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interview

verändert euch!
yoko ono
@ artechock

anläßlich der ausstellung 'have you seen the horizon lately' in der vills stuck

 

Immer noch ist Yoko Ono hierzulande vor allem durch ihre Ehe mit John Lennon bekannt. Zu Unrecht. Denn die 1933 geborene Avantgarde-Künstlerin trat schon in den fünfziger Jahren mit eigenen künstlerischen Arbeiten hervor. Unter dem Titel-Motto "Have you seen the horizon lately" wurde am 17.Juni in der Münchner Villa Stuck eine umfassende Werkschau eröffnet, die Arbeiten Yoko Onos aus den letzten vier Jahrzehnten zeigt.

Seit langem sind sie als Künstlerin tätig. Die jetzige Retrospektive zieht eine Art Resumée der vergangenen Jahrzehnte. Was verbindet dieses vielfältige Werk ? Gibt da überhaupt eine Kontinuität?

Ich habe keine Ahnung. Die Kontinuität bin ich selbst.

Liegt eine Gemeinsamkeit vielleicht in einer bestimmten Erlebnisweise, die dem Betrachter abverlangt wird ? Viele ihrer Bilder enthalten "Instructions", also eine Art Gebrauchsanweisung für das Publikum.

Nun, wenn sie heute als Künstlerin arbeiten, dann sind sie gezwungen, sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, daß bei jedem Kunstwerk seine Ewigkeit mitgedacht wird. Wenn nicht zufällig das Museum abbrennt –was natürlich passieren kann, aber das ist unwahrscheinlich- dann bleibt es so, wie es jetzt aussieht, unveränderlich für immer. Ich wollte im Gegensatz dazu Wandel und Veränderung zu einem Teil meiner Bilder machen und durch Einbeziehung der Zeit eine vierte Dimension integrieren, sie zu einem Teil meiner Bilder machen. Und dadurch dem Publikum sagen: Verändert Euch ! Durch die "Instructions" kann man nun nicht nur eine vierte, sondern eine fünfte oder sechste Dimension in das Bild selbst einfügen. Solche Instruktionen können viele Male wiederholt werden. Das ist wie bei einem Musikstück, das man immer wieder übt. Aber viele Menschen wollen nicht verändert werden.

Nicht alle ihre Werke provozieren noch wie einst. In der Ausstellung sind Bilder mit nackten Hinterteilen zu sehen; das mag früher für einen Skandal gesorgt haben, aber heute regt es niemanden mehr auf...

Manchmal schon, denken sie an die Photographien von Mapplethorpe, die erst vor zwei Jahren in Cleveland boykottiert wurden. Nacktheit transportiert immer eine bestimmte, tabubrechende Botschaft. Aber natürlich: Wenn ein Künstler über 10 Jahre lang Pianos zertrümmert wird diese Tat ein Klischee. Wenn man eine Revolution zehn Mal wiederholt, ist sie keine mehr.
Was ich in den 50ern und 60ern gemacht habe, halte ich nach wie vor für revolutionär. Viele Künstler lassen sich gerade heute wieder von der Erinnerung an die Revolution der Sixties inspirieren.
Man kann aus jeder Situation Dinge schaffen. Wenn junge Künstler heute klagen, es gäbe zuviel Hektik, und zu wenig Zeit zum Nachdenken, und kein Geld, dann entgegne ich ihnen: jede Situation ist positiv, man muß sie nur für sich zu nutzen wissen.
Klar, die Zeiten haben sich inzwischen verändert, aber was sollte schlecht daran sein ?
Bestimmte Kunstwerke wandeln sich ja auch. Denken Sie an antike Statuen. Wir mögen sie so weiß und klar, wie sie heute aussehen, aber zugleich wissen wir, daß sie früher mit grellen Farben bemalt waren.

Sie galten einmal als feministische Aktivistin. Davon ist in den 90er Jahren nichts mehr zu hören. Andererseits gibt es in der Ausstellung ein Bild von Ihnen, daß nach Nora benannt ist, einer literarischen Ikone des Feminismus.

Ich mag die Geschichte von "Nora oder ein Puppenheim". Nora hat ihren Mann und ihre Kinder verlassen, um unabhängig zu werden. Für mich symbolisiert Nora eine frühe feministische Haltung. Ich wollte in Nora alle ungebundenen, freien Frauen porträitieren. Wir sind alle Noras. Deshalb habe ich ein Photo von mir zugrundegelegt, es aber technisch dekonstruiert. Denn auf mich kommt es nicht an.
Ich finde mein Werk sehr politisch. Aber eine direkte politische Message werden sie in meiner Arbeit nicht finden.

Sie wurden in Japan geboren, wuchsen abwechselnd in Japan und den USA auf. Seit vielen Jahren leben Sie nun in New York. Wo liegt heute ihre künstlerische Heimat?

Gegen mich richteten sich mindestens dreierlei Ressentiments: das antiasiatische, das antifeministische und das antikapitalistische. Das sind Klischees nach dem Motto: Schaut Euch den alten Drachen an, seht die reiche Witwe. Da muß man durch, ich betrachte das ganze Leben als Lernprozeß.

Die Ethnien in Amerika sind stark vermischt, auch wenn es noch Konflikte gibt. Und in Zukunft wird sich das immer mehr verstärken. In 100 Jahren blickt man wahrscheinlich ganz befremdet auf jene Konflikte zwischen Nationen und Ethnien zurück, die es vor langer langer Zeit einmal gab. Ich denke schon heute so. Jeder, der mein Werk versteht, ist mein Landsmann. Ich fühle mich als Japanerin, Chinesin, Koreanerin, Amerikanein, New Yorkerin, Engländerin, usw. Auch als Deutsche. Wohin ich auch gehe, dort ist mein Land.

Was denken Sie über Deutschland?

Ich habe eine große Beziehung zur deutschen Musik, Malerei, Literatur, aber nur zu vergangenen Werken. In der Gegenwart erkenne ich vor allem ein unglaublichen Schmerz und Wut, ein tiefes Leiden, und eine schmerzhafte Erinnerung durch die die Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg hindurchgehen, und die noch nicht zuende ist.

Zugleich gibt es heute eine neue Offenheit für andere Kulturen. Und diese sich selbst wandeln sich ständig. Junge Deutsche zum Beispiel, interessieren sich zwar wenig für traditionelle japanische Kultur, aber die papanische Punkszene in Musik, Fim und Comics ist hier relativ populär.

Ja, unser gegenwärtiges Zeitalter ist unglaublich reichhaltig. Es gibt keine Grenzen mehr. Wir alle teilen alle Errungenschaften der langen Kulturgeschichte der Welt. Als ich noch jung war, nein, ich bin immer noch jung-, aber als ich noch ein bißchen jünger war, da hörte man entweder Jazz oder Klassik, oder irgendetwas anderes. Und heute dagegen gibt es solche Barrieren nicht mehr. Ich denke, daß die Jungen heute eine sehr glückliche Phase erleben, ihnen steht die ganze menschliche Erinnerung zur Verfügung.

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