses Films.
Lane spielt Jennifer Marsh, eine FBI-Agentin aus Portland/Oregon, die der Abteilung vorsteht, die auf cyber crimes, auf Internetkriminalität spezialisiert ist. Auf einen anonymen Hinweis hin entdeckt Marsh eine Website, auf der live zu sehen ist, wie eine Katze grausam zu Tode gequält wird. Bald werden auch Menschen zu Opfern, und Marsh steht im Zentrum eines üblen Katz-und-Maus-Spiels, das ein psychopathischer Killer mit der Polizei und irgendwann ihr persönlich treibt.
Untraceable ist im Prinzip ein recht typischer jener Serienmörder-Filme, wie sie spätestens seit Fritz Langs M ein eigenes Kinogenre bilden, regelmäßig Konjunktur und in ihren Details überaus viel über die jeweilige Gegenwart verraten. Nicht weniger als der Täter steht auch diesmal der Ermittler im Zentrum, und wie in Silence Of The Lambs ist es eine Frau, die als Verkörperung des – brüchigen, ambivalenten – Guten dem – männlichen – Bösen konfrontiert wird. Tatsächlich muss man Jennifer Marsh als eine 15 Jahre älter gewordene Clarice Starling: Sie hat ihre eigenen Abgründe, die durch diesen Fall auch freigelegt werden. Das ist das eine, was diesen Film sehenswert macht und über den Durchschnitt hinaushebt.
Interessant ist
auch, wie Untraceable in die klassische Story die neuen technischen Möglichkeiten des Cyberspace hineinwebt: Denn zumindest vom Ansatz her will Untraceable mehr sein, als ein bloßer Thriller: Der Film versteht sich auch als Anklage des Voyeurismus der breiten Massen und der neuen, mit dem Internet verbundenen technischen Möglichkeiten. Man muss zugeben, dass der Film einseitig pessimistisch ist in seinem Menschenbild, das dem
Menschen nichts und wenn, dann nur das Schlechteste zutraut. Man könnte allerdings Untraceable als erzreaktionäre Propaganda mit den Mitteln des Unterhaltungskinos ansehen. Denn der Film enthält haufenweise Argumente gegen die Freizügigkeit unserer Kommunikation, für Überwachungsstaat und Kontrollgesellschaft, dafür, die Freiheit des Einzelnen einzuschränken. Denn zumindest in amerikanischen Kinofilmen nutzen allzu viele diese Freiheit für
verbrecherische Zwecke. Überdurchschnittlich schließlich muss man auch die Grausamkeit und die Rohheit der Gewaltdarstellung dieses Films nennen.
So bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Vieles an Untraceable gefällt, er ist gut gemachte, spannende Unterhaltung. Doch ein wenig wird man den Verdacht nicht los, der Film bediene jene niederen Instinkte, die er vorgibt, anzuklagen. Nur Diane Lane ist über alle Zweifel erhaben.